Millionenprojekt unter der Lupe:

Auf dem Weg zur GmbH

+
Nabenhöhe von knapp 150 Meter: So hoch wie das Bürgerwindrad bei Bidingen/Ingenried sollen auch die vier Anlagen bei Leeder werden.

Fuchstal – Auf dem Weg zur GmbH mit dem Namen Bürgerwind Fuchstal kommt einem Informationsabend eine wegweisende Bedeutung zu. Denn bei der Veranstaltung am Freitag, 22. Mai – Beginn ist um19.30 Uhr in der Fuchstalhalle – wird nicht nur über den Stand der Planung für die vier Windkraftanlagen im Staatswald südwestlich von Leeder berichtet. Zentrales Thema ist, wie sich die Bürger an dem Millionenprojekt zur Gewinnung von Windenergie beteiligen können.

Rede und Antwort stehen an diesem Abend Robert Sing vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Landsberg, Bürgermeister Erwin Karg und Gerhard Schmid, der geschäftsleitende Beamte bei der Verwaltungsgemeinschaft Fuchstal. Zudem wird ein Rechtsanwalt aus einer Münchner Kanzlei anwesend sein, die mit der Ausarbeitung des Gesellschaftervertrages betraut ist. 

22 Millionen Euro 

Die vier Windkraftanlagen, die auf annähernd 770 Meter über Meereshöhe am Höhenzug westlich des Aschtals im Bereich Kingholz errichtet werden sollen, kosten zirka 22 Millionen Euro. Ungefähr ein Drittel dieser Summe, also zirka sieben Millionen Euro, ist durch Eigenkapital aufzubringen. Zwei Drittel werden am Kapitalmarkt finanziert, sprich durch Kredite an Banken. Wie hoch die Gemeinde bei der Bürgerwind Fuchstal GmbH finanziell einsteigt, ist noch offen. Es werde ein „namhafter Betrag“ sein, erklärt Rathauschef Erwin Karg. 

Andererseits soll darauf geachtet werden, dass der Anteil der Gemeinde unter 50 Prozent des Eigenanteils bleibt. Über die Summe werden die Gemeinderäte auf einer Sitzung am Vortag des Informationsabends beraten. Dies hat Bürgermeister Erwin Karg neulich in einem Pressegespräch angekündigt. Das Geld, das die Gemeinde in die GmbH einbringt, soll ausschließlich über den Kapitalmarkt finanziert werden. Für Kredite müsse eine Kommune zurzeit so gut wie keine Zinsen zahlen. 

Auf der anderen Seite rechne man beim Betrieb der vier Anlagen mit einer Rendite zwischen vier und fünf Prozent, wie Kämmerer Gerhard Schmid erläutert. Die vier geplanten Windräder, die alle eine Nabenhöhe von knapp 150 Meter haben (vergleichbar mit dem Bürgerwindrad Bidingen/Ingenried) brächten einen Jahresertrag von 28 Millionen Kilowattstunden. 

Dies erklärt Robert Sing; der 37-Jährige führt in Landsberg ein Ingenieurbüro mit acht Mitarbeitern, das sich auf Planung und Betrieb von Anlagen mit regenerativen Energien spezialisiert hat. Bei dieser Zahl verweist Sing auf das Ergebnis zweier Windertragsgutachten von der TÜV Südservice GmbH und von Dr. Josef Guttenberger (Firma RSC). 

Gesetzlich garantiert 

Die Zeit drängt. Denn die Windkraftanlagen sollen 2016 ans Netz gehen, damit man eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung von 8,5 Cent je Kilowattstunde bekommt. Ziel ist es, wenigstens zwei der vier Windräder bis Ende Juni 2016 fertigzustellen und die anderen zwei zumindest bis Ende September, ergänzt Robert Sing. 

Er hat auch die Windräder bei Lamerdingen projektiert, die Ende 2014 ans Netz gegangen sind. Und er ist aktuell bei den vier Anlagen in Berg bei Starnberg – Baubeginn ist dort im Mai 2015 – der fachliche Begleiter. Der Ingenieur verweist darauf, dass wegen Tier- und Pflanzenschutz die Bäume, die am Standort der Windkraftanlagen stehen, nur im September und Oktober gefällt werden dürfen. Was Bürgermeister Karg zu dem Kommentar veranlasst: „Wenn wir heuer nicht dazu kommen, dann war’s das.“ 

Der Rathauschef rechnet nach der immissionsschutzrechtlichen Prüfung, die noch läuft, mit einem Genehmigungsbescheid bis Juli. Danach soll es losgehen mit dem Bau der vier Windräder. Der Standort sei durch einen Vertrag bereits gesichert. Der endgültige Pachtvertrag mit dem Unternehmen Bayerische Staatsforsten sei noch abzuschließen. 

Auf die Frage, wie man bei eventuellen Klagen vorgehe, antworten Bürgermeister Karg und Ingenieurbüro, dass dann beim Landratsamt ein Antrag auf Sofortvollzug des Bauantrags gestellt werde. Auch im Fall der zwei Windkraftanlagen bei Lamerdingen seien sieben Klagen eingereicht worden, in Berg am Starnberger See seien es sieben gewesen, sagt dazu Robert Sing.

Johannes Jais

Meistgelesene Artikel

Voreiliger Kahlschlag?

Landsberg – In Kaufering und Igling ist man verstimmt. Der Grund: Die beiden Kommunen sind im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung von der Stadt …
Voreiliger Kahlschlag?

Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Landsberg – Wie kann man erreichen, dass die Bürger und Besucher der Lechstadt im Jahr 2035 problemlos, zeitsparend und umweltgerecht mobil sind? Das …
Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kommentare