"Das ist ihm unbequem"

Das Verhältnis zu Bürgermeister und Gemeinderat wurde von den Bürgerforumssprechern Peter Vonnahme (links) und Wolfgang Haberecht (rechts) ausführlich diskutiert. Foto: Weh

Seit seiner Gründung im März hat das Bürgerforum Kaufering in mehreren Arbeitskreisen drei Konzepte zur Zukunft der Marktgemeinde erarbeitet. Was mithilfe eines kürzlich verteilten Flyers für einigen Gesprächsstoff sorgt, findet jedoch bei Bürgermeister und Gemeinderat wenig Gehör. Stattdessen sind die Fronten mehr als verhärtet, es herrscht inzwischen „eine erhebliche Dissonanz“, wie Bürgerforumssprecher Peter Vonnahme beim jüngsten Treffen erklärte.

Eine Entwicklung, die auf Seiten des Bürgerforums auf Unverständnis stößt. „Wir haben von Anfang an klar gemacht, dass wir nur Vorschläge erarbeiten, entscheiden muss der Gemeinderat“, sagte Vonnahme. Allerdings habe man immer das Gespräch mit den Entscheidungsträgern gesucht. So sei Bürgermeister Dr. Klaus Bühler auch zum ersten Treffen im März gekommen, habe zugehört, sich aber nicht geäußert. Als die „überparteiliche, aber nicht unpolitische“ Vereinigung von Kauferinger Bürgern, wie sie sich selbst bezeichnet, am 12. April Bühler das Grundsatzpapier überreichte, hätte dieser zugesagt, es zu lesen und sich dazu zu äußern. „Und dann herrschte Schweigen im Walde“, erinnerte Vonnahme. Anfang August schickte das Bürgerforum dem Rathauschef die in mehreren Arbeitskreisen erarbeiteten Konzepte zu einem Ortsentwicklungsplan, zur Schaffung einer Ortsmitte im Bereich Bayernstraße und B17alt sowie zur Errichtung einer Shared Space Zone im nördlichen B17alt-Bereich per Email zu, verbunden mit der Bitte um eine Antwort. Bühlers Reaktion war ein Zeitungsinterview, in dem er betonte, sich auf der Bürgerversammlung am 16. April bereits zum Papier des Bürgerforums geäußert zu haben. Die Vorschläge des Bürgerforums seien „nicht nachvollziehbar, verkehrstechnisch abwegig, rechtlich widersprüchlich.“ Weiter sagte er auch: „Es ist nachvollziehbar, dass ich mich von Leuten distanziere, die mich gedanklich mit dem Politbüro in Verbindung bringen.“ Peter Vonnahme verteidigt sich: „Das verbietet der normale Verstand, das zu glauben, dass ich den Bürgermeister in die Nähe von Politbüro und DDR bringe.“ Er habe lediglich dem Bürgermeister am 18. Mai eine Anfrage gemailt, in der er seinem Ärger über die ausbleibende Reaktion Luft gemacht habe. „Ich war einfach sauer“, erklärte Vonnahme. Er habe geschrieben, wenn das bürgerliche Engagement so abgeschmettert werde, brauche man sich nicht wundern, dass die Politikverdrossenheit zunehme. „Augen zu, abnicken und applaudieren. Kannst Du mir erklären, warum ich immer wieder an Politbüro und Volkskammer denken muss?“, seien seine Worte in dem Schreiben gewesen. Seit 1984 kennen sich Vonnahme und Bühler aus ihrer gemeinsamen Zeit als Gemeinderäte, Bühler damals noch für die CSU, Vonnahme für die Freien Wähler. „Es gab nie großartige Differenzen. Seit seiner Wahl zum Bürgermeister 1987 hat er viel für Kaufering getan. Er war ein Gewinn und dazu stehe ich“, so Vonnahme. In dieser Zeit hätte sich ein freundschaftliches, loyales und von Respekt getragenes Verhältnis entwickelt. „Bis vor wenigen Monaten hat er noch meinen Rat gesucht, da war das Vertrauen noch da“, betont der Bürgerforumssprecher. „Die Sache mit dem Politbüro halte ich für einen Vorwand. Er will sich nicht mit unseren Vorschlägen auseinandersetzen. Das ist ihm unbequem, warum auch immer.“ Das Bürgerforum lässt sich jedenfalls nicht davon abbringen, weiter an ihren Sachthemen zu arbeiten. Um sich noch mehr ins Gespräch zu bringen, soll im September ein Infostand auf dem Freitagsmarkt am Fuggerplatz aufgebaut werden. Ein weiterer Flyer, den die beteiligten Bürger wieder aus eigener Tasche finanzieren wollen, wird voraussichtlich im Oktober oder November folgen. Was das belastete Verhältnis zu Bürgermeister Bühler betrifft, so ist das Bürgerforum bereit, das „unverbindliche Angebot“ der Mediatorin Monika Groner, vielen auch bekannt als Grünen-Kreisrätin sowie ehemalige Bürgermeisterin von Unterdießen, anzunehmen. Sie hatte in einem Schreiben an Vonnahme und Bühler ihre Hilfe zur Vermittlung angeboten.

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