Dämpfer für die Gemeinde

Am Sonntag entschieden sich die Bürger gegen den von der Gemeinde vorgesehenen Zuschuss für eine laut Turnverein Prittriching dringend notwendige neue Turnhalle. Foto: Osman

Die neue Sporthalle in Prittriching kann nicht wie geplant verwirklicht werden. Im Bürgerentscheid am Sonntag sprach sich eine Mehrheit gegen die von der Gemeinde vorgesehene Förderung aus. Die hohe Wahlbeteiligung von 63,9 Prozent zeigt, dass den Bürgern das Thema offenbar sehr wichtig war. „Die Leute sind einfach schon genug belastet“, kommentierte der Initiator des Bürgerbegehrens Jürgen Schnell im Anschluss. „Es ist ihnen zu viel.“

Insgesamt gingen 1221 Bürger in Prittriching und Winkl an die Urnen. 557 von ihnen – das entspricht 45,6 Prozent – stimmten mit Ja. 664 oder 54,4 Prozent setzten ihr Kreuz bei Nein und erteilten damit der gemeindlichen Unterstützung für den Hallenbau des Turnvereins Prittriching (TVP) eine Absage. Die Förderung hätte einen gemeindlichen Zuschuss von 350000 Euro umfassen sollen, dazu eine Kreditbürgschaft über 650000 Euro und die Überlassung eines Grundstücks im Erbbaurecht für 99 Jahre. Der Vorstand des TVP reagierte enttäuscht auf das Ergebnis. „Wir haben mit einem anderen Ausgang gerechnet“, so der erste Vorsitzende Leonhard Westermeier. „Dass es so heftig wird, hätten wir nicht gedacht.“ Enttäuscht ist auch Bürgermeister Peter Ditsch. „Die Chance, die Infrastruktur unserer Gemeinde zu stärken und weiter zu entwickeln, ist vertan. Das ist schade.“ Unumwunden stellen sowohl der Rathauschef als auch der TVP klar, dass sie das Ergebnis ohne Wenn und Aber annehmen. „Die Entscheidung ist zu akzeptieren, auch wenn ich sie so nicht erwartet habe“, sagte Ditsch. Theoretisch ist das Ergebnis des Bürgerentscheids nur für ein Jahr bindend. Ob man das Thema danach noch einmal angeht, erscheint aber angesichts der hohen Wahlbeteiligung und des klaren Ergebnisses zweifelhaft. „Der Gemeinde sind jetzt die Hände gebunden und uns auch“, erklärt TVP-Vorstand Westermeier. Ohne die Unterstützung der Gemeinde könne der Verein die Halle nicht realisieren. „Ohne das Grundstück fehlen uns die Voraussetzungen.“ Die Gemeinde Prittriching habe in der jüngsten Zeit zahlreiche Maßnahmen in Angriff genommen, so Bürgermeister Peter Ditsch. „Die Turnhalle hat den Bogen vielleicht überspannt.“ Für Jürgen Schnell, der das Bürgerbegehren auf den Weg brachte, hat sie das ganz klar getan. „Man kann nicht Schulden anhäufen und dann noch mit einer halben Million einen Verein fördern. Der Bürger hat Recht gesprochen.“ Mit dem Bau eines zweiten Wasserwerks und Straßensanierungsmaßnahmen sei der Haushalt schon genug belastet. Für Schnell ging die Abstimmung denn auch nicht gegen den Sportverein, sondern gegen die Gemeinde. „Die hat einen richtigen Dämpfer gekriegt.“ Außerdem hätten die Prittrichinger „Herz gezeigt für die Anwohner der Sporthallen“, die im Falle des Neubaus durch zusätzlichen Verkehr belastet worden wären.

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