Brutaler Schläger – 20-Jähriger muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis

Eine grundlose Attacke, die nicht mal der Täter selbst erklären konnte, hat einem 20-Jährigen zweieinhalb Jahre Haft eingebracht. Er hatte im Dezember 2008 auf dem Kauferinger Bahnhof einen zwei Jahre älteren Bekannten mit Fäusten und Fußtritten so traktiert, dass dieser eine schwere Augenverletzung erlitt. Besonders schade: Der Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt nach diversen Vorstrafen seinem Leben eine Wende gegeben und schien auf einem guten Weg zu sein.

Wenn da nur der Alkohol nicht wäre. Den Abend vor dem Nikolaustag verbrachte der junge Mann abwechselnd bei Freunden zu Hause und in einer Diskothek in der Nähe des Kauferinger Bahnhofs. Getrunken wurde überall, Wodka und Bier flossen in Strömen, gefolgt von „einer Nase Speed“. Als dem Angeklagten in der Disco ein ehemaliger Mitschüler aus der Fritz-Beck-Hauptschule über den Weg lief, gab es ein kurzes Geplänkel über einen unliebsamen Spitznamen, den der Ältere nicht mehr hören wollte – mehr nicht. Was dann morgens um 5 Uhr auf dem Bahnhof geschah, konnten sich in der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht weder Täter noch Opfer erklären. „Er hat irgend etwas geschrien. Ich weiß aber nicht mehr, was“, so der Angeklagte. „Mein Kopf war ausgeschaltet.“ Er stürzte sich auf seinen Bekannten, versetzte ihm zwei Faustschläge gegen den Hinterkopf und trat dem am Boden Liegenden dann zweimal mit dem Fuß ins Gesicht. Im Klinikum Landsberg diagnostizieren die Ärzte kurz darauf eine Gehirnerschütterung und eine zertrümmerte Augenunterhöhle. Der Verletzte wird sofort in die Uni-Klinik nach München gebracht, wo er eine Woche lang stationär behandelt wird. Der zertrümmerte Knochen wird durch eine Metallplatte ersetzt. Weil bei der Operation Gesichtsnerven durchtrennt werden, leidet das Opfer bis heute unter einem Taubheitsgefühl in der rechten Wange und sieht gelegentlich Doppelbilder. „Für meine Arbeit als Kaminkehrer ist das gefährlich, ich brauche eine gute Sicht auf dem Dach“, sagt der 22-Jährige. Diverse Entschuldigungen des Angeklagten weist er zunächst zurück. Erst durch die Vermittlung des neuen Landsberger Vereins „Die Brücke“ kommt eine Verständigung zustande, und es fließen 1000 Euro Schmerzensgeld, allerdings aus der Vereinskasse. Ob und wann der Täter das Geld zu-rückzahlen kann, ist offen – er hat bereits Schulden aus früheren Verurteilungen. Acht Vorstrafen zählte Richter Alexander Kessler auf, darunter auch einschlägige. Ein Jahr hat der 20-Jährige bereits in Haft gesessen. In dieser Zeit machte er seinen Hauptschulabschluss nach, begann nach seiner Entlassung das Berufsgrundbildungsjahr an der Berufsschule Landsberg und hat nun eine Lehrstelle als Schreiner in Aussicht. Leider habe der Angeklagte aus der Haft „nichts, aber auch gar nichts gelernt“, befand Kessler. Das Landsberger Schöffengericht ging mit einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren sogar noch über die von Staatsanwältin Cornelia Böttcher geforderten zwei Jahre hinaus.

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