Sparsam sein und Löcher stopfen

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Noch immer Sorgenkind der Kauferinger: Auch bei der jüngsten Bürgerversammlung war das Schicksal des Schmitterbauer-Anwesens im Dorf ein Thema.

Kaufering – Überrascht war Bürgermeister Erich Püttner bei der jüngsten Bürgerversammlung angesichts des fast voll besetzten Leonhardisaals. Er hatte auch einiges aus dem Jahr 2013 zu berichten. Wegen der angespannten Finanzlage sei aber Sparen angesagt – Kämmerer Winfried Plaß und Püttner wurden nicht müde, das zu betonen.

Vor allem die Kommunalwerke schlagen mit einem hohen Defizit zu Buche, was vielen Bürgern Sorgen bereitet. Daneben sorgten auch das Schicksal des Schmitterbauerhofs und die teure Bahnhofstoilette für Diskussionsstoff.

In 2013 hat sich in der Marktgemeinde viel getan, wie Bürgermeister Püttner in seinem Tätigkeitsbericht darlegte. Zunächst schien Kaufering auf wundersame Weise plötzlich mehr als 10000 Einwohner zu haben – waren es 2012 doch noch 9897. „Es gab eine Neuberechnung in Bayern, die auf einem Mikrozensus beruht“, erklärte der Bürgermeister. „Man hat dann ganz offiziell festgestellt, dass Kaufering 10103 Einwohner hat.“

Der Marktgemeinderat und die Verwaltung arbeiteten dieses Jahr auf Hochtouren. „Es war eine sehr konstruktive Arbeit im Gemeinderat. Bis Oktober hatten wir 14 Sitzungen und dazu noch ungefähr 34 Ausschuss- und Sondersitzungen.“ Auch die Bürger haben sich an der Entwicklung der Gemeinde beteiligt, es gibt einen Arbeitskreis Verkehr und einer zu den Themen „Klima und Energie“ ist im Aufbau, daneben hat man ein Unternehmer-Netzwerk ins Leben gerufen. „Wir haben auch einen Jugendbeirat gegründet, ein Seniorenbeirat und ein Behindertenbeauftragter kommen nächstes Jahr dazu“, so Püttner.

Lob erhielten auch die Verwaltung und die Kommunalwerke, die „ein hohes Leistungsniveau in allen Bereichen“ aufweisen. „Wir machen auch gerade eine Organisationsanalyse“, berichtete Erich Püttner. „Denn wir müssen ein paar Strukturen verändern.“ Etwa erhalte der Bauhof ein erweitertes Aufgabenfeld.

Schulden verdoppelt

Die Großbaustelle der Gemeinde sei derzeit der Neubau des Kindergartens Regenbogen für insgesamt 3,9 Millionen Euro, sagte Püttner. Aber auch das Blockheizkraftwerk, die neue Bahnhofstoilette, der Bau des Dorfstadls und der Ringtausch des Schützenheims seien wichtige Maßnahmen gewesen. Dabei seien aber noch etliche Rechnungen offen, wie Kämmerer Winfried Plaß berichtete. In 2013 habe die Gemeinde aber gut gehaushaltet: „Es sieht ganz erfreulich aus für den Markt.“ Allerdings: „Der Schuldenstand hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt“, betonte Plaß. 2004 habe die Gemeinde noch rund fünf Millionen Euro an Schulden gehabt – jetzt seien es bereits knapp 12,1 Millionen. Von der Rechtsaufsicht im Landratsamt sei man angehalten, zu sparen und die freiwilligen Ausgaben zu reduzieren. „Nur noch dringendste Projekte können finanziert werden“, sagte der Kämmerer.

