Es bleibt bei der Schätzung – Hitzige Debatte um die genannte Zahl der Kauferinger KZ-Opfer

„Die Zahl der Toten muss genannt werden!“ Das hat Bürgermeister Dr. Klaus Bühler mit Blick auf die vom Gemeinderat beschlossenen Infotafeln (siehe oben) gesagt, die am Gedenkort „Rampe/Waggon“ sowie in Lager III aufgestellt werden sollen. Damit reagierte er auf die Kritik der GAL-Fraktion. Sie hatte gefordert, auf die Nennung der Opferzahlen des KZ-Außenkommandos Kaufering so lange zu verzichten, „bis ein Konsens zwischen Historikern und Herrn Dr. Bühler besteht.“

„Grundsätzlich steht die GAL Kaufering hinter dem Konzept Gedenkort ‚Waggon/Rampe’, das an das Schicksal der Opfer des KZ Außenkommandos Kaufering und der Vertriebenen glei­chermaßen erinnert“, betonte GAL-Fraktionsvorsitzende Gabriele Triebel einleitend. Die GAL könnte auch den vorliegenden Textvorschlägen zustimmen, wenn darin keine Angaben zu den Opferzahlen des KZ-Außenkommandos Kaufering enthalten wären. „Mit einer Nennung beziehungsweise Festschreibung der Zahl von bis zu 20000 Opfern zementiert der Marktgemeinderat den bereits bestehenden Dissens zwischen Herrn Dr. Bühler und den Historikern, die an dem Thema bisher gearbeitet haben“, so Triebel weiter. Aus Respekt vor den Opfern wolle die GAL in dem für Kaufering so wichtigen Thema aber Konsens. Deshalb beantragten die Grünen: „Solange keine kon­struktive Zusammenarbeit zwischen Herrn Dr. Bühler und den offiziellen staatlichen Stellen – Universitäten, Stiftung Bayerischer Gedenkstätten – zu erkennen ist, werden auf den Infotafeln keinerlei Zahlen oder Schätzungen über die Opfer des KZ Kaufering vermerkt.“ Der Antrag wurde mit 12:7-Stimmen abgelehnt. Bühler selbst machte deutlich, dass es hier nicht um seine Person gehe und dass die Zahl der Toten genannt werden müsse. Dabei könne diese aber immer nur geschätzt werden. Daran käme auch kein Historiker oder Wissenschaftler vorbei, so Büh­ler. Auch habe er die Zahl von 14500 Toten, die von Landrat Dr. Gerbl aus dem Jahre 1949 stammt, als Grundlage für seine weiteren Recherchen genommen. „Nach sorgfältiger Auswertung inzwischen zugänglicher historischer Unterlagen“, könne man durchaus davon ausgehen, dass insgesamt bis zu 20000 Häftlinge aus den KZ-Lagern Kaufering ums Leben gekommen sind.“ Gerade diese Zahl hat in jüngster Zeit für viel Anstoß bei einigen Historikern und Institutionen ge­sorgt. Dabei erinnerte Hans-Jörg Pilz (GAL) an die Podiumsdiskussion vor einigen Mo­naten, „wo sich Kaufering schlicht lächerlich gemacht hat.“ Aus seiner Sicht könne man einfach nicht an dieser Zahl festhalten – zumal im November ein neues Buch mit dem Titel „Landsberg in der Zeitgeschichte“ erscheint. Darin wird ein Artikel von Prof. Ludwig Eiber vom Haus der Bayerischen Geschichte veröffentlicht, der neue, weit tiefere Zahlen anführt. Daher Pilz’ Vorschlag, die Entscheidung über die Kauferinger Texte so lange zu vertagen, bis die neuen Erkenntnisse auf dem Tisch liegen. Die Mehrheit (12:7) des Marktgemeinderates konnte die Auffassung des GAL-Rates nicht teilen und stimmte dem Textentwurf für die KZ-Opfer zu. Bühler wiederholte noch einmal eindringlich, dass die Zahl der Toten genannt werden müsse und immer nur geschätzt werden könne.

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