Große Ehre für den HC Landsberg

Ein Profi pfeift für die "Riverkings"

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Prominente Neuverpflichtung bei den Riverkings: Die Vorstände Markus Haschka (rechts) und Daniel Möhle (links) freuen sich, dass DEL-, WM- und Olympiaschiedsrichter Daniel Piechaczek künftig für den HC Landsberg pfeifen wird.

Landsberg – Der prominenteste Neuzugang des HCL hat den Schläger schon vor 20 Jahren in die Ecke gestellt und wird nur selten Zeit haben, auch nur die Heimspiele der „Riverkings“ zu besuchen – trotzdem bringt er den Vereinsnamen in Deutschlands größte Eishallen: DEL-, WM- und Olympiaschiedsrichter Daniel Piechaczek pfeift in dieser Saison offiziell für den HC Landsberg.

Seit sechs Jahren wohnt Piechaczek in Landsberg und wurde bis vor kurzem für den EHC Finning geführt. So fand das Dorf im Landkreis dann auch im Fernsehen Erwähnung bei der Live-Übertragung aus Sotschi, als Piechaczek mit seinem deutschen Kollegen Lars Brüggemann mehrere Spiele leitete. „Das war sicher mein bisher größtes Erlebnis“, resümiert Daniel Piechaczek, der die Schiedsrichterei schon seit über 15 Jahren betreibt.

Nach einer Saison als Verteidiger bei seinem Heimatverein TuS Geretsried in der 1. Liga Süd entschied er sich dafür, einen bodenständigen Beruf zu erlernen und absolvierte ein Maschinenbau-Studium, während er gleichzeitig die nötigen Schiedsrichterlehrgänge besuchte und es schon 2001 als Amateur in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) schaffte.

Nachdem er bereits drei Jahre als Ingenieur gearbeitet hatte, führte die DEL 2006 erstmals Profischiedsrichter ein und machte Piechaczek ein Angebot, den Beruf zu wechseln. „Das war keine einfache Entscheidung damals“, erinnert er sich, „aber ich habe sie nicht bereut.“

Schon vor einiger Zeit hat es Daniel Piechaczek zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht – der allerdings nicht mehr sonderlich aktuell ist. Während in der Online-Enzyklopädie noch die U20-WM als größter Erfolg aufgelistet ist, hat sich der Referee in seiner Zunft längst unter den Weltbesten etabliert. Drei Junioren- und sechs Senioren-Weltmeisterschaften hat er inzwischen gepfiffen, 80 bis 90 Spiele leitet er im Schnitt pro Jahr und bringt es dabei auf bis zu 60000 Kilometer Reisewege.

Gut, dass seine Frau Bianca viel Verständnis für die anstrengende Lebensweise aufbringt. Vermutlich kann sie gar nicht anders, immerhin war sie selbst als Unparteiische lange auf deutschen Eisflächen unterwegs, beendete ihre Karriere nach den Olympischen Spielen 2006 und arbeitet heute neben ihrem Beruf bei der Deutschen Bahn weiter als Schiedsrichter-Beobachterin. „Sie ist sozusagen mein Personal Coach“, erzählt Daniel Piechaczek, „und kann mir sehr viele Tipps geben. Aber beobachten und bewerten muss sie mich natürlich nicht, das wäre sicher keine gute Situation.“ Kennengelernt hat sich das Ehepaar – wie sollte es anders sein – einst auf einem Schiedsrichterlehrgang.

Live auf servus.tv Nach der Sommerpause stehen Spieler wie Schiedsrichter längst wieder auf dem Eis, am Wochenende beginnt die DEL ihre nächste Saison. Natürlich ist Piechaczek mit dabei und wird vermutlich gleich noch bekannter werden – servus.tv überträgt am Freitag live und unverschlüsselt die Partie Mannheim - Ingolstadt (19.30 Uhr), mit der der Landsberger in die neue Spielzeit startet.

Wie lange er seinem Beruf als Profi-Schiedsrichter noch nachgehen wird, steht im Moment nicht fest. In der DEL hat sich das System längst etabliert, „die Erfahrungen scheinen also gut zu sein und für mich persönlich ist das Ende noch völlig offen.“ Der Verband legt Männern wie ihm dabei keine Steine in den Weg, vor kurzem wurde die bisherige Altersgrenze für Schiedsrichter abgeschafft. „Man will verhindern, dass gute Leute aufhören müssen. Jetzt kann man theoretisch pfeifen, solange man will – natürlich muss die Leistung stimmen.“ Somit ist das Erreichen einer persönlichen „Altersgrenze“ kein Problem für ihn: Daniel Piechacezk wird am heutigen Mittwoch 40 Jahre alt.

Für den HC Landsberg wiederum bedeutet Piechaczeks Engagement einiges. Der Verein muss in der Bayernliga drei (bisher zwei) Schiedsrichter benennen, die für ihn pfeifen. Kann ein Klub nicht genügend Referees stellen, ist eine Strafzahlung in Höhe von mehreren hundert Euro fällig. Aber nicht nur deshalb freut sich Vorsitzender Markus Haschka, dass sich Daniel Piechaczek (der keinerlei Honorar oder Entschädigung vom HCL verlangt) zur Verfügung stellt: „Das ist für uns als kleiner Verein eine super Sache und eine große Ehre.“

Christoph Kruse

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