Derzeit stehen noch der Ausbau der Nord-Ost-Spange an, der in der vergangenen Woche begonnen wurde, sowie der Umbau der Schwaben-Schlesier-Straße für knapp eine halbe Million Euro. „Wir müssen es ganz deutlich sagen: in den nächsten Jahren wird es keine supertollen neuen Sachen geben“, brachte es Püttner auf den Punkt. Seine Ratskollegen warte er ebenfalls deutlich: „Versprecht den Leuten im Hinblick auf den Wahlkampf nicht zu viel, die Rechtsaufsicht dreht uns sonst den Hahn zu.“

Deswegen habe man sich in der Verwaltung entschieden, keine neuen Großprojekte einzugehen, sondern zunächst den Sanierungs-Stau aufzubereiten. Damit stehen im nächsten Jahr hauptsächlich Erhaltungsmaßnahmen an den Gebäuden der Gemeinde an. Dabei ist das größte Sorgenkind die Dreifachturnhalle am Sportzentrum. Hermann Bader, Leiter der Abteilung Hochbau, berichtete über die anstehenden Maßnahmen (siehe Bericht auf Seite 5) und erklärte: „Wenn wir nichts machen, bekommen wir eine Nutzungsuntersagung vom Landratsamt.“

Daneben müssen auch Grund- und Mittelschule renoviert werden, ebenso der Kindergarten Don Bosco, dessen Fassade teilweise undicht ist. „Wir müssen uns gewaltig Gedanken machen, wie wir das finanzieren“, sagte Bader.

Löcher stopfen

Der nächste große Batzen komme auf die Kommunalwerke zu, so Püttner. Bereits 2013 hat der Einbau des Blockheizkraftwerks 1,3 Millionen Euro gekostet, dazu kommen noch 210000 Euro für den elektrischen Luftfilter. „Da steht aber noch einiges an, wir bräuchten noch einmal 20 Millionen nur um alle Löcher zu stopfen“, meinte Püttner. Das Defizit der Kommunalwerke war dann auch gleich Diskussionsthema, nachdem Plaß eine Gebührenerhöhung ins Gespräch brachte. „Die Nahwärmepreise werden steigen, aber wir haben schon eine Klausel, dass wir die Gebühren nicht einfach in die Höhe schrauben können“, beruhigte Püttner. Auch beim Wasser brauchen sich die Bürger nicht allzu sehr zu sorgen: „Es handelt sich um eine Erhöhung von fünf Cent pro Kubikmeter.“

Eine Anregung für die Gemeinde zum Sparen lieferte ein Bürger gleich in der Versammlung: „Muss denn an jedem Kreisverkehr ein Christbaum stehen?“, meinte er, es reichten doch ein oder zwei. „Das haben wir auch schon diese Woche diskutiert“, gab der 1. Bürgermeister zu und versprach eine Lösung.

Schwieriger sehe es da beim Antrag eines Dorfbewohners aus: Er forderte – entsprechend dem neuen Verkehrskonzept – eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer am Kirchberg. „Das ist eine einzige Rennstrecke.“ Das Problem sei aber, so Püttner, dass es sich um eine Kreisstraße handle, man habe bereits mit dem Landrat gesprochen. „Aber wir schauen mal, ob wir doch noch etwas machen können“, betonte Püttner.

Dass die Schulden der Gemeinde den Bürgern zu schaffen machen, zeigte auch die Diskussion um das neu aufgestellte Toilettenhäuschen am Bahnhof, welches die Gemeinde für 148000 Euro angeschafft hat. „Gibt es da keine Zuschüsse von der Bundesbahn?“, wollte ein Kauferinger wissen. „Nein. Das Problem ist, dass sich bei der Bahn keiner verantwortlich fühlt“, erklärte der Bürgermeister. „Wir haben uns aber trotzdem dafür entschieden, denn es ist eine wichtige Serviceleistung.“

Heißes Thema bei der Bürgerversammlung war auch wieder der Schmitterbauerhof, den die Gemeinde gekauft hatte – dessen Nutzung aber immer noch nicht feststeht. Ob er nun verkauft wird und zu welchem Preis wollten mehrere Zuhörer wissen. „Das ist nicht-öffentlich“, meinte Bürgermeister Erich Püttner. „Aber es gibt eine konkrete Idee. Und zwar gibt es jemanden, der dort Servicewohnen anbieten möchte.“ Allerdings seien die Ver-handlungen mit dem Privatinvestor ganz am Anfang. „Das Geld was wir dafür ausgegeben haben, werden wir dafür aber nicht mehr kriegen.“

Janina Bauch

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