Der Gedanke wird greifbar

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Landrat Walter Eichner (re.) lud seinen Nachfolger Thomas Eichinger (2. v. li.) sowie Vertreter des Landratsamts, des BRK und die Ehrenamtskoordinatorin für Asyl, Sabine Schroer (2. v. re.), zur Besichtigung der Unterkunft im Klostergarten ein.

Landsberg – Die Betten sind überzogen, die Tische schon gedeckt – sogar mit Schoko-Lollies zu Ostern für jeden Neuankömmling. Von außen sieht die Unterkunft, in der bald 60 Asylbewerber Platz finden, aus wie ein trister Container – innen ist sie schon einigermaßen wohnlich eingerichtet...

Jüngst besichtigte Landrat Walter Eichner die Gemeinschaftsunterkunft im Klostergarten der Dominikanerinnen zusammen mit seinem Nachfolger Thomas Eichinger sowie mit Vertretern des BRK-Sozialdienstes, des Landratsamtes und des Ehrenamtes. Zuvor waren die Container ein Kindergarten und -hort, berichtet Hochbauamtsleiter Christian Kusch. Innen herrsche was Wärme- und Brandschutz angeht, der gleiche Standard wie in einem richtigen Gebäude. Vorne soll noch eine Spielfläche für die Kinder entstehen, innen befinden sich neben Schlaf- und Aufenthaltsräumen auch weitere Funktionsräume. Etwa gibt es Küchen, Waschräume oder Haus- aufgabenzimmer für die Kinder. Im Erdgeschoss ist zudem ein Büro, oben wird an gleicher Stelle ein Spielzimmer eingerichtet.

BRK übernimmt vieles

Die Sozialbetreuung der Ankömmlinge übernimmt das BRK. „Wir haben auch personell aufgestockt“, berichtet Sozialdienstleiterin Marianne Asam. Das BRK sei vor allem zuständig für die medizinische Versorgung, aber die BRK-Mitarbeiter gehen auch mit zu Arztterminen oder melden die Kinder in Schule und Kindergarten an. „Auch sind wir zuständig für Ordnung und Sauberkeit in dem Gebäude“, erklärt Asam. „Das ist oft eine besondere Herausforderung.“ Das wichtigste sei es, so Asam und die Ehrenamtskoordinatorin für Asyl, Sabine Schroer, dass die Asylbewerber so bald es geht Deutschkurse bekommen. „Wir haben jetzt vier pensionierte Lehrer, die den Asylbewerbern die Grundlagen beibringen“, erklärt Schroer.

„Was tut ihr eigentlich? – Das werden wir oft gefragt“, sagt Schwester Antonia. „Wir stehen dahinter, dass die Asylbewerber zu uns kommen.“ Den größten Beitrag haben die Dominikanerinnen mit dem Grundstück geleistet, das sie zur Verfügung stellen. „Und wir können jetzt nicht mehr tun, als da zu sein.“

Ab dem 15. April kommen die neuen Asylbewerber in drei Schüben zu je 20 Leuten, erklärt Andreas Schwan vom Ausländeramt. Erwartet werden zunächst Familien aus Schwarzafrika, da diese oft unverhältnismäßig lange in den zentralen Aufnahmestellen blieben. Zudem erwartet Schwan vorrangig Männer aus Afghanistan, Libyen oder dem Irak. Derzeit leben im Landkreis 250 Asylbewerber, insgesamt sei Platz für 350 Personen. „Diese Zahlen erhöhen sich aber noch, wir rechnen bis Jahresende mit 450 Personen – mindestens“, so Landrat Eichner.

Dringend gesucht

Er sei glücklich über den Schulterschluss zwischen dem Landkreis, den Ehrenamtlichen, dem BRK, der Stadt Landsberg und den Dominikanerinnen. Letztere haben spontan ihre Mithilfe zugesagt und das Grundstück für die vorübergehende Unterkunft gestellt. „Es war eine kurze Zeit vom Gedanken bis zum baldigen Einzug“, so Eichner. Es sei eine tolle Mannschaftsleistung, aber: der Wohnungsmarkt sei hitzig, es werden viele weitere Asylbewerber erwartet. „Wir brauchen dringend Wohnungen, leerstehende Gebäude und Grundstücke, die uns zur Verfügung ge­stellt werden.“

Für die Asylbewerber, die jetzt in den Landkreis kommen, werden noch zahlreiche ehrenamtliche Helfer gesucht. „Ziel ist es, pro Familie einen Ehrenamtlichen zu bekommen“, so Koordinatorin Sabine Schroer. „Wir wollen da sein in allen Lebenslagen.“ Etwa könnte man die Asylbewerber zum Einkaufen begleiten oder den Kindern mit den Hausaufgaben helfen. Daher lädt Schroer für 9. April um 19.30 Uhr in den Pfarrsaal „Heilig Engel“, in dem eine Informationsveranstaltung für Interessierte sein wird.

Janina Reich

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