Kein Faschingsscherz:

B17 wird zur "Schnellstraße"

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Alles eine Frage des Tunings...

Denklingen/Epfach – Der Fehler steckt im Detail: In der Beschlussvorlage für die Gemeinderäte zum Thema Tankstelle Lustberg ist beim maßgeblichen Punkt zum Verkehrsfluss auf der B17 eine Angabe zur Einstufung der Straße schlichtweg falsch: So heißt es sowohl auf Seite 4 als auch auf Seite 9 der Bewertung, dass die B17 dort als Schnellstraße für den landwirtschaftlichen Verkehr „ohnehin nicht zugelassen“ sei; eine Auffahrt vom Weiler Guttenstall auf die Bundesstraße sei sowohl Richtung Schongau als auch in Richtung Landsberg für Traktoren mit Anhängern nicht möglich.

Der Pressesprecher und Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Landsberg, Franz Kreuzer, stellt auf Nachfrage des KREISBOTEN klar: Es sei Landwirten sehr wohl erlaubt, mit Schleppern und Anhängern auf der B17 zwischen Landsberg und Schongau unterwegs zu sein. Erst ab der Abfahrt „Landsberg Süd“ bis zum großen A96-Kreisel westlich der Kreisstadt und weiter Richtung Augsburg dürften, weil dort die Umfahrung als Kraftfahrstraße eingestuft ist, keine landwirtschaftlichen Gefährte unterwegs sein.

Auf der B17 in Höhe Denklingen und Fuchstal sind Schlepper mit Anhänger zulässig. Der Begriff „Schnellstraße“, wie er in der Denklinger Beschlussvorlage auftaucht, hat nach den Worten Kreuzers „keine verkehrsrechtliche Relevanz“. Entscheidend sei bei einem Verbot für langsame Fahrzeuge wie Schlepper, Radler oder Mopedfahrer nur die Widmung „Kraftfahrstraße“.

Im Weiler Guttenstall wohnen fünf Hausbesitzer. Einer von ihnen ist Willi Maier, der auf der Gemeinderatssitzung unter den wenigen Zuhörern weilte. Er schilderte am Wochenende im Gespräch mit dem KREISBOTEN, es habe ihn doch sehr verwundert, dass keiner der zwölf anwesenden Gemeinderäte auf diesen Fehler aufmerksam gemacht habe. Zudem bezweifle er, dass sich in Zukunft alle Autofahrer nach dem Tanken am Lustberghof an das geplante Rechtsabbiegegebot halten. Insbesondere mit einem nicht aktualisierten Navi im Auto, der womöglich ein Linksabbiegen anzeige, sei der eine oder andere verunsichert und geneigt, von der Tank- und Rastanlage doch gleich Richtung Landsberg zu fahren.

Download zur Sitzung

Die Beschlussvorlage, die den Fehler enthält, ist allen Gemeinderäten und auch der Öffentlichkeit zum Download bereitgestellt worden, bevor am vergangenen Mittwoch die Sitzung stattfand, in der es unter anderem um die Stellungnahmen zur Änderung des Flächennutzungsplanes ging – im Zusammenhang mit der geplanten Tankstelle Lustberg. Das Projekt, bei dem das Argument der Zersiedlung bislang ein Knackpunkt gewesen ist (siehe eigener Bericht), wird insbesondere von Bürgermeister Michael Kießling forciert. Die Beschlussvorlage befasst sich mit allen Äußerungen und Einwendungen zu dem Projekt, Federführend, so steht es oben auf der ersten Seite, ist die Bauverwaltung im Denklinger Rathaus. Als Bearbeiter ist Johann Hartmann genannt, der geschäftsleitende Beamte bei der Gemeinde.

Nur für Nord-Süd-Verkehr

Bei all den Stellungnahmen und Einwendungen kommt der Frage, wie sich das Projekt Tankstelle am Lustberghof auf den Verkehr entlang der B17 auswirkt, große Bedeutung zu. Die Zeilen mit der fehlerhaften Darstellung auf Seite 9 werden in dem Kapitel aufgeführt, in dem es um die Anbindung des Weilers Guttenstall geht – auch für den Fall dessen, dass es später mal wegen der Tankstelle zu einer Fahrbahntrennung auf der B17 kommt.

Im Beschlussvorschlag für die Ratsmitglieder heißt es, dass die Tankstelle fast ausschließlich „nur für den Nord-Süd-Verkehr“ erreichbar sein werde. Dies sei dem Bauwerber bekannt und müsse so hingenommen werden. Auch für den Fall, dass eine Mitteltrennung erforderlich würde, werde die Bebauung von Guttenstall östlich des Lustberghofs an das öffentliche Netz angebunden sein.

Ein Rechtsanspruch auf eine möglichst bequeme Zu- und Abfahrt in jede Richtung könne aber nicht in jedem Fall gefordert werden; die Verkehrssicherheit dürfe nicht vernachlässigt werden. Betroffen davon ist unter anderem Anwohner Willi Maier, der seine Einwände zu den Auswirkungen auf den Verkehr, aber auch zum Stichwort Zersiedelung ebenso wie der Kinsauer Tankstellen-Betreiber Gottfried Mack und die Firma Aral über eine Münchner Kanzlei anwaltlich geltend macht.

Erst durch die Röhre

„Wir wollen ja nichts bauen, was die Unfallgefahr erhöht“, kommentierte Bürgermeister Kießling im Gemeinderat allgemein zur Verkehrsproblematik. Damit meinte er nicht nur die Anbindung Guttenstalls, wo künftig nur noch Richtung Norden (Richtung Landsberg) eingebogen werden könne und wo es zumutbar sei, dass der Anlieger aus Guttenstall zunächst 1,3 Kilometer zur Ausfahrt Denklingen/Epfach zurücklege, ehe er dort die B17 im Tunnel gefahrlos unterquere und dann auf die B17 Richtung Süden einschwenke.

Kießling bezieht den Satz auch auf die Tatsache, dass alle Autofahrer, die zur Tankstelle einbiegen, nur Richtung Schongau weiterfahren können. Wer dann Richtung Fuchstal oder Landsberg wolle, könne bei der Ausfahrt Neuhof/Epfach gefahrlos die B17 unterqueren und dann auf die Bundesstraße gelangen.

Prognose im Gutachten

Professor Dr. Harald Kurzak von der Technischen Universität München hat ein Verkehrsgutachten erstellt und Ende 2014 vorgelegt. Demnach liegt die Belastung auf der B17 in Höhe Lustberghof täglich bei 12.300 Fahrzeugen aller Art. Der Anteil des Schwerverkehrs mit Lkw, Lastzügen und Bussen beträgt 13 Prozent.

Beim Bau einer Tankstelle sei davon auszugehen, dass täglich zwischen 800 und 1000 Fahrzeuge zum Lustberghof abbiegen und wieder auf die B17 einfädeln, was mit einer zusätzlichen Beschleunigungsspur in Richtung Süden gefahrlos möglich sei. Beim Aufkommen an einer neuen Tankstelle handele es sich kaum um zusätzlichen Verkehr, sondern meistens um Unterbrechungen von Fahrten. Vier Fünftel der abbiegenden Pkw würden aus Richtung Landsberg die Tankstelle ansteuern, nur ein Fünftel aus Richtung Schongau.

Johannes Jais

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