Vom Rathaus in den Reichstag?

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Nach heißen Reden bei der CSU-Kreisvertreterversammlung suchten sie Abkühlung im Garten des Gasthofs Drexl: Bernhard Kösslinger, Landrat Thomas Eichinger, Rainer Jünger, der designierte Bundestagskandidat Michael Kießling und MdL Alex Dorow (von links).

Schondorf – Zuerst die gute Nachricht: Michael Kießling hat gute Chancen, als CSU-Kandidat bei der Bundestagswahl 2017 anzutreten. Jetzt die schlechte Nachricht: Die Gemeinde Denklingen müsste sich dann von ihrem bewährten Bürgermeister verabschieden und das Amt neu besetzen. So kurz und kompakt könnte man das Ergebnis der Kreisvertreterversammlung der CSU-Ortsvereine im Kreisverband Landsberg im Schondorfer Gasthof Drexl zusammenfassen. Hier stellten sich drei mögliche Kandidaten vor, wobei die Delegierten Michael Kießling in geheimer Abstimmung in die Favoritenrolle hievten.

Durch den neu geschaffenen Bundeswahlkreis Landsberg-Starnberg-Germering haben die Parteien die Chance, einen neuen Abgeordneten aus ihren Reihen zu etablieren. Bei der Landsberger CSU hatten sich neben Michael Kießling auch Bernhard Kösslinger und Rainer Jünger für das Ticket nach Berlin beworben. Bevor sie sich und ihr Programm vorstellten, mussten erst 69 Delegierte und Ersatzdelegierte für den Bundeswahlkreis gewählt werden, die dann am 17. Oktober 2016 in der Stadthalle Germering zusammen mit den Delegierten aus Starnberg und Germering endgültig einen CSU-Stimmkreiskandidaten nominieren. Als Wahlhelfer fungierte Landsbergs Landtagsabgeordneter Alex Dorow. Wahlleiter war Werner Bumeder, Abteilungsleiter in der Münchner CSU-Zentrale für Außenorganisation. Interessierter Gast: Landsbergs Landrat Thomas Eichinger.

Alle drei Bewerber um die Kandidatur verfügen über viel Erfahrung erfolgreicher Parteiarbeit an der Basis. Rainer Jünger (46) ist Kreisgeschäftsführer der CSU Landsberg, Gemeinderat in Schondorf und designierter Vorsitzender des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises GPA der CSU in Landsberg. Er war 2014 Bürgermeisterkandidat in Schondorf und holte bei der Stichwahl das beste Ergebnis für die CSU seit 24 Jahren. Bernhard Kösslinger (54) widmet seine Parteiarbeit vor allem der Mittelschicht und ist Vorsitzender des Kreis- und Bezirksverbandes der CSU-Mittelstandsunion sowie stellvertretender Landesvorsitzender im Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CSU/CDU in Berlin. Michael Kießling (43) schließlich ist erster Bürgermeister in Denklingen, Kreisrat und Mitglied im Kreisausschuss, stellvertretender Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Landsberg, Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Denklingen-Fuchstal-Unterdießen sowie Mitglied im Landesvorstand der Kommunalpolitischen Vereinigung der CSU.

Jeder der Bewerber hatte eine Viertelstunde Zeit, sich den Delegierten vorzustellen und seine politischen Ziele zu erläutern. Rainer Jünger will sich dafür engagieren, dass die CSU in Landsberg und am Ammersee-Westufer auch in Zukunft die stärkste politische Kraft bleibt. Er wolle sich in Berlin einsetzen für eine umfassende Digitalisierung, Sicherung der Renten sowie eine vernünftige Energiepolitik. Beim Thema Gesundheit und Pflege meinte Jünger: „Wir stehen hier immensen neuen Anforderungen gegenüber. Die demographische Entwicklung und Kostensteigerung durch Therapien und Medikamente erfordern umsichtiges Handeln, damit die hohe Qualität unserer medizinischen Versorgung auch in Zukunft gewährleistet ist.“ Auf Landsberg bezogen plädiert er für den dreispurigen Ausbau der A96, eine bessere Anbindung über Zug und S-Bahn nach München und Augsburg sowie den schnelleren Ausbau der Datennetze. Für den Bundeswehrstandort Penzing wünsche er sich wie MdL Alex Dorow und Landrat Thomas Eichinger eine Außenstelle einer Hochschule oder Universität.

Bernhard Kösslinger, von Beruf Rechtsanwalt, sieht sich politisch als Anwalt der Mittelschicht, die „seit Jahren ausgequetscht wird wie eine Zitrone.“ Es sei an der Zeit, in den derzeit fetten Jahren eine solide Basis für eine sichere Zukunft zu schaffen. Dazu gehöre die Sicherung Bayerns als attraktiver Standort für international tätige Unternehmen. Für Familien brauche man eine ausreichende Kinderbetreuung, flexible Beschäftigungsmodelle und auch umfassende Angebote für altersgerechtes Wohnen sowie Pflegeangebote. Vor allem aber werde bezahlbarer Wohnraum benötigt. Bayern brauche eine stabile Energiepolitik und eine lückenlose digitale Vernetzung, ein Muss für die Innovationsfähigkeit und Ansiedlung moderner Arbeitsplätze. Dafür und auch für die Herausforderung der Integration in Bayern wolle er sich in Berlin „konkret, konstruktiv und konsequent“ einsetzen. Er wisse, was die Menschen in unserer Region denken, was sie bewegt und was sie besorgt. Und er wisse durch seine politische Tätigkeit, wie man sich bei den zuständigen Gremien in München und Berlin Gehör verschaffe.

Für den Erhalt der Lebensqualität, der Förderung von Wirtschaft und Mittelstand und der hohen sozialen Sicherheit in Bayern will sich Michael Kießling in Berlin stark machen. Sein Credo heißt „Bewahrung der Heimat – Förderung des Klima- und Umweltschutzes und der Landwirtschaft“. Diese präge Bayerns Kulturlandschaft, wobei die Bauern derzeit ein massives Problem mit dem Milchpreis von unter 20 Cent pro Liter hätten. „Wenn man ein Sterben der Milchbauern verhindern will, muss auf europäischer Ebene gehandelt werden.“ Dafür wolle er sich mit der CSU vehement einsetzen. „Wir müssen den Verbrauchern klarmachen, dass unsere Bauern Spitzenprodukte liefern und unsere Ernährungsgrundlage sichern. Dies muss seinen Wert und Preis haben!“ Für eine zukunftsfähige und ökologisch orientierte Landwirtschaft brauche man nicht noch mehr bürokratische Vorgaben, sondern weitere Unterstützung für existenzbedrohte Betriebe.

Bei der anschließenden geheimen Wahl erhielt Michael Kießling die Stimmenmehrheit der Delegierten und wird sich am 17. Oktober 2016 in der Germeringer Stadthalle neben eventuellen Kandidaten aus Starnberg und Germering um die endgültige Kandidatur bewerben.

Dieter Roettig

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