Ein "Haus mit Strahlkraft"

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Mehr als 20 Künstler und Kreative kamen zum ersten „Blauen Tisch“, zu dem Christiane Graf (2.v.r.) und ihr Mann Frank Graf (rechts) geladen hatten. In den nächsten Wochen soll intensiv an einem Nutzungskonzept für das Blaue Haus gearbeitet werden.

Dießen – Noch im Herbst dieses Jahres möchte eine Gruppe von Künstlern und Kreativen um die Modedesignerin Christiane Graf, dem Gemeinderat ein Konzept zur weiteren Nutzung des Blauen Hauses vorlegen. Angedacht ist eine lebendige, künstlerische und soziale Begegnungsstätte. Im Juli 2017 wird, wie mehrfach berichtet, der langjährige Pächter Jürgen Bahls mit seinem Architekturbüro aus der gemeindeeigenen Immobilie im Ortszentrum, die sich vor 100 Jahren als „Ammersee Hotel“ einen Namen machte, ausziehen. Bereits seit November betreiben Christiane Graf und ihr Mann Frank im ehemaligen „Kult Café“ im Erdgeschoss ein Strickcafé.

Mieter im Blauen Haus ist mittlerweile auch eine Fotoschule, die gemeinsam mit den Grafs Räumlichkeiten im Dachgeschoss des stattlichen Gebäudes gemietet hat. Dort werden bereits Kurse angeboten, eine Fotoakademie soll aufgebaut werden. Auch das erste Obergeschoss ist, wie Christiane Graf meint, „richtig gut an junge, kreative Firmen vermietet. Wir kommen gut miteinander aus und die jungen Leute bringen Arbeitsplätze nach Dießen“.

Die erfolgreiche 63-jährige Textildesignerin, Tochter des bekannten Künstler-und Bildhauerpaares Svea und Bertram Graf aus Utting, ist in der Kunst- und Kulturszene der Ammersee-Region aufgewachsen. Seit Jahren richtet sie unter anderem den kunsthandwerklichen Sommermarkt in Utting und den Wintermarkt im Blauen Haus aus und sie versteht sich als Netzwerkerin in der Kulturszene.

Auch für den 180 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal im Erdgeschoss hat die Dießener Künstlergruppe um Christiane Graf schon konkrete Pläne. Dort sollen weiterhin Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte stattfinden können. Das Programm bis zum Jahresende steht bereits. Bewährtes, wie die Produzentenausstellung „dasKleineFormat“ mit Kuratorin Annunciata Foresti wollen die Grafs gerne im Blauen Haus behalten. Denkbar seien auch Ausstellungen die moderne Kunst mit traditionellem, lokalen Kunsthandwerk oder mit heimatkundlichen Sammlungen kombiniert.

Gerne würde die Künstlergruppe auch den kleinen Saal, der sich östlich an den großen Veranstaltungsaal anschließt, in ihr Konzept einbeziehen. „Dieser Raum wäre absolut wichtig für die fotografische Sommerakademie, aber auch für Kinder- und Kreativkurse“, sagt Christiane Graf. Ein Traum der Modedesignerin ist es außerdem, junge Leute im traditionellen Textilhandwerk auszubilden. „Textilmanufakturen haben wieder Zukunft“.

Im Souterrain des östlichen Anbaus könnte sich Graf gut ein Büro vorstellen. Zum Beispiel für die AWO, die derzeit Räumlichkeiten für die Dießener Tafel und als Kontaktstelle für Flüchtlinge sucht. Lediglich für den alten Gewölbekeller unter dem Blauen Haus, der einst einer Bierbrauerei als Eiskeller diente, haben die Grafs noch keine konkrete Nutzungsidee. „Der Keller ist toll, aber für Ausstellungen ist er wohl zu feucht.“

Einen hohen Gewinn könne die Gemeinde durch die Vermietung des Blauen Hauses an Künstler und Kunsthandwerker voraussichtlich nicht erzielen, sagte Michael Ruoff, Sattlermeister und Mitbegründer des Gewerkhauses in Dießen, beim ersten „Blauen Tisch“, der kürzlich im Blauen Haus stattfand. Aber ein Kulturzentrum an zentraler Stelle biete einen Mehrwert der wertvoller sei als hohe Mieteinnahmen.

Gemäß einem von der Gemeinde beauftragten Gutachten sprechen auch die relativ niedrigen Sanierungskosten von zirka 100.000 Euro für die Nutzung als Kulturzentrum. Der Umbau in Wohnungen oder Praxen mit den entsprechenden sanitären Einrichtungen würde gemäß einer Schätzung des derzeitigen Pächters Jürgen Bahls dagegen bis zu zwei Millionen Euro kosten.

Ursula Nagl

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