Die Burgschützen feiern – Dießener Traditionsverein wird 100 Jahre alt

Seit einem Jahrhundert gibt es im Ortsteil St. Georgen die „Burgschützen“. Und seit Wochen bereiten die 124 Mitglieder ihren Festtag vor, der am kommenden Sonntag mit Festzug und Ehrenveranstaltung an die 100-jährige Geschichte erinnert. Schützenmeister Franz Steigenberger: „Wir haben eine ereignisreiche Vergangenheit und tragen mit Dorffesten, Vereinsausflügen, Dorfmeisterschaften und Versammlungen zu einem regen Leben im Ortsteil und in der gesamten Marktgemeinde bei.“

Ihren Ursprung haben die Burgschützen in der Feuerwehr St. Georgen. Die Floriansjünger beschlossen im Dezember 1908, eine Schützen-Gesellschaft zu gründen und machten sich gleich an die Arbeit. Ende Januar 1909 konstituierte sich dann eine Zimmerstutzenschützengesellschaft im Gasthaus Merk, dem heutigen Wirtshaus am Kirchsteig. Dort waren die Burgschützen bis zur Eröffnung des eigenen Schützenheimes im alten Rathaus, 2001, daheim waren. Schützenmeister der ersten Stunde war Josef Winterholler aus einer bekannten St. Georgener Familie. Von Anfang an galten die Burgschützen als sehr gesellig. Sie feierten Schützenbälle und beteiligten sich an Preisschießen. Als 1925 der Schützengau Ammersee gegründet wurde, traten sie bei. Schützenmeister Winterholler dokumentierte seinerzeit, dass das Schießen mit Kleinkaliber-Gewehren bei den Burgschützen viele Liebhaber fand. Erste Veränderungen bescherte das Dritte Reich. Der Schützenmeister wurde zum „Vereinsführer“, bei Kriegsausbrauch 1939 brach dann auch das Vereinsleben zusammen. Die Besatzungsmächte verboten in den Nachkriegsjahren den Schießsport. Erst 1951 durfte der Freizeitsport wieder aufgenommen werden. Das motivierte 15 Schützenfreunde aus St. Georgen, die Burgschützen wieder aufleben zu lassen. Andreas Hartinger hatte die Initiative in die Hand genommen, als 1. Schützenmeister nach dem Kriege führte er die Burgschützen in die neue Zeit. Es gab drei neue Schießstände, 1954 wurde die Vereinsfahne geweiht, die Gebirgsschützenkompanie Benediktbeuern – Ried übernahm die Patenschaft. Neun Jahre später, 1963, gab es eine weitere Änderung: „Dame, ja oder nein?“ stand auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung. Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschlossen die Burgschützen, künftig auch Frauen an den Schießstand zu lassen. 124 Mitglieder Zum 50-jährigen Bestehen im April 1959 zählten die Burgschützen 78 Mitglieder, ihre stärkste Zeit war dann zum 75. Geburtstag im Mai 1984. Damals hatte der Verein 154 Mitglieder. Heute sind es im ältesten Ortsteil der Marktgemeinde noch 124 Mitglieder mit Schützenmeister „Negus“ Franz Steigenberger an der Spitze, die zur lebendigen Dorfgemeinschaft einen wich- tigen Beitrag leisten. Der Fest-Sonntag zum 100-Jährigen beginnt um 10 Uhr mit dem kirchlichen Segen. Im Marienmünster feiert Benefiziat Andreas Chaber mit den Schützen und der Diessener Blaskapelle. Um 11.15 Uhr startet der große Festzug, mit fünf Musiken und dem Patenverein aus Benediktbeuern, der sich mit über 100 Schützen angekündigt hat. Weiter sind dabei nahezu 40 Vereinsabordnungen aus Dießen, den Ortsteilen und den Nachbarorten dabei, ebenso die Ehrenmitglieder der Burgschützen, Josef Ender, Franz Zaunberger, Matthias Pollak und Siegfried Bühler. Unter den Ehrengästen ist auch Anni Hartinger, die Witwe von Andreas Hartinger, der die Burgschützen nach dem Krieg wieder neu formierte. Anderl Hartinger gilt als pro- minentester Burgschütze: Er war nämlich auch bayerischer Landesschützenmeister, deutscher Schützenpräsident, Verwaltungsratsmitglied der Internationalen Schützen- union und Direktor der Olympia-Schießanlage in München-Hochbruck. Er starb im Januar 1994. Die nächste Feier Übrigens kündigt sich bei den Burgschützen bereits das nächste Fest an: Am 15. November 2010, steht Franz Steigenberger 30 Jahre an der Spitze der Burgschützen. Wenn das kein neuer Grund zum feiern ist. Der Schützenmeister hat den Verein geprägt. Unter seiner Ägide wurde im Juni 1981 die Mariensäule, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, renoviert und vor dem heutigen Wirtshaus am Kirchsteig aufgestellt. Er führte 1991 die St. Georgener Dorfmeisterschaft im Luftgewehrschießen ein und als unvergessliches Ereignis bauten die Burgschützen unter seiner Regie im alten Rathaus von St. Georgen ein eigenes Schützenheim, das 2001 eingeweiht wurde und seitdem das Vereinsleben bündelt.

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