Krippengebühren in Absprache?

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Der Baubeginn für das Kinderhaus Römerauterrasse am Klinikum lässt weiter auf sich warten. OB Neuner: „Da wird noch lange grüne Wiese sein. Der eigentliche Bau ist in schätzungsweise zwei bis drei Wochen erledigt.“

Landsberg – Dass er für seinen Vorstoß „Verkauf Grundstücke am Penzinger Feld gegen Krippenzuschüsse“ hart angegriffen wurde, hatte CSU-Fraktionschef Helmut Weber offenbar nicht überrascht. Äußerlich gelassen eröffnete er ein anderes Diskussionsfeld: die hohen Krippengebühren für Eltern in Lands­berg.

„Warum sind wir die teuersten im ganzen Landkreis? Warum verlangen alle drei in Landsberg genau den gleichen Preis und warum ist der um 60 Euro höher als überall sonst?“ fragte Weber und behauptete im nächsten Atemzug: „Das ist von einer Absprache nicht mehr weit entfernt.“

Diesen massiven Vorwurf wollte der Oberbürgermeister den Krippen-Trägern in der Lechstadt nicht machen, stellte aber ebenfalls „Auf­fälligkeiten“ fest. „Wenn ich unsere bisherige Förderung von den Landsberger Gebühren abziehe, komme ich genau auf die ortsüblichen Preise im Landkreis und in Bayern. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.“ Er wolle „niemand etwas unterstellen“, beteuerte Mathias Neuner, „aber man kann sich schon fragen, warum wir außer Freising, Traunstein und Fürstenfeldbruck die teuersten Krippenplätze in Bayern haben.“

Grundlage der Diskussion war ein umfangreicher und aufwändiger Vergleich, den der OB bei seiner Verwaltung in Auftrag gegeben hatte – mit interessanten Ergebnissen. Bei einer „Ganztagesbuchung“ (sieben bis acht Stunden für ein Kind unter drei Jahren) steht Landsberg nach den Zahlen aus der Verwaltung tatsächlich teuer da. Der Landkreisdurchschnitt liege bei 233,93 Euro monatlich, der bei den Großen Kreisstädten im Freistaat bei 236,90 Euro.

„Das kann man doch so gar nicht vergleichen“, kritisierte Grünen-Rat Ludwig Hartmann. „Dass irgendwo in Nordbayern ein Krippenplatz günstiger ist, als bei uns, ist doch klar. Wo ist da zum Beispiel Starnberg? Außerdem wissen wir doch nicht, ob die Gemeinden im Landkreis nicht viel mehr auf andere Weise in die Krippen investieren.“ Neuner dazu auf Nachfrage: „Wir haben 16 Große Kreisstädte angefragt, uns also sicher nicht zu wenig Arbeit gemacht. Was eine einzelne Gemeinde im Landkreis zusätzlich für eine Krippe ausgibt, werden wir in der Tat nicht feststellen können.“

Wer die von der Stadt vorgelegten Zahlen hinterfragt, stößt bei genauerem Hinsehen aber auf Ungereimtheiten. Die Kinderkrippe Landsberg, Traditionseinrichtung der Lebenshilfe, berechnet für Kinder aus Landsberg derzeit in Wirklichkeit lediglich 252 Euro (für Kinder aus anderen Gemeinden 315), bei Heilig-Kreuz sind es in der Tat 316 Euro (dort ist noch vermerkt, dass die Stadt Landsberg 20 Prozent übernehme) und in Finning und Windach werden sogar noch etwas höhere Elternbeiträge als in Landsberg aufgerufen.

Nach den jüngsten Zahlen, die OB Neuner vorliegen, dürfte die Diskussion aber ohnehin nur akademischen Wert haben. Die Stadt geht davon aus, dass alle Krippenplätze in den bisherigen Landsberger Einrichtungen ab September komplett belegt sind (Stand 7. Mai). Das neue Kinderhaus sei sogar bereits deutlich überbucht. Dieses wiederum wird zwar später als ursprünglich geplant fertig werden – dass auf dem Baugrundstück bisher aber nichts passiert ist, irritiert Neuner nicht. „Das wird noch lange eine grüne Wiese bleiben.“ Das Kinderhaus in Modulbauweise (ohne Unterkellerung) sei „in zwei bis drei Wochen hochzuziehen, das geht dann ganz schnell, da mache ich mir gar keine Sorgen.“

Christoph Kruse

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