Blond ist Trumpf

Mona Alberti und ihre drei Mitbewerberinnen mussten beim Christkindl-Casting unter anderem den Prolog lesen. Fotos: kb

Viele denkwürdige Ereignisse hat der altehrwürdige ehemalige Sitzungssaal im Historischen Rathaus schon gesehen: unzählige Stadtratssitzungen, Ehrungen, festliche Anlässe. Neuerdings kann er gemietet werden für diverse Festivitäten oder sonstige Anlässe. Was der Herkomersaal sicher noch nicht erlebt hat war das Christkindl-Casting, zu dem die Stadt geladen hatte.

Anlass der Inszenierung war auch der Umstand, dass die Rückkehr des Christkindlmarkts ins „Herz der Stadt“, so Raimund J. Stolz, Leiter des Ordnungs- und Marktamtes, besondere Aufmerksamkeit ver­- dient. Das Christkindl nebst seinen vier Begleiterengeln bekommt heuer eine neue Ausstattung, angefertigt von einem Landsberger Modeatelier Acht junge Damen hatten sich für die Rolle des Christkinds beworben. Vorgegeben war das Alter, zwischen 16 bis 21 Jahren, gefordert waren Sprachsicherheit und -gewandtheit. Von den Bewerberinnen, die sich einer fünfköpfigen Jury, unter ihnen 2. Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller und Klaus Schmalholz, Vorstand des Sponsors Landsberg-Ammersee Bank, stellen mussten, waren allerdings nur vier angetreten. Sie wurden einzeln in den Saal gebeten, wo sie auf einem Stuhl, vor der Jury sitzend, sich zuerst vorstellten. Alle betonten natürlich ihre Freude, mit Kindern umzugehen. Die Bewerberinnen mussten sodann aus dem Prolog vorlesen – stehend. Dabei konnte der unbefangene Beobachter bereits erhebliche Unterschiede im Sprechen und Lesen ausmachen. Deutlich, im richtigen Tempo und gut akzentuiert trugen zwei der Damen vor, wobei es auch hier kleine Unterschiede im fehlerfreien Sprechen gab. Schließlich schlüpften die Jurymitglieder in die Rolle der Kinder und stellten dem Christkind Fragen. Was ist, wenn der kleine Bruder die Existenz des Christkindls in Frage stellt? Wie werden die Wunschzettel geholt? Alle Bewerberinnen antworteten recht ansprechend, eine in Gestik und Mimik fast perfekt. Ob es ein Klischee bedient, dass das Christkindl blond sein und lange Haare haben muss? Drei der jungen Damen mussten hier mit ihrer Haarpracht nicht geizen. Seltsam nur: Beim Verlassen des Raumes benötigten zwei „Christkindl in spe“ Hilfe beim Öffnen der Tür. Dabei dürften doch geschlossene Tore für ein echtes Christkind kein Hindernis sein… Leider wollte die Jury noch keine Entscheidung bekannt geben. Das Landsberger Christkindl 2010 soll der Öffentlich­- keit entsprechend hergerichtet und geschminkt im neuen Outfit präsentiert werden – am heutigen Mittwoch um 15 Uhr am Georg-Hellmair-Platz.

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