Wolfsgassler wehren sich

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Trotz marodem Zustand wollen die Anwohner der Dießener Wolfsgasse eine Sanierung verhindern und den dörflichen Charakter erhalten.

Dießen – Die knapp 8.500 wahlberechtigten Dießener Bürger dürfen sich eventuell auf einen neuen unplanmäßigen Urnengang einstellen. Die Interessengemeinschaft Wolfsgasse hat ein Bürgerbegehren gegen den Ausbau der Wolfsgasse in die Wege geleitet. Eine Liste mit 922 Unterschriften von Befürwortern wurde im Rathaus abgegeben, 170 mehr als erforderlich. Jetzt muss die Gemeindeverwaltung prüfen, ob die Fragestellung zulässig ist: „Sind Sie dafür, dass der Ausbau (Erschließung) der Wolfsgasse gestoppt wird und alle dazu bestehenden Beschlüsse aufgehoben werden?“ Nach dem Bürgerbegehren zum Kiosk-Neubau in den Seeanlagen wäre dies der zweite Fall, wo man die verbindlichen Beschlüsse des Gemeinderats kippen will.

Der Sprecher der Interessengemeinschaft, Dr. Andreas Hendrich, ist zuversichtlich, dass das Bürgerbegehren zugunsten der IG Wolfsgasse ausgehen wird. „Bei der Unterschriftensammlung haben uns viele Bürger bestätigt, dass die Wolfsgasse kein Einzelfall ist, sondern beispielhaft für einen Politikstil steht, wo Bürgermeister und Gemeinderat regelmäßig Dinge über die Köpfe der Beteiligten hinweg entscheiden, ohne auf vielfältige Gesprächsangebote auch nur zu reagieren, geschweige denn einzugehen!“

Starker Tobak, der hier vorgebracht wird. Kein Wunder, dass in der jüngsten Gemeinderatssitzung in schärfstem Ton darauf erwidert wurde. So meinte Gemeinderat Franz Kubat (FW), die Unterschriften seien im „Stil einer Drückerkolonne“ eingeholt worden. Zum Teil bei älteren und finanziell benachteiligten Bürgern, die man regelrecht zu einer Unterschrift überredet habe. Und er fand es ein ungerechtes Ansinnen der IG Wolfsgasse, sich von einer Kostenbeteiligung bei der Sanierung drücken zu wollen.

Ein Antrag auf Sanierung der Wolfsgasse sei schließlich bereits 2004 von einigen Anliegern eingegangen, die die ewige Flickschusterei satt hatten. Davon wolle man jetzt nichts mehr wissen. Die Sanierung sei aber wegen aktueller Schäden in der Wasserleitung unaufschiebbar. Der Gemeinderat sei verbittert über die unfairen Aktionen der IG Wolfsgasse, die man sich verbitte. Jürgen Zirch, Fraktionsvorsitzender der CSU im Dießener Gemeinderat, sprach das schon bei der letzten Versammlung seiner Partei an. Er bemängelte, dass die Entscheidungskraft der Gemeinderäte von den Bürgern immer öfter angezweifelt und dem Gremium gegenüber wenig Respekt gezollt werde.

Ein anderes Gemeinderatsmitglied, das nicht genannt werden will: „Wenn das mit der Wolfsgasse Schule macht, wird es bald in ganz Deutschland keine Straßensanierungen mehr geben.“ Bürgermeister Herbert Kirsch, genervt von den dauernden „Anfeindungen und Verleumdungen“ gegenüber seiner Person, wird sich bei der Diskussion um den Bürgerentscheid raushalten. Ihm war unter anderem in einer Plakataktion vorgeworfen worden, sich nicht an den Kosten für den Straßenbau zu beteiligen, da sein Grundstück am unteren Ende der Wolfsgasse im Außenbereich liegt.

Die Anwohner der Wolfsgasse, auf die im bereits beschlossenen und vom Landratsamt abgesegneten Sanierungsfall Beteiligungskosten zwischen 6.000 bis 13.000 Euro zukommen würden (bei zwei Ausnahmen von jeweils 20.000 bzw. 60.000 Euro), wehren sich generell gegen Sanierung und Ausbau. Man sehe keine Notwendigkeit, da die Straße wenig befahren werde. Der dörfliche Charakter solle unbedingt erhalten bleiben. Auch ärgert sich die IG Wolfsgasse, dass auf ein Schreiben an alle Gemeinderäte keine einzige Antwort eingegangen sei. Zwei durchgeführte Anliegerversammlungen hätten ebenfalls zu keinem Ergebnis geführt, allenfalls zu Alternativplanungen wie der Reduzierung der Straßenbreite auf 3,80 Meter.

Da binnen eines Monats auf den Antrag eines Bürgerbegehrens reagiert werden muss, hat die Marktgemeinde für den 30. Mai 2016 eine Sondersitzung einberufen. Hier werde man nach genauer juristischen Prüfung das Ergebnis und die weiteren Schritte bekannt geben. Die Sanierungsarbeiten, die in diesen Tagen beginnen sollten, wurden erst einmal gestoppt. Wobei sich die beauftragten Firmen Schadenersatzforderungen vorbehalten haben. Sollte das Bürgerbegehren wirklich Erfolg haben, werden die Wolfsgassler für viele Jahre auf ein schnelles Internet verzichten müssen. Denn im Rahmen der Buddelei sollten Leerrohre für einen baldigen Breitbandausbau mit verlegt werden.

Dieter Roettig

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