Sinnvolle Entwicklung des Dorflebens?

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Im Gasthof Hirsch traf sich früher die Dorfjugend zum Tanzen und viele der Denklinger haben in dem alten Wirtshaus mit den dunklen Tischen und den Hirschgeweihen an den Wänden die Liebe ihres Lebens gefunden. Seit August ist das Gasthaus geschlossen – ebenso zu ist der Edeka-Supermarkt „Augustin“ (links).

Denklingen – Es ist noch nicht lange her, dass Bürgerversammlungen in Denklingen hitzige Diskussionen und Streit versprachen. Bei der jüngsten Sitzung aber war die Luft raus. Seit es dem neugewählten Gemeinderat gelungen ist, bei den umstrittenen Themen Windkraft und Rathausneubau eine Rolle rückwärts zu vollziehen, haben sich die Gemüter beruhigt.

Eine einsame Stimme aus dem Publikum mahnte sogar, dass man sich eigentlich nicht vollkommen von den erneuerbaren Energien zurückziehen solle. Und Rathauschef Michael Kießling ließ vorsichtig anklingen, dass weiterhin im Rathaus Platzmangel herrsche und deshalb viele Kompromisse bei den Räumlichkeiten eingegangen werden müssten. Dennoch sei ein Rathausneubau aber kein primäres Ziel, sagte Kießling. „Es gibt wichtigere Themen“.

Dazu gehören zwei große Fragen, die derzeit den Bürgermeister und die Denklinger Gemeinderäte beschäftigen. Wie belebt man den Ortskern wieder und wie sichert man die Nahversorgung? Ursprünglich war im alten Gemeinderat diskutiert worden, die Mehrzweckhalle für viel Geld gemäß den Forderungen des Landratsamtes als Veranstaltungshalle umzubauen, den Schützen im Keller der Mehrzweckhalle die Schießstände zu erweitern und ein neues gemeinsames Vereinsheim für die Denklinger Vereine VFL, Musikverein und Landjugend am Forchet zu errichten.

Unter dem Eindruck der Schließung des Gasthofes „zum Hirsch“ stellte sich für Michael Kießling und seine Gemeinderäte die Frage, ob dieser eingeschlagene Weg im Hinblick auf die Entwicklung im Dorfkern sinnvoll sei, oder ob es Möglichkeiten gäbe, den Dorfkern wieder zu beleben. So entstand im Gemeinderat die Idee, ein gemeinsames Bürger- und Vereinsheim nahe der heutigen Mehrzweckhalle zu errichten. Die Mehrzweckhalle könne dann noch als Turnhalle genutzt werden – ohne größere Umbauten. Diese Idee sei den Vereinen bereits präsentiert worden. Kießling betonte, die Vorschläge hätten eine breite Mehrheit gefunden.

Der Vorschlag des Gemeinderates beinhaltet, so der Rathauschef, „ein Gebäude mit Veranstaltungshalle nebst Bühne, Gaststättenbetrieb, Schützenheim, Proberaum für den Musikverein und einen Raum für die Landjugend“. Aber auch für den VfL Denklingen sollen ein Hauptspielfeld, Trainingsplatz, Kunstrasenplatz sowie Kleinfeld bereitgestellt werden.

„Der Vorteil dieser Lösung ist, dass wir in Dorf- und Schulnähe ein Zentrum haben, an dem das Vereinsleben stattfinden kann, aber auch durch die Gaststätte wieder ein Ort geschaffen wird, an dem man sich treffen, Familienfeste feiern und Veranstaltungen durchführen kann“, sagte der Bürgermeister. Man stehe aber noch ganz am Anfang der Überlegungen, betonte Kießling. Deshalb konnte er auch die Frage, was dann mit dem jetzigen Sportgelände passiere, nicht abschließend beantworten. „Darüber muss sich der VfL Gedanken machen“.

Das Thema Windkraft wird den Gemeinderat trotz Bürgerentscheid auch in Zukunft beschäftigen, sagte Bürgermeister Michael Kießling. Wenn die Abstandsregelung „H10“ kommt, würden im Landkreis Landsberg nur noch zwei Standorte möglich sein, an denen Windräder gebaut werden können, darunter der Sachsenrieder Forst. Kießling wies auch darauf hin, wenn sich die Gemeinde aus der Windkraft zurückziehe, dies für private Investoren interessant werden könnte.

Der Denklinger Bürgermeister ging auch auf die ablehnende Haltung seiner Gemeinde zu den geplanten vier Fuchstaler Windrädern ein. Bedenken habe man unter anderem wegen der Wirtschaftlichkeit bei sinkenden EEG-Umlagen. „Wir lehnen das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt ab“, sagte Kießling, da viele Punkte einfach noch nicht geklärt seien. In der Nachbargemeinde war diese Haltung nicht gut angekommen. Viele weitere Fragen seiner Bürger musste Kießling nicht beantworten. Den Denklingern brennt noch die Frage nach dem Fußweg zur Kirche auf den Nägeln. Hier soll in Kürze ein Planer gefunden werden.

Siegfried Spörer

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