Sympathisch muss man sich sein!

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Beim Projekt „Wohnen für Hilfe“ kann die Unterstützung der Senioren vielfältiger Natur sein, muss vorab aber vereinbart werden.

Landsberg – Junge Leute mit wenig Geld und ältere Menschen mit viel Platz – an sie richtet sich das Angebot „Wohnen für Hilfe“. Die Idee: Ein Senior überlässt einem Studenten oder Auszubildenden ein Zimmer. Dafür wird keine Miete gezahlt, sondern der Mitbewohner übernimmt bestimmte, zuvor vereinbarte Arbeiten in Haus oder Garten. Das Konzept könnte bald auch im Landkreis Fuß fassen.

„Wohnen für Hilfe“ wird vor allem in Universitätsstädten mit Erfolg praktiziert, in München etwa bereits seit 19 Jahren. Das Angebot richtet sich jedoch nicht zwangsläufig an Studenten. Für Auszubildende oder junge Menschen mit geringem Verdienst komme es ebenso in Frage, sagt Marion Schwarz. Sie ist Geschäftsführerin des Seniorentreffs Neuhausen, der in der Landeshauptstadt als Trägerverein des Angebots fungiert. Am heutigen Mittwoch, 28. Oktober, referiert Schwarz im Landsberger Landratsamt über das Thema, ab 19 Uhr. 

Am Beginn einer Vermittlung steht immer ein Hausbesuch bei demjenigen, der ein Zimmer zu vergeben hat. Dabei wird unter anderem geklärt, welche Arbeiten sich der Senior als Gegenleistung vorstellt. Allgemein üblich sei pro Quadratmeter Wohnraum eine Stunde Arbeit im Monat, so Schwarz. Das kann Hilfe im Haushalt sein, Rasen mähen oder andere Gartenarbeit, nicht aber Pflegetätigkeiten. Bezahlen muss der Mitbewohner nur die Nebenkosten. 

Die Zimmersuchenden stellen sich beim Trägerverein persönlich vor und werden ausführlich interviewt. Meist werden einem Senior zwei bis vier Anwärter zur Auswahl geschickt. „Das allerwichtigste ist, dass man sich sympathisch ist“, sagt Schwarz. Kommt eine Wohnpartnerschaft zustande, durchläuft sie eine vierwöchige Probezeit und wird auch anschließend weiter begleitet. „Wir rufen beide Parteien alle drei Monate an und fragen, ob noch alles passt.“ 

Die kürzeste Wohnpartnerschaft, an die sich Schwarz erinnert, dauerte zwei Tage, die längste 14 Jahre – in diesem Fall blieb die Studentin noch lange, nachdem sie mit der Uni fertig war, bei der alten Dame wohnen. Und in Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck) nahm ein älteres Ehepaar über neun Jahre hinweg immer wieder junge Leute bei sich auf. Dass manche älteren Leute Bedenken haben, jemand Fremdes bei sich einziehen zu lassen – zum Beispiel aus Angst vor Diebstahl –, kann Schwarz gut verstehen. „Passiert ist aber in all den Jahren bisher so gut wie nichts.“ Die Zimmersuchenden werden ja registriert und sind bekannt, sie müssen sich ausweisen und die Immatrikulationsbescheinigung, den Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag vorlegen. „Wohnen für Hilfe“ gehört zu den alternativen Wohnformen der Zukunft, deren Bedeutung voraussichtlich weiter ansteigen wird, ist man im Landsberger Landratsamt überzeugt. 

Das vorrangige Ziel sei das selbstbestimmte Leben in den eigenen vier Wänden, da dies auch dem mehrheitlichen Wunsch älterer Menschen entspreche. Gemeinsam mit der Caritas bietet der Landkreis Landsberg am heutigen Mittwoch eine Infoveranstaltung zu dem Thema im Sitzungssaal des Landratsamts an. Der Eintritt ist frei. Referentin Marion Schwarz steht im Anschluss an ihren Vortrag (ab 19 Uhr) für Fragen zur Verfügung.

Ulrike Osman

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