Noch kann man damit leben

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Bürgermeister Erich Püttner: „Wir wollen Bürger und nicht Bürgen sein.“

Kaufering – Die fetten Jahre sind vorbei. Auf rund 9,5 Millionen Euro Schulden sitzt die Ge­meinde im Moment (ohne Werke). „Damit kann man zwar noch leben“, sagte Bürgermeister Erich Püttner, warnte aber: „Wenn ich sehe, was da noch dazu kommt, ist das schon etwas anders.“

Allein der Neubau des Kindergartens „Regenbogen“ wird die Kommune nach Abzug der Förderung im kommenden Jahr weitere 2,6 Millionen Euro kosten, durch andere bereits beschlossene Baumaßnahmen ist eine weitere Million fällig. Noch nicht im Gemeinderat behandelt, aber vorläufig für 2013 vorgesehen: Breitbandausbau Dorf (275000 Euro), Sanierung Fuß- und Radweg Bayernstraße (225000) und Deckensanierung Sporthalle (330000).

In den nächsten Jahren kommt es dann voraussichtlich noch dicker, auch wenn Püttner betonte, dass alle Zahlen vorläufig seien, solange sie nicht vom Marktgemeinderat in den Haushalt eingestellt worden sind. „Wir haben leider festgestellt, dass wir einen erheblichen Sanierungsstau haben“, so Püttner. „Einige Gebäude sind in die Jahre gekommen und es muss dringend etwas an ihnen gemacht werden.“

Millionen für Schulen

Zwischen 2014 und 2020 muss demnach die Sporthalle komplett saniert werden, dafür sind rund 1,5 Millionen Euro angesetzt. Bau I und II der Grundschule dürften rund 1,9 Millionen verschlingen, die Mittelschule noch einmal 650000 Euro. Wird für beide Schulen die gewünschte Mensa gebaut, muss die Marktgemeinde weitere 500000 Euro auftreiben.

Um noch wesentlich mehr Geld geht es bei den Kommunalwerken. Dort beträgt der Schuldenstand im Moment gut 31 Millionen Euro, wie auch bei der Marktgemeinde sind die Verbindlichkeiten durch große Investitionen in den vergangenen Jahren schnell deutlich angestiegen. Trotzdem muss man demnächst schon wieder größere Beträge in die Hand nehmen: Nach den gesetzlichen Vorschriften ist innerhalb der nächsten sechs Jahre die Kanalsanierung in Kaufering fällig, dafür veranschlagt man im Moment rund 7,3 Millionen Euro. Die Wasserversorgung zu erneuern oder auszubessern, dürfte etwa fünf Millionen Euro kosten, auch dafür hat man nur noch acht Jahre Zeit. Schon 2013 werden etwa 1,5 Millionen für den Einbau des neuen Blockheizkraftwerkes (BHKW) fällig, später für einen Umbau des Klärwerkes zu mehr Energieeffizienz noch einmal 1,5 Millionen.Einen guten Teil dieses Geldes werden die Kauferinger über höhere Gebühren für Wasser und Abwasser bezahlen müssen, da die Kommunalwerke kostendeckend arbeiten müssen – Ausnahme ist die Nahwärme, die auf dem freien Markt verkauft wird. Bei den Ausgaben in der Marktgemeinde liegt der Fall anders, Investitionen wurden hier in der Vergangenheit oft über Grundstücksverkäufe finanziert. Diese Methode funktioniert jetzt nicht mehr so gut, denn auch in Kaufering wird inzwischen der Grund knapp. „Wir sind mit den Flächen, die wir verkaufen können, ziemlich am Ende“, stellte Püttner klar, „und ich möchte nicht der Bürgermeister sein, der den letzten Quadratmeter Kauferinger Wiese verkauft hat. Wir haben Kinder und die brauchen vielleicht auch noch irgendwann etwas.“

Hart sparen

Blieben als Möglichkeit weitere Kreditaufnahmen, doch auch denen steht Püttner kritisch gegenüber, da sie eine starke Belastung künftiger Generationen bedeuten würden. „Wir wollen Bürger und nicht Bürgen sein“, so das Gemeindeoberhaupt, der offen sagte: „Es gibt einen Punkt, an dem man sich fragen muss, wieviele Schulden man sich eigentlich leisten kann. Und dieser Punkt wird uns im Gemeinderat in der nächsten Zeit intensiv beschäftigen.“ Die Botschaft war aber schon bei der Bürgerversammlung klar Wenn keine Schulden gemacht werden sollen und keine Grundstücke mehr verkauft werden, bleibt angesichts der hohen Ausgaben nur eines: Kaufering muss anfangen, hart zu sparen. Christoph Kruse

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