Der Bürger darf entscheiden

Im Kauferinger Rathaus gibt es für den neuen Bürgermeister Erich Püttner Einiges zu tun: Allem voran will er so schnell wie möglich die Finanzen in den Griff bekommen. Foto: Kruse

Der neue Bürgermeister der Marktgemeinde macht jetzt Ernst: Zum einen will Erich Püttner (UBV) sein Wahlkampfversprechen einlösen, die Bürger stärker einzubinden, zum anderen muss er so schnell wie möglich die Kauferinger Finanzen wieder in den Griff bekommen, um die es derzeit nicht besonders gut steht. Am Ende seiner geplanten Neuerungen soll baldmöglichst ein „Bürgerhaushalt“ stehen.

Vor der Wahl hatte Püttner stets eine Aussage zur Verschuldung der Marktgemeinde abgelehnt, da er keinen Einblick in die exakten Zahlen hatte. Den hat er jetzt, begeistert dürfte er von den Erkenntnissen nicht sein. Mit gut 30 Millionen Euro ist Kaufering recht hoch verschuldet; 22 Millionen davon sind allerdings das, was Püttners Vorgänger Dr. Klaus Bühler „rentierliche Schulden“ nannte. Püttner gibt ein Beispiel: „Eine neue Kläranlage wird dann 30 Jahre über die Abwassergebühren sozusagen abbezahlt, da gibt es keine Probleme.“ Die Verbindlichkeiten, denen keine Werte gegenüberstehen und die damit „auf die eine oder andere Weise aus dem Haushalt heraus“ beglichen werden müssen, sind aber ebenfalls erklecklich: 8,5 Millionen Euro stehen auf diesen Posten in den Büchern. Sehr freigiebig kann Erich Püttner damit in den nächsten Jahren nicht agieren, manches Prestige- oder Wunschprojekt wird in Kaufering vorerst nicht umsetzbar sein. Doch Sparsamkeit alleine dürfte nicht reichen, alle Maßnahmen müssen auf den Prüfstand. Der 54-Jährige hat deshalb seiner Verwaltung den ersten großen Auftrag gegeben: Für eine übergreifende Planung sollen ihm alle Abteilungen bereits in dieser Woche ihre wichtigsten Projekte vorlegen – inklusive Zeitvorgaben und Kostenschätzung. „Diese Liste werden wir Anfang Juli mit den Abteilungsleitern diskutieren“, so Püttner, danach werde es verwaltungsintern eine Prioritätenliste geben. Schritt zwei: In einer Klausurtagung mit den Gemeinderäten und der Verwaltung Ende September sollen erste Schwerpunkte gesetzt und feststellt werden, wieviel Geld Kaufering demnächst überhaupt ausgeben kann. „Dazu möchte ich einen Ein-, Drei- und Fünf-Jahres- Plan erstellen, das sind die Zeiträume, für die man das seriös machen kann.“ Danach will Püttner die abschließende Phase einleiten, mit der die Marktgemeinde absolutes Neuland betritt: Die Kauferinger sollen künftig mitentscheiden, wenn es ums Geld geht. „Bei einem so wichtigen Thema muss die Bürgerbeteiligung natürlich mit einfließen. Wir können ja nicht versprechen, dass wir die Leute mehr einbinden und dann sagen wir ihnen, dass schon alles entschieden und außerdem sowieso kein Geld da ist.“ Das Kauferinger Gemeindeoberhaupt möchte deshalb die bereits im Wahlkampf angedachte Bürgerwerkstatt installieren. Deren Ideen sollen mit den Ergebnissen aus Verwaltung und Marktgemeinderat zusammen in einen „Bürgerhaushalt“ einfließen. Püttner ab­schließend: „Letztendlich soll jeder wissen, wieviel Geld überhaupt zur Verfügung steht. Und dann darf der Bürger entscheiden, was ihm wichtig ist und was nicht.“

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