Kein Geld für große Sprünge

Kaufering – Die angespannte Haushaltslage dominiert auch in der Marktgemeinde die politische Agenda. Alle Themen für 2013 will sich Bürgermeister Erich Püttner (UBV) für sein zweites Jahr im Amt allerdings auch nicht von den Finanzen diktieren lassen, sagt er im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

Nach knapp acht Monaten im Amt dürften Sie einen guten Überblick haben – was erwartet die Kauferinger in diesem Jahr?

Bürgermeister Erich Püttner: „Kaufering 2013 wird sich sicher am Haushaltsplan orientieren müssen.“

Püttner: „2013 wird sich sicher am Haushaltsplan orientieren. Von der Bauseite her ist das vor allem der neue Kindergarten. Hier ist der Abbruch in vollem Gange, das Behelfsdorf ist bezogen, wir hoffen, dass wir Weihnachten in das neue Gebäude einziehen können.“

Es gab vereinzelte Stimmen, der Kindergarten sei angesichts der leeren Kassen zu großzügig dimensioniert. Ist das so?

Püttner: „Ganz sicher nicht. Wer genau hinschaut, sieht ja, dass er von jetzt sechs Kindergarten- und zwei Krippengruppen auf vier und zwei reduziert wird. Das ist alles angemessen.“

Was steht noch an größeren Projekten an?

Püttner: „Wie ich schon mehrfach gesagt habe, kann sich Kaufering meiner Meinung nach nicht mehr als 15 Millionen Euro Schulden leisten, also haben wir gar keinen großen Spielraum mehr. Zumal die Erneuerung der Wasserleitungen und des Kanals zwingend gemacht werden muss.“

Da ist vom Sanierungsstau ist die Rede. Was kommt auf die Bürger zu?

Püttner: „Wir sind in beiden Bereichen gesetzlich zur Sanierung verpflichtet und haben nicht mehr sehr viel Zeit. Beim Wasser werden wir sukzessive vorgehen und in den nächsten acht Jahren ungefähr sieben Millionen aufwenden müssen. Die Kanalsanierung haben wir noch einmal durchgerechnet und schätzen die Kosten jetzt auf 4,6 Millionen Euro. Rechtlich gesehen müssten wir damit 2015 schon fertig sein, aber ich denke, dass das vor 2017 gar nicht zu schaffen ist. Für die Bürger heißt das, dass wir diese Kosten über die Gebührensatzung auf sie umlegen müssen. Das wird sich auf die Wasser- und Kanalgebühren natürlich auswirken.“

Im Kreisausschuss wurde kürzlich ein Zuschuss von 70000 Euro für den Parkplatz am Kauferinger Bahnhof genehmigt – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es sich dabei nur um ein Provisorium handelt. Ist das Geld nicht zum Fenster hinausgeworfen?

Püttner: „Ganz sicher nicht, gehen Sie davon aus, dass dieses ,Provisorium‘ mindestens zehn bis 15 Jahre so da stehen wird. Wir müssen jetzt zwar schauen, dass wir über die politische Schiene bei der Bahn etwas erreichen, aber da geht vor 2018 gar nichts. Wann wirklich gebaut wird, ist noch eine ganz andere Frage. Auch da muss man sehen, wie sich unsere Finanzsituation entwickelt. Wir wollen dann auf jeden Fall die Nordseite barrierefrei machen. Die Pläne auf der Südseite muss man überdenken.“

Auch was den Kiosk und die Toiletten angeht, hat sich der Zeitplan am Bahnhof mehrfach verschoben. Wie ist der Stand?

Püttner: „Der Kiosk ist ja seit Oktober vermietet und inzwischen auch eröffnet. Das Klohäusl kommt jetzt auch. Es gab dafür im letzten Jahr einen Projektbeauftragten der Bahn, mit dem wir alles erst einmal noch absprechen mussten.“

Sehen wir beim Heizkraftwerk in diesem Jahr zum ersten Mal eine schwarze Null?

Püttner: „Ich kann nur sagen, dass wir mit dem neuen Ingenieurbüro, das ich als sehr bodenständig einschätze, bis jetzt gute Erfahrungen machen. Es zeichnet sich ab, dass das neue Blockheizkraftwerk eine Einsparung bringt, mehr kann man jetzt noch nicht sagen.“

Ein anderer Dauerbrenner ist der Schmitterbauerhof, bei dem in den nächsten Wochen die Entscheidung über Verkauf oder Abriss fallen soll. Ist der Investor noch im Boot?

Püttner: „Wir sind immer noch im Gespräch und ich hoffe auch, dass das funktioniert. Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir einen Be­-bauungsplan brauchen und das Grundstück verkaufen müssen, mit oder ohne Abriss.“

Wie weit ist die Planung des lange angekündigten Vereinsstadls fortgeschritten? Kommt tatsächlich das alte Dach des Kindergartens Regenbogen zum Einsatz?

Püttner: „Nein, das haben wir verschenkt. Wir werden für den Dorfstadl eine ganz normale Halle kaufen. Wir können uns aber nur um Fundamente, Grundplatte, Ständer und Dach kümmern, die Vereine werden so viel wie möglich in Eigenleistung machen müssen. Das haben wir schon bespro­chen.“

Gibt es für 2013 irgendein Thema, das nicht vom Geld dominiert wird?

Püttner: „Aber sicher. Ich möchte gerne im April einen Jugendbeirat wählen lassen und noch im ersten Halbjahr einen Seniorenbeirat, außerdem wollen wir demnächst einen Behindertenbeauftragen bestellen. Dazu machen wir bei den Konzepten für Klimaschutz und Verkehr weiter. Im Moment schließen wir die Potenzialanalyse ab, danach werden aus den Handlungsfeldern die Ziele und Projekte definiert. Das läuft hoch motiviert, im Moment besteht der Arbeitskreis aus vier Bürgern, Verwaltungsfachleuten, externen Experten und Gemeinderäten, wir werden das aber noch erweitern.“

Kaufering stößt bei der Ausweisung von Wohngebieten langsam an seine Grenzen. Wird es da heuer Neuigkeiten geben?

Püttner: „Wir wollen über den Bebauungsplan für die Friedens- und die Iglinger Straße mehr Wohnraum für Familien schaffen, wir sind da auch schon in Gesprächen mit dem Landkreis. Mein persönliches Ziel ist eine Wohnanlage, die flexibel unterschiedliche Ansprüchen genügt, ob da nun ein älteres Ehepaar, ein junger Rollstullfahrer oder eine große Familie einzieht. Dazu werden wir aber das gesamte Gelände bis zu den Landkreisblocks neu überplanen müssen.“

Herr Püttner, vielen Dank für das Gespräch.

Christoph Kruse

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