Neues von der Mittelschule

Investition in die Kinder?

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Wolfgang Balbach von „Scholl Architekten Stuttgart“ referierte bei der Veranstaltung zu seiner Machbarkeitsstudie. Oberbürgermeister Neuner, Stadträte und Lehrer waren gekommen, um sich zu informieren.

Landsberg – Es sollte der große Befreiungsschlag zum Dauerthema „Mittelschulen in Landsberg“ werden. Doch nach der zweiten Informationsveranstaltung blieben für manche Teilnehmer (unter anderem waren 18 Stadträte anwesend) mehr Fragen als vorher offen. 

Für Oberbürgermeister Mathias Neuner scheint die Ausgangslage jetzt nach eigenem Bekunden klar – er sieht alle Argumente für einen Neubau.

Die „Machbarkeitsstudie“, also der Kostenvergleich zwischen Neubau und Zusammenlegung der Schulen und Sanierung der Standorte in der Weststadt und auf dem Schlossberg, war bislang nicht veröffentlicht worden. Dementsprechend groß war die Spannung in der Aula der Mittelschule. Als Wolfgang Balbach vom Büro „Scholl Architekten Stuttgart“ nach 90 Minuten noch im Detail erläutern wollte, wie seine Firma die Kostenschätzungen aufgestellt hatte, schallte ihm aus dem Publikum die eindeutige Aufforderung „Zahlen, bitte!“ entgegen. 

Wenige Minuten später, nicht ohne eine weitere Warnung („Belastbare Kosten gibt es erst nach einer qualifizierten Planung!“), lag das Ergebnis dann auf dem Tisch: Sanierung käme demnach so teuer wie die „Luxus-Variante“ des Neubaus, für ihn komme damit nur die leicht oder stark abgespeckte Variante der Zusammenlegung in Frage, stellte Neuner in der anschließenden Fragerunde fest. 

Allerdings hatte Kämmerer Peter Jung auf Nachfrage eines Stadtrates bereits klar gemacht, dass sich die Stadt aus seiner Sicht selbst für diese Variante erheblich strecken müsste und an ihre Grenzen stoße. Bleibt die Einnahmenseite in den nächsten Jahren so stark wie im Moment, könnte die Stadt nach seiner Schätzung neun Millionen für die Schule aufbringen, rund drei Millionen Förderung kämen vom Staat dazu. „Wir müssten also jährlich vier Millionen neue Kredite aufnehmen“, überschlug Jung. „Das halte ich für problematisch. Wir hätten damit eine Nettoneuverschuldung und wir haben andere Projekte auch noch, für die dann praktisch überhaupt nichts mehr da wäre.“ Die derzeitige, verbesserte, Liquiditätslage habe man sich teuer erkauft, erinnerte der Kämmerer: „Wir sitzen auf einem erheblichen Schuldenberg und wir haben einen erheblichen Sanierungsstau geschaffen. Das sind 15 bis 19 Millionen und das muss in den nächsten Jahren aufgelöst werden.“ 

Ob der Stadtrat den Berechnungen des Architekturbüros aber überhaupt in dieser Form folgen wird, stand nach der Veranstaltung alles andere als fest. Der eine oder andere Zuhörer hatte erst während des Vortrages bemerkt, dass hier ausgerechnet diejenige Firma die Studie erstellt hatte, die auch als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangen war. Dementsprechend überraschte es dann auch wenig, dass die „Neubau-Variante“ in den höchsten Tönen gelobt wurde, während der Erhalt der beiden Standorte mit fast ausschließlich negativen Faktoren belegt wurde. Vor allem die Schlossbergschule kam überraschend schlecht weg: Die Räume seien „schäbig“, der Zustand „erbärmlich“, das Gebäude könnte energetisch „vermutlich überhaupt nicht“ vollständig ertüchtigt werden, auch für den Brandschutz ist dem Büro „ehrlich gesagt keine Lösung eingefallen“. 

Nicht ganz schlüssig waren auch die beiden unterschiedlichen Ansätze, mit denen „Scholl Architekten“ und Günther Schramm von „planwerk Nürnberg“ arbeiteten: Schramm brachte in seinem Gutachten von 2010 eine Zusammenlegung der Landsberger Grundschulen im Gebäude auf dem Schlossberg ins Spiel, ging aber wie Scholl Architekten nicht auf die Folgekosten ein. Auch für die Schüler, die möglicherweise demnächst zusätzlich aus dem Fuchstal nach Landsberg kommen (falls die dortige Schule aufgelöst wird), gibt es momentan kein Konzept. Die Begründung kam unisono: „Nicht unser Auftrag.“ 

Für etliche Stadträte ist die Geschichte damit offenbar noch nicht ausdiskutiert. Ob man nicht beide Schulen abreißen, Bauland schaffen und mit den Erlösen „auf der Grünen Wiese komplett neu bauen könnte, ohne viel zusätzliches Geld aufwenden zu müssen“, wollte etwa Medardus Wallner (UBV) wissen. Er halte an dem Standort in der Weststadt fest, stellte OB Neuner in seiner Antwort klar, der Schlossberg stehe allerdings tatsächlich zur Disposition. „Wenn wir zusammenlegen, ist da oben eine Immobilie in 1a-Lage, die tatsächlich obsolet ist, die Option gibt es definitiv. Eine Veräußerung wurde angedacht, ob man sich das als Stadt dann auch traut, muss man sehen.“ 

Viel diskutiert 

Aber auch nach der Veranstaltung wurde in und zwischen den Fraktionen inoffiziell noch viel diskutiert: warum erstellte das Büro die Studie, die ein wirtschaftliches Interesse am Neubau hat?, fragte nicht nur ein Rat. Rätsel hinterließ durch alle Fraktionen, dass die Zusammenlegung in drei Varianten geprüft wurde, die Sanierung aber offenbar nur in der teuersten. Auch die offene Folgenutzung am Schlossberg und das fehlende Gesamtkonzept scheinen als Thema mehreren Fraktionen schwer im Magen zu liegen. 

Auch wenn OB Mathias Neuner unter dem Beifall einiger Eltern anmahnte, dass „wir wegen der Verzögerung schon viel Geld verloren haben; und es wird jedes Jahr zehn Prozent teurer“, scheint im Moment fraglich, ob ihm die Mehrheit des neuen Stadtrates bei seinem Fahrplan folgt. „Wir haben die Informationen jetzt auf dem Tisch, der Stadtrat kann es jetzt noch einmal diskutieren. Vielleicht vor der Sommerpause, vielleicht geben wir den Stadträten die Sommerpause noch dazu, um sich alles gut zu überlegen.“ Zumindest Teile des Gremiums denken aber im Moment offenbar eher daran, Standort und Finanzierung noch einmal im Grundsatz infrage zu stellen. Neuner selbst macht aus seiner Tendenz keinen Hehl: „Wir werden nicht nur Zahlen diskutieren können. Die Frage ist, ob wir in unsere Kinder investieren wollen oder ob wir nur versuchen, keine Kredite mehr aufzunehmen und unseren Haushalt zu konsolidieren.“

Christoph Kruse

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