Keine Premiumklasse für Uli Hoeneß

JVA-Alltag: Wer nicht arbeitet, wird weggesperrt!

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Der "Lange Gang" der JVA Landsberg führt auch zur künftigen Zelle von Uli Hoeneß.

Landsberg – Einige Pressevertreter wollten gar nicht glauben, was da auf Uli Hoeneß zukommt. „Ziemlich spartanisch“ seien die Zellen, die man besichtigen durfte, wurde bei der Pressekonferenz von Journalisten festgestellt und nachgefragt: „Gibt es denn welche, die besser ausgestattet sind?“

Die Frage entlockte Franz Röck nur ein Lächeln. „Ich kann Ihnen versichern, dass es bei uns keine Premiumklasse gibt. Die Hafträume sehen alle so aus.“ Nicht nur deshalb dürfte nach der Besichtigung der Landsberger JVA auch dem letzten Medienvertreter klar sein, dass das Leben innerhalb der Gefängnismauern auch für den ehemaligen Präsident des FC Bayern nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig werden wird.

Die Einzelzelle in der JVA Landsberg.

„Es werden alle gleich behandelt“, so Anstaltschefin Monika Groß weiter. Damit ist Hoeneß auch einem strengen Tagesablauf unterworfen: Geweckt wird um 6 Uhr, Arbeitsbeginn ist um 7 Uhr. Wer nicht handwerklich tätig ist, hat's schwer: „Da kann ich mir etwas in der Bibliothek oder der Kammerverwaltung vorstellen, ansonsten bleiben noch einfache Falt-Tätigkeiten“, sagte Groß, „gesonderte Stellen für Akademiker haben wir jedenfalls nicht.“ Wer nicht arbeitet, wird wieder eingeschlossen. Nach Arbeitsende können sich die Insassen um 15.40 Uhr das Abendessen holen, zwischen 17 und 19 Uhr ist Freizeit beim Sport oder im Hof angesagt, dann folgt schon wieder der „Einschluss“.

Immerhin steht allen Häftlingen Kabelfernsehen zu jeder Zeit zur Verfügung. Besuch ist zweimal im Monat für je zwei Stunden erlaubt, telefoniert werden darf nur im Notfall. Dementsprechend muss bei Haftantritt das Handy abgegeben werden, auch Computer sind in den Zellen tabu. „Wir sind uns der Bedeutung der Technologie in der heutigen Zeit durchaus bewusst“, betonte Prof. Frank Arloth, Leiter der Abteilung Justizvollzug beim Freistaat, „aber dennoch gibt es in den Hafträumen keine Laptops und damit auch kein Internet.“

Auch ansonsten darf Hoeneß von zuhause praktisch nichts mitbringen. Gestattet sind eine Armbanduhr, eine Kette, ein Schmuckstück und Fotos. „Andere persönliche Gegenstände sind nicht erlaubt“, so Groß auf Nachfrage, „der Rest wird von der Anstalt gestellt.“ Immerhin können die Häftlinge Kleidung und andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen, „wenn jemand Geld von außen schickt.“

Zuvor wird der früher FCB-Manager – wie alle Straftäter in Landsberg – zunächst in einer Zweimann-Zelle aufgenommen. Nach rund zwei Wochen wird er vermutlich eine Einzelzelle bekommen. Wann Uli Hoeneß frühestens in den Offenen Vollzug wechseln kann, wollten die Veranstalter der Pressekonferenz auch auf mehrmalige Nachfragen der Medienvertreter nicht konkret benennen. „Frühestens 18 Monate vor dem Termin der vorgesehenen Entlassung" sei das vorgesehen, so Prof. Arloth, der aber darauf hinwies, dass es sich dabei „nur um eine Regelbestimmung handelt“ und die Anstalt im Einzelfall entscheide.

Möglich sind dabei auch andere Hafterleichterungen wie Ausgang, Freigang oder sogar Urlaub. Theoretisch kann ein Häftling auch sofort bei einem Unternehmen außerhalb der Justizvollzugsanstalt arbeiten. Arloth: „Das kommt aber nur sehr selten vor, es finden sich kaum Arbeitgeber.

Christoph Kruse

Wo Uli Hoeneß bald wohnen muss

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