Brückengegner in Landsberg bitten recht freundlich – Bürgermeister nimmt Unterschriftenliste mit

Das Störfeuer einiger Lechstädter hat seine Wirkung verfehlt: Obleich die eine oder andere Liste abhanden kam, ist es den Aktivisten des Bürgerbegehrens „Stopp dem Brückenbau“ in „sehr kurzer Zeit“ gelungen, die erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Jetzt empfehlen sie Oberbürgermeister Ingo Lehmann „freundlich“, den Ratsbeschluss für den Bau der Fußgängerbrücke zurücknehmen zu lassen.

Die drei Sprecher des Bürgerbegehrens, Wolfgang Neumeier, Rudolf Heiß und Martina Wiesner, wandten sich am Mittwoch mit einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister. Respektvoll heißt es: „Mir möchten Ihnen freundlich empfehlen, in der nächsten Stadtrats­- sitzung am 21. Oktober über den Fußgänger-Brückenbau zwischen Karolinenbrücke und Staustufe 15 erneut abstimmen zu lassen.“ Ziel sei es, die Baumaßnahme nicht mehr durch­füh­ren zu lassen. Die Reaktion aus dem Rathaus folgte auf den Fuß. Nur kurze Zeit, nachdem die „freundliche Bitte“ der drei Bürgerbegehren- Sprecher auf seinem Schreibtisch liegt lässt OB Ingo Lehmann (SPD) wissen, dass „nach Vorlage der Unterschriften im Stadt­rat ohnehin im Rahmen der Zulassung des Bürgerentscheides darüber beraten wird, ob der Stadtrat am Projekt festhält.“ Und ergänzt: „Nach Artikel 18a, Absatz 14 der Bayerischen Gemeindeordnung ent­- fällt der Bürgerentscheid, wenn der Stadtrat die Durchführung der mit dem Bürgerbegehren verlangten Maßnahme beschließt.“ Will heißen: Wenn der Stadtrat beschließt das Projekt fallen zu lassen. Am Mittwoch nächster Woche, das ist der Antwort Lehmanns weiter zu entnehmen, wird das wohl nicht der Fall sein. So sammeln die Aktiven der Bürgerinitiative weiter Unterschriften. „Bis zum 21. Oktober“, so Neumeier, „obwohl uns im Moment rund 1700 vorliegen und noch einige Listen draußen sind.“ 1623 müssten es nach dem aktuellen Einwohnerstand sein und letztlich will man auf Nummer sicher gehen. Am Donnerstag, 22. Oktober, werde er, Neumeier, das Paket in der Stadtverwaltung abgeben. Listen auf Abwegen Ohnehin habe die BI wenig Mühe beim Sammeln gehabt, betont Neumeier – abgesehen von den abhanden gekommenen Listen. Hier hatte Bürgermeister Norbert Kreuzer (CSU) für den ersten großen Wirbel ge­sorgt. Er war in einem Landsberger Getränkemarkt beobachtet worden, wie er die Liste Nummer 448 mitnahm. Die genaue Formulierung des Bürgerbegehren habe er wissen wollen, sagt er auf Anfrage des KREISBOTEN. Und betont: „Auf der Liste war keine einzige Unterschrift; außerdem ist sie einen Tag später zu­rückge­ge­ben worden.“ Wolfgang Neumeier bestätigt dies, kann sich über das Gebahren einiger Lechstädter nur wundern. An anderer Stelle seien ebenfalls Listen ver­schwunden, in den Taschen „namhafter Landsberger Geschäftsleute“. Eine Systematik habe er nicht erkennen können. Unabhängig davon sei in vielen Gesprächen mit den Lechstädtern der Brückenbau fast einhellig abgelehnt worden – wegen der „immensen Kosten“ und aufgrund des „gravierenden Eingriffes in die Landschaft am Lechpark“. Deshalb sind Neumeier, Heiß und Wiesner überzeugt, dass der Brückenbau im Rahmen eines Bürger­entscheides „mit deutlicher Mehrheit“ abgelehnt würde. Schadensbegrenzung ist hier angesagt: „Der Stadtrat sollte nochmals die Möglichkeit erhalten, den Brückenbau abzulehnen“, heißt es in dem Offenen Brief, „um weitere Kosten für die Stadt abzuwenden.“ Von etwa 80000 Euro ist die Rede, so viel habe im Oktober 2001 die Abstimmung zum Haupt­-platz­umbau verschlungen. Die Abkehr vom Brückenbau würde das ohnehin schon leere Stadtsäckel „ziemlich entlasten“ und die Landsberger von einem weiteren Urnengang bewahren. Während die Grünen nach wie vor am Bürgerbegehren festhalten, machen UBV-Fraktionschef Christoph Jell, Reinhard Skobrinsky (BAL) und Wolfgang Buttner (ödp) ihrerseits mobil. In einem gemeinsamen Antrag fordern sie OB und Stadtrat auf, die Planung für den Lechsteg einzustellen und das Projekt aufzugeben. Der Steg finde in der Bürgerschaft keine Unterstützung, begründen sie, außerdem seien die Kosten für einen Bürgerentscheid angesichts der prekären Haushaltslage einfach zu hoch.

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Landsberg – Mal eben den Rasen mähen oder kurz zum Arzt fahren – kein Problem für die Meisten. Alleinstehende oder Senioren stoßen jedoch mit diesen …
"Wir wollen Hilfe zurückgeben"

Breitband, Straßen, Seeanlagen

Dießen – Kaum Anlass zu Rückfragen und Diskussionen hat der Haushaltsplan 2017 gegeben, den Kämmerer Max Steigenberger am Montag erneut im …
Breitband, Straßen, Seeanlagen

Kommentare