"Das muss das Publikum akzeptieren"

Noch im Hotel, aber bald in einer eigenen Wohnung: Der gebürtige Kanadier Dave Rich soll den EVL mit jungen Spielern zurück in die Erfolgsspur führen. Foto: Peters

Noch ist es eine Weile hin, bis der EV Landsberg Anfang Oktober in die neue Eishockey-Saison startet. Für den Oberligisten hat die Vorbereitung auf die Spielzeit jedoch bereits begonnen. Der KREISBOTE sprach mit dem neuen Trainer Dave Rich, 41, über seine ersten Eindrücke, fehlendes Geld und die Erfolgsaussichten für seine erste Saison am Lech.

Herr Rich, haben Sie sich schon eingelebt in Landsberg? Rich (lacht): „Naja, ich bin erst seit kurzem hier und wohne noch im Hotel. Das sagt doch alles, oder?“ Sie haben, als Sie sich im März für das Traineramt beim EVL entschieden, noch andere Angebote gehabt. Wieso fiel die Entscheidung für Landsberg? Rich: „Ja, ich hatte Angebote vor allem aus dem Norden und auch mit mehreren Oberligisten gab es Gespräche. Für den EVL hat gesprochen, dass man es hier mit vielen jungen Spielern versuchen will. Das macht für mich den Reiz aus.“ Bei Ihrem letzten Arbeitgeber, dem Ligakonkurrenten Tölzer Löwen, waren Sie damit recht erfolgreich, auch wenn viele Verletzungen eine Play-off-Teilnahme der jüngsten Mannschaft der Liga verhinderten. Dennoch durften Sie nicht weitermachen. Rich: „Ich hatte eigentlich schon ein Angebot, aber dann hat sich die neue Geschäftsführung entschieden, Geld zu sparen und es mit einem einheimischen Nachwuchstrainer zu ver­- suchen.“ Für die Tölzer Löwen war es das erste Jahr nach ihrer Insolvenz; jetzt stehen Sie bei einem Verein unter Vertrag, den über 200000 Euro Schulden plagen. Macht man sich darüber Gedanken? Rich: „Natürlich will man keinen Verein in Schwierigkeiten. Aber in Landsberg habe ich die Überzeugung, dass da ein richtiges Team im Hintergrund arbeitet, das die Schulden verringern will. Sie haben mir zum Beispiel ganz klare Vorgaben ge­macht, was die Spielerverpflichtungen betrifft.“ Inwiefern? Rich: „Nun, ich durfte mit Michel Maßen, Phillipp Michl und Nick Anderson drei Wunschspieler holen. Den Rest hat der Verein besorgt. Natürlich hätte ich gerne zwei Profis mehr gehabt, aber das war eben finanziell nicht machbar.“ Mit dem kanadischen Verteidiger Nick Anderson ist nur eine von zwei Kontingentstellen besetzt. Reicht das, um im Ligaalltag zu bestehen? Rich: „Er hilft uns auf alle Fälle in der Verteidigung, denn dort sind wir sehr jung. Alles andere wird man sehen.“ Die Abwehr ist also eine Schwachstelle in Ihrem Team? Rich: „Wie schon gesagt, in der Verteidigung sind wir sehr jung. Dazu kommt, dass wir mit Alexander Reichlmeir bislang nur einen festen Torhüter haben. Ob Josef Mayer mit einer Förderlizenz auflaufen kann, ist noch nicht klar, denn momentan wird er in Ravensburg noch als zweiter Goalie geführt. Da müssen wir noch nachbessern, denn auf dieser Position entscheidet es sich, ob du Dritter oder Siebter wirst.“ Und wo liegen die Stärken? Rich: „Wir werden zwar keinen Paradesturm haben, dafür aber drei ausgegelichene Reihen. Vor allem die jungen Spieler sind sehr ehrgeizig, da ist auf jeden Fall Potenzial da.“ Mit der Aufteilung der Oberliga in Süd, West, Nord und Ost hat der Deutsche Eishockey-Bund auf die Forderung vieler Vereine nach einer regionalen Ligenstruktur reagiert. Wie schätzen Sie die neue Liga ein? Rich: „Sie ist schwächer als im letzten Jahr, denn die Teams dürfen nur mehr zwei Ausländer beschäftigen. Mit Peiting und Garmisch sind nur zwei Teams dabei, die mit vielen Profis spielen. Ansonsten ist alles recht ausgeglichen. Der Kampf um Platz drei bis sechs wird daher sehr eng.“ An welcher Stelle sehen Sie da Ihr Team? Rich: „Es gehört immer ein Glück dazu, aber wenn wir verletzungsfrei bleiben, könnte es auch zu Platz drei reichen. Viel hängt wie gesagt vom Torwart ab und wie die jungen Spieler ihr Potential abrufen.“ In Landsberg gibt es erst Anfang September Eis in Eishalle. Derzeit müssen Sie nach Kaufbeuren fahren, um zu trainieren. Ist das ein Problem? Rich: „Nein. Wir haben noch über einen Monat Zeit. Eis ist schließlich auch eine Geldfrage und ich finde es richtig, wenn da gespart wird. Die Spieler des EV Landsberg sind im übrigen in gutem Fitnesszustand. Den Rest kriegen wir bis Saisonbeginn noch hin.“ Das Publikum in Landsberg gilt als erfolgsverwöhnt und bleibt gern mal weg, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Haben Sie Angst vor leeren Rängen? Rich: „Ich denke, die Leute müssen froh sein, dass wir mit jungen Spielern spielen und immer mehr Landsberger integrieren wollen. Es ist sehr einfach, in der Oberliga Meister zu werden, wenn ich alle meine Wunschspieler kaufe. Aber dann ist irgendwann kein Geld mehr da und der Verein pleite wie in der Vergangenheit geschehen. Das wollen wir nicht mehr, und das müssen auch die Zuschauer akzeptieren.“ Viele Trainer sind bei diesem Versuch in der jüngsten Vergangenheit in Landsberg gescheitert. Wie lange, rechnen Sie, werden Sie bleiben? Rich: „Ich bin jetzt seit sechs Jahren Trainer und habe in dieser Zeit alle meine Teams weiter gebracht. Ich bin daher optimistisch, dass es eine gute Saison wird. Darüber nachzudenken, wann ich gefeuert werde, ist nicht mein Ding.“

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