Saal in öffentliche Hand

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Wie geht es weiter mit dem Blauen Haus? Momentan werden unterschiedliche Konzepte diskutiert.

Dießen – Das Blaue Haus in Dießen bietet derzeit viel Gesprächsstoff. Wie soll es mit der zentralen, ortsbildprägenden Immobilie nach Auflösung des derzeitigen Pachtverhältnisses im Juli 2017 weitergehen? Im Herbst wird der Gemeinderat über unterschiedliche Nutzungsvorschläge diskutieren. Derzeit befinden sich im Obergeschoss Büros und Seminarräume, im Erdgeschoss ein Café sowie der Veranstaltungsraum, dessen zukünftige Nutzung ebenfalls noch offen ist.

Insbesondere das Obergeschoss hat Michael Hofmann, Gemeinderat der Bayernpartei, im Blick. Er möchte dort heimatkundliche Sammlungen unterbringen. Die Textildesignerin Christiane Graf, die derzeit im ehemaligen KultCafe im Erdgeschoss ein Strickcafé betreibt, möchte den angrenzenden, 180 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal gemeinsam mit einem weiteren Mieter des Blauen Hauses, der Fotoakademie „Wenn Helden reisen“ nutzen, verwalten und untervermieten (wie berichtet). Nun hat sich auch die Malerin und Kultur-Netzwerkerin Annunciata Foresti gemeinsam mit 13 weiteren Künstlern zu Wort gemeldet. Ihnen geht es ebenfalls insbesondere um die Nutzung des Saales, allerdings, so der Tenor des Offenen Briefes an den Gemeinderat, sollte dieser von der Gemeinde verwaltet werden. Foresti und den weiteren Unterzeichnern ist ein öffentlicher, unabhängiger und kostengünstiger Raum für „Kunst und Kultur“ ein Anliegen.

Der Saal soll von der Gemeindeverwaltung über einen Belegungsplan gesteuert werden, und – nach dem Vorbild der Landsberger Säulenhalle – frei an Vereine und sonstige Kulturschaffende vergeben werden. Daraus ergebe sich die Möglichkeit, „dass Dießen als Ort für kulturelle Aktionen weiter an Profil gewinnt und somit im Ganzen belebt wird“. Der an der Ostseite des Saales angrenzende vermietete Raum könne gerne als Lagerraum, Theaterraum oder als Erweiterung des Ausstellungsraumes „dazugegeben werden“. Sollte er weiterhin als Büro vermietet bleiben, müssten sich Mieter des hinteren Raumes freilich „auf mehr Veranstaltungen einstellen, kooperieren und keine Konkurrenzsituation zu den Kulturveranstaltungen darstellen“, so die Unterzeichner des Briefes. Die Instandhaltung und Beleuchtung des großen Saales soll die Gemeinde übernehmen. Die Nutzer des Saales sollen im Gegenzug einen Unkostenbeitrag zahlen, der auch die Neben- und Reinigungskosten deckt. Die Bestuhlung, die im Blauen Haus im östlichen Souterraingeschoss lagert, soll die Gemeinde für Veranstaltungen je nach Bedarf kostenfrei zur Verfügung stellen. Das benachbarte Café empfindet die Unterzeichner als „gute Ergänzung“ zum autonomen Veranstaltungsprogramm. Veranstaltungen im Saal könnten vom gastronomischen Angebot profitieren und umgekehrt, allerdings ohne jeglichen Konsumzwang.

Sicher sind sich die Unterzeichner, „dass der Saal immer gut belegt sein wird, da es im Ammerseebereich keinen vergleichbar guten Ausstellungsraum gibt“. Ansonsten, so Foresti, könne das Blaue Haus so bleiben wie es im Moment ist. Lediglich der große Saal sollte „frei, unabhängig und öffentlich von der Gemeinde verwaltet und nicht einem Privatpächter oder Verein überlassen werden“. Unterzeichnet wurde der Konzeptvorschlag von den Dießener Künstlern und Kulturschaffenden Matthias Rodach (Bildhauer), Gabi Meyer Brühl (Fotografin), Nani Weixler (Textilkunst und Licht), Katharina Ranftl (Bildhauerin), Katalin Fischer (Theaterregie, Journalistin), Thomas H. Zagel (Leitung Kammerchor Dießen), Nue Ammann (Künstlerin, Kulturjournalistin), Angelika Forster-Walter, (Commedia Dießen), Saskia Pavek (Fotokünstlerin), Konstantin Moreth (Schauspieler), Sabine Jakobs (Fotografin), Gabriele Rothweiler (Fotomalerei), Burkhard Niesel (Maler, Kunstlehrer) und Annunciata Foresti (Malerin).

Ursula Nagl

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