Von Bohrlöcher und Fraßbilder

Mit einem Messer kratzt Hans-Jürgen Gulder die Rinde vom Stamm einer hohen Fichte und wird fündig: Da ist er, der Käfer, der diese Nadelbäume krank macht. Buchdrucker und Kupferstecher, bekannt als Borkenkäfer, haben einigen Fichten in dem kleinen Waldstück bei Igling schon so arg zugesetzt, dass sie am Ende doch gefällt werden mussten.

Gulder, Leiter des Amtes für Ernährung, für Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck, Eva Wiecha, stellvertretende Revierleiterin, und Xaver Zech, der für die Gemeinde Igling im Wald tätig ist, hätten auf dieses Finderglück lieber verzichtet. Doch der April war viel zu trocken und zu warm – gut für den Borkenkäfer und zum Nachteil für die Fichten, die unter seinem Massenbefall leiden. Hans-Jürgen Gulder appelliert deshalb an die Waldbesitzer, ihre Bäume jetzt verstärkt auf den Schädling hin zu untersuchen. Um einen Baum auf Befall zu kontrollieren, braucht es nur einen Blick auf den Stamm – denn dort unter der Rinde graben sich die Käfer in den Baum hinein. „Bohrlöcher“ werden da schon von außen sichtbar, ebenso braun-rotes „Bohrmehl“. Unter der Rinde, in der ersten Schicht des Baumstammes, offenbaren sich dann die „Fraßbilder“, die die Schädlinge hinterlassen haben. Dort transportiert der Baum seine Nährstoffe. Die Käfer zerstören dieses Kreislauf im Organismus Baum, indem sie die Nährstoffkanäle „zerfressen“. Der Baum muss dann vertrocknen. „Dabei ist nicht der einzelne Käfer gefährlich, sondern die Masse. Der Borkenkäfer neigt zur Massenvermehrung und kann dann gesunde Bäume zerstören“, erklärt Eva Wiecha, stellvertretende Revierleiterin. In dem Fichtenwald bei Igling haben Kupferstecher und Buchdrucker das schon mehrfach getan. Die Stämme einiger Bäume sehen aus wie Flickenteppiche – dort, wo die Rinde fehlt, waren die Käfer am Werk. So wie der Borkenkäfer das warme Wetter liebt – auch die stetige Klimaerwärmung „kommt ihm zugute“ – fühlt er sich in reinen Fichtenwäldern besonders wohl. Anders als südlichen Landkreis Landsberg gebe es im nördlichen Teil viele dieser Fichten-Monokulturen. Daher bestünde hier, so Gulder, eine große Gefahr, dass sich die Käfer ungehindert ausbreiten können. „Wir brauchen einen beschleunigten Waldumbau“, fordert der Forstexperte aus Fürstenfeldbruck daher. In Mischwäldern kann sich der Borkenkäfer nicht derart massiv vermehren. Doch die zarten Pflänzchen von Eiche, Buche oder Tanne werden schnell von Rehen gefressen – die Chance auf einen Mischwald ist dahin. Deshalb sind auch die Jäger gefordert: indem sie den Rehbestand niedrig halten, bekommen die jungen Eichen oder Lärchen Zeit zum Wachsen, bis sie den Tieren trotzen können. Für diesen so genannten Waldumbau gebe es Finanzhilfen von der Regierung Oberbayern, erklärt Gulder. Das Geld dafür sei da, doch es fehle an Waldbesitzern, die mitmachen. Damit die Mischwälder mehr werden und der Borkenkäfer weniger, daran arbeitet auch Xaver Zech von der Gemeinde Igling. Zech sammelt jeden Donnerstag aus vier „Käferfallen“ Kupferstecher und Buchdrucker ein. Die Menge vom letzten Mal war zu groß, also kritisch. „Alle müssen zusammen helfen“, fordert Zech und hofft, dass die Waldbesitzer mehr gemeinsam arbeiten und es sich nicht „krumm nehmen“, sondern als Hilfe ansehen, wenn der eine auf dem Grundstück des anderen einen Borkenkäferbefall entdeckt.

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