Dankbarer "Postbote"

Ein echter Löwen-Fan hat seine Prinzipien… Cartoon: Pfeffer

Bargeld im simplen Briefumschlag zu verschicken gilt als riskant, wird aber offensichtlich öfter praktiziert als man es für möglich hält. Ein Transportfahrer, der Post aus Greifenberg und Windach beförderte, soll jedenfalls im vergangenen Jahr innerhalb von fünf Monaten 19 Mal Briefe geöffnet und insgesamt 760 Euro daraus unterschlagen haben. Der 45-Jährige stand kürzlich vor dem Amtsgericht Landsberg.

Der in Stadtbergen lebende Mann arbeitete für eine Allgäuer Transportfirma und fuhr seit September 2009 regelmäßig nach Windach und Greifenberg, um die Post aus den dortigen Filialen abzuholen und ins Verteilungszentrum nach Augsburg zu bringen. Eines Tages sei ein Brief auf der Ladefläche liegengeblieben, erklärte der Fahrer vor Richterin Sabine Grub. „Ich habe mich geschämt, den nachträglich abzugeben, und habe ihn aufgerissen. Es waren zehn Euro drin.“ Danach sei es weitergegangen – „es war wie eine Spirale“. Laut Anklageschrift öffnete der 45-Jährige in der Zeit von Juni bis November 2010 insgesamt 19 Briefe. Meist waren es bunte Glückwunschkarten, und oft enthielten sie Geldscheine – nicht nur kleine Beträge, sondern durchaus auch 100 und 250 Euro, einmal sogar 500 Euro. In einem Fall verschwanden vier Eintrittskarten für ein Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg. Geschnappt wurde der Mann schließlich mit Hilfe zweier Fangbriefe, die präparierte Geldscheine enthielten. Einen Teil der Vorwürfe räumte der Angeklagte unumwunden ein. Er bestritt jedoch, jemals Post aus Windach geöffnet zu haben. Dort habe ihm der Leiter der Postfiliale die Sendungen immer abgepackt in Kisten übergeben. Für den Briefkasten in Greifenberg habe er jedoch einen eigenen Schlüssel besessen. Insbesondere die Unterschlagung der Fußball-Tickets und der 500 Euro habe er nicht begangen, beteuerte der Mann. Da ihm das Gegenteil nicht zu beweisen war, wurde ein Teil der Anklagepunkte fallengelassen. Übrig blieben 13 Fälle, für die der bereits wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Nötigung vorbestrafte Transportfahrer zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Außerdem muss er 1000 Euro an die Freiwillige Feuerwehr Landsberg zahlen. Zu seinem Motiv gab der 45-jährige Stadtbergener an, er sei finanziell stark unter Druck gewesen, habe 70 Stunden in der Woche gearbeitet und nur 700 Euro verdient. „Ich weiß, dass es nicht richtig war, was ich gemacht habe“, so der 45-Jährige reumütig.

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