Idealismus anstatt Rendite?

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Idealismus statt Rendite? In welcher Form der Dießener Bürgerbahnhof in Zukunft geführt wird, ist nach wie vor offen.

Dießen – Mit der Gründung einer Betreibergenossenschaft für den Bahnhof hat sich der Gemeinderat befasst. Dr. Werner Weber vom Bayrischen Kommunalen Prüfungsverband hatte vorab ein Genossenschaftsmodell geprüft, das bereits von den Initiatoren der Idee „Bürgerbahnhof“ vorgestellt worden war.

Weber räumte ein, diesem Modell kritisch gegenüber zu stehen. Er sehe darin die Interessen der Gemeinde als Immobilieneigentümerin nicht aus­- reichend gewahrt. Das Modell der Initiatoren sieht vor, den Bahnhof von einer Bürgergenossenschaft auf Erbbaubasis bewirtschaften zu lassen. Weber riet stattdessen zu einer GmbH und Co.KG mit Kommune und Bürgern als gleichberechtigte Partner.

Stefan Jörg, Vorstand der VR-Bank Landsberg-Ammersee sah dagegen in einem von ihm als Alternative präsentierten, zweistufigen Genossenschaftsmodell eine Variante, in der die Gemeinde maßgeblich „das Zepter des Handelns in der Hand halte“ und über das „was, wann, wie und mit wem“ entscheide. Demnach schlägt die VR-Bank ein „zweistufiges Genossenschaftsmodell“ vor, deren Management die Bank vorerst „ehrenamtlich“ übernehmen würde. 

Zuerst wäre eine „VR-Bürgerbeteilgung Dießen eG“ zur Akquirierung der Genossen­schaftsanteile zu gründen, gefolgt von einer „VR-Bürgerobjekte eG Dießen“. Die „VR-Bür­gerobjekte“ würde den Bahnhof mit den Beteiligungen der „VR Bürgerbeteilung“ sanieren. Anschließend könnte das Gebäude verpachtet und genutzt werden. Pachteinnahmen und Erträge würden über die „VR-Bürgerobjekte“ an die „VR-Bürgerbeteiligung“ ausgeschüttet. Die Vorstandsgremien, so Jörg, würden sich jeweils aus einem Vertreter der Gemeinde, einem Mitarbeiter der Bank und einem Bürger zusammensetzen.

Weber wies allerdings darauf hin, dass Hoffnungen auf eine hohe Rendite bei diesem Geschäftsmodell nicht angebracht seien. Laut Jörg stehe stattdessen eher die „sichere Kapitalanlage“ und „die emotionale Bindung“ im Vordergrund.

Angesichts der Tatsache, dass sich Bürgerbeteiligung im VR-Modell im wesentlichen auf die Finanzierung reduziert und kaum Gestaltungsspielräume für die Anteilsnehmer einräumt, machte sich unter den Zuhörern und Initiatoren des Themas Bürgerbahnhof auf den Zuschauerbänken spürbar Ernüchterung breit. Einige Gemein­deräte fanden allerdings Gefallen an der Idee fanden.

Mit den Worten „der Profit ist gar nicht so das Thema“, appellierte etwa Dr. Wolfgang Salzmann (CSU) an den Idealismus der Bürger: „Wir haben den Bahnhof doch wegen des Ortsbildes und um ihn vor Verfall und Spekulanten zu bewehren, gekauft.“ Erich Schöpflin (SPD) befürchtete, dass es schwierig werden würde, im Bahnhof kommunale Interessen, zum Beispiel einen Bürgerraum, zu etablieren, wenn man derartige Entscheidungen Dritten überließe.

Den Bürgerbahnhof-Initiatoren soll nun Gelegenheit gegeben werden, ihr eigenes Ge­nossenschaftsmodell nochmals zu prüfen, während die Fraktionen intern beraten.

Ursula Nagl

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