Die Windkraft mit den Füßen treten

Denklingen – „Wenn man aus dem Rathaus geht, ist man klüger“, lautet ein bekannter Spruch. Doch der trifft nicht immer zu. Viele der rund 50 Zuhörer der jüngsten Ratssitzung waren enttäuscht. Wer zu spät kam, hatte noch nicht einmal einen Sitzplatz. Diskutiert wurde, wie schon eine Woche zuvor im Fuchstaler Rathaus, über das Ansinnen der neu gegründeten Bürgerinitiative gegen den Denklinger Windpark. Sie lädt für den morgigen Donnerstag zur Infoveranstaltung.

Dass viele Fragen im Gemeinderat unbeantwortet blieben, lag weder an Bürgermeisterin Viktoria Horber noch an Verwaltungschef Johann Hartmann. „Viele Gutachten liegen einfach noch nicht vor“, sagte Horber. Auch konnte sie die Fragen nach der Anzahl der Windräder oder deren Höhe nicht beantworten. Das läge daran, dass die notwendigen behördlichen Verfahren im Anfangsstadium seien. Gerade angelaufen ist das Raumordnungsverfahren. 

Mit diesem Flyer macht die Denklinger BI „Wald weicht Windpark“mobil.

Martin Steger ist Gemeinderatsmitglied und hat sich an die Spitze der Bewegung „Wald weicht Windpark Denklingen“ gestellt. Er will mit Hilfe einer Großveranstaltung beweisen, dass die Mehrheit der Denklinger gegen den Windpark ist. Sie sollen das bei einer „Abstimmung mit den Füßen“ aufzeigen. Steger stand im Vorfeld des Infoabends vor einem Problem. Er hatte zwar einen Termin, aber keinen Raum, wo er die große Zahl von Windkraftgegnern unterbringen kann – er rechnet immerhin mit 1000 Menschen. Denklingens Rathauschefin hatte ihm zunächst keinen Veranstaltungsraum zusagen wollen, aus Fuchstal sollen eben­- falls Absagen gekommen sein. Horber wollte die Raumwünsche auch nicht im Rahmen der Ratssitzung diskutieren, allerdings kam es im nichtöffentlichen Teil dann doch zu einem Kompromiss. „Unter Auflagen“ steht die Denklinger Mehrzweckhalle für die um 19.30 Uhr beginnende Infoveranstaltung am Donnerstag, 24. Oktober, zur Verfügung.

Gemeinderat Wolfgang Martin kritisierte, dass sich viele Nachbargemeinden durch die Übertragung der Baurechte im Teilflächennutzungsplan Windpark an Denklingen und Fuchstal aus der Verantwortung ge­zogen hätten. Er sprach sich klar dafür aus, dass jede Gemeinde selbst ihre Windräder auf ihrem Gebieten baut. Der geplante Windpark in dieser Größenordnung „zerpflückt unseren Wald“, sagte er.

Privilegiertes Vorhaben

„Windkraftanlagen sind privilegierte Anlagen“, betonte Viktoria Horber immer wieder. Das heißt, dass jeder Investor Anspruch darauf hat, Windräder bauen zu dürfen. Bis zum Jahr 2015 haben Denklingen und Fuchstal sich die Ansprüche auf den Windpark am Rotwald gesichert. Optional ist eine Verlängerung um ein weiteres Jahr möglich.

Denklingens Geschäftsstellenleiter im Rathaus, Johann Hartmann, ergänzte, dass die Gefahr einer Klage von privaten Investoren groß sei. „Wenn wir sie bis dann nicht gebaut haben, baut sie ein privater Investor“, warnte auch Horber und fügte hinzu: „Wir verlieren dann jeden Einfluss auf das Geschehen“. Das könne auch passieren, wenn die beiden Ge­- meinden nur einige Anlagen bauen. Ein privater Investor könne klagen und möglicherweise die nicht ausgeschöpften Flächen von einem Gericht zugesprochen bekommen.

Gemeinderätin Regina Wölfl findet es gut, dass die Initiative gegründet wurde und begrüßte sie ausdrücklich. „Die Akzeptanz der Bürger muss vorhanden sein. Wir als gewählte Vertreter haben unseren Bürgern das Thema vorgesetzt, ohne sie zu fragen“.

Siegfried Spörer

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