Ausgebootet?

Polizeibootshaus doch in Holzhausen

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Das Polizeiboot soll am Dampfersteg in Dießen bleiben (kleines Bild). Das fordern die Gegner des geplanten Boothauses am Holzhausener Steg, die jeden Sonntag protestieren. Links Daniel Fusban von der Initiative „Dampfersteg Holzhausen.de“ und rechts Wolf-Dietrich Lüps vom Verein „Unser Dorf“.

Utting-Holzhausen – Die emotionalen Wellen am Ammersee-Westufer schlagen hoch, nachdem jetzt die Standort-Entscheidung für das Polizeibootshaus scheinbar endgültig gefallen ist: Der historische Dampfersteg in Holzhausen bekommt eine unschöne Warze in Form eines Boothauses für das 14 Jahre alte Motorboot WSP 7 der Wasserschutzpolizei. Obwohl sie in Dießen stationiert ist, wird ihr Boot künftig nahe Utting für seine Einsätze bereit liegen. Im Alarmfall heißt das acht Kilometer Autofahrt mit Blaulicht und Sirene, bevor die Beamten aufs Schiff umsteigen können.

Unverständlich für den CSU-Landtagsabgeordneten Alex Dorow, der sich bis zuletzt gegen diesen Standort eingesetzt hat: „Ich baue mir für mein Auto doch auch nicht eine Garage, die acht Kilometer entfernt ist!“ Dorow hatte sich quasi selbst eingeladen beim finalen Planungsgespräch im Bayerischen Innenministerium, wo Staatssekretär Gerhard Eck und Vertreter der Polizei auf der Alternativlosigkeit für den Standort Holzhausen beharrten. „Falsch“, so Daniel Fusban von der Initiative Dampfersteg Holzhausen.de. Bereits Ende April habe man im Maximilianeum ein umfangreiches Positionspapier mit anderen möglichen Standorten übergeben: Stegen, St. Alban, Wartaweil oder Dießen. Diese wurden laut Fusban „seitens des Ministeriums ohne sachlich stichhaltige Argumente abgelehnt“.

Durch Zufall

Ein bereits angesetzter Gesprächstermin zu diesem Positionspapier mit Daniel Fusban, Wolf-Dietrich Lüps (Vorsitzender „Unser Dorf e.V.“), Gemeinderat Karl Sauter und MdL Alex Dorow für Ende September wurde ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt. Stattdessen fand das finale Planungsgespräch statt, von dem Dorow durch Zufall erfahren und auf seiner Teilnahme bestanden hatte. Der CSU-Politiker bedauert, dass sich die Beamten so auf Holzhausen fixiert haben und keinen weiteren Gesprächsbedarf für Alternativen sehen.

„Ich kann die Enttäuschung der Bürger verstehen“, meinte Dorow zum KREISBOTEN. Zumal seine Parteifreunde Edmund Stoiber, Günther Beckstein und Erwin Huber bereits 2005 entschieden hatten, „dass das Polizeiboot auf Dauer einen Liegeplatz am Dampfersteg der Staatlichen Seenschifffahrt in Dießen erhalten soll.“

Kommando zurück! Das alte Polizeiboot braucht jetzt endlich ein Dach über den Kopf, könnte man zu der Kehrtwende sagen, die den Steuerzahler rund 350.000 Euro kosten wird. So die Schätzungen für das Bauprojekt, das „gravierende offene Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens aufwirft“, so die erbitterten Polizeibootshausgegner Daniel Fusban und Wolf-Dietrich Lüps.

Unter Brüdern

Pikantes Getuschel am Ammersee: Ausgerechnet Lüps Bruder, der Schondorfer Architekt Wolf-Eckhart Lüps, soll den Planungsauftrag für das Polizeibootshaus erhalten haben. „Das stimmt so nicht“, stellt Lüps richtig. „Wir haben lediglich eine Anfrage bekommen und befinden uns in Gesprächen.“ Dass es noch nicht soweit ist, bestätigte auch Wolfgang Müller, der Pressesprecher des Landsberger Landratsamts, auf Anfrage des KREISBOTEN: „Noch gibt es keinen Antrag für eine Anlagengenehmigung nach Wasser- und Baurecht vom Bauwerber.“ Sollte Wolf-Eckhart Lüps nach Abschluss der Genehmigungsverfahren den Auftrag übernehmen, so sieht er das durchaus als Vorteil. „Als lokales Architekturbüro kennen wir die Gegebenheiten in Holzhausen und können behutsam planen!“ Den Gedanken an einen Bruderzwist in der Sache weist er von sich.

Die Projektgegner um Daniel Fusban empfinden alle vorangegangenen Diskussionen „als scheindemokratisches Geplänkel, bei dem es seitens des Ministeriums von vornherein nie ernsthaft um die Suche nach einem Alternativstandort ging.“ Das Ministerium vollziehe nun eine forcierte Gangart und lege einen Zeitplan vor, der beginnend mit einem architektonischen Entwurf bis Ende 2016 über eine kurze Phase der Zustimmungsgenehmigung mit Baubeginn im Frühjahr 2017 münde.

Staatsenklave?

Die Standortgegner führen die Unverträglichkeit mit Prinzipien des Landschafts- und Naturschutzes an und befürchten die absehbare Schließung des Steges für den Dampferverkehr: „Die Konsequenz eines abgesperrten Dampfer- bzw. Polizeisteges wäre auch auch eine flächengreifende Staatsenklave aus Verwaltungsschule und Polizeisteg am Ende der gemeindlichen Sackgasse.“

Polizeibootshaus ja, befestigte Uferaufschüttung für Rollstuhlfahrer am Ammersee nein. Daniel Fusban schüttelt den Kopf, als er vom Schullandheim Wartaweil erzählt. Hier wollte man einen wenige Meter breiten Streifen des Ammerseeufers aufschütten, damit behinderte Menschen einen direkten Zugang zum See bekommen. Die Behörden lehnten ab: „Jeder Seeeinbau, auch ein befestigter Seezugang, trägt in der Summierung zur Belastung des ökologischen Gleichgewichts des Ammersees und seiner Uferlandschaft bei.“ Nur beim Bau des Polizeibootshauses in Holzhausen sei das scheinbar nicht so, grübelt Daniel Fusban und spricht von zweierlei Maßstäben.

Dieter Roettig

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