"Der Stein ist von selbst rausgefallen!"

Begleitet von überregionalem Medieninte­resse hat der Augsburger Diözesanbischof Dr. Walter Mixa am Sonntag den offiziellen Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zelebriert. Nur vereinzelt gaben Gottesdienstbesucher vor dem Hauptportal einem anwesenden Fernsehteam ein Interview zu dem ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen katholischen Bischof. Für die meisten standen jedoch die Wiedereröffnung des Gotteshauses sowie der anschließende Stehempfang im Mittelpunkt des Geschehens.

Zu dem fast zweistündigen Festgottesdienst waren weitaus weniger Besucher gekommen als noch vor zwei Wochen am Palmsonntag bei der „inoffiziellen“ Wiedereröffnung. Gut zwei­einhalb Jahre war die Kirche geschlossen und für über sieben Millionen Euro umfangreich saniert worden. Jetzt stellten der Festgottesdienst mit anschließendem Stehempfang im Pfarrzentrum für die geladenen Geldgeber, aber auch für alle interessierten Bürger den offiziellen Höhepunkt dar. „Hinter uns Landsbergern liegen bewegende und freudige Momente“, sagte Stadtpfarrer Thomas Rauch zur Begrüßung. Daher freue er sich umso mehr über den Besuch des Bischofs. „Unser Bischof kommt heute zu uns in einer schweren Zeit für die Kirche und in einer nicht geraden einfachen Zeit für ihn selbst“, sagte Rauch. Der Bischof dankte nach seiner ausführlichen Predigt allen, die an der Sanierung beteiligt waren. „Als Bischof sage ich ihnen ein aufrichtiges ‚Vergelt’s Gott’ für ihre Treue zu dieser Kirche.“ Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Mariä Himmelfahrt wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahle. „Das war nur möglich durch ihr Dasein, ihre Opferbereitschaft und durch ihren Glauben“, so Mixa. Viele Dankesworte gab es auch beim Stehempfang im Pfarrzentrum, zu dem Stadtpfarrer Thomas Rauch insbesondere diejenigen eingeladen hatte, die mit ihrer finanziellen Unterstützung die Sanierungsmaßnahmen erst möglich gemacht hatten. So sprach neben Staatsminister a. D. Dr. Thomas Goppel und Oberbürgermeister Ingo Lehmann auch Dr. Klaus Donaubauer von der Bischöflichen Finanzkammer, die das Projekt mit 2,7 Euro bezuschusste: „Sie haben nie verzagt und immer guten Mut gezeigt.“ Als Finanzdirektor habe er täglich mit vielen Maßnahmen zu tun, „aber sieben Millionen Euro zu stemmen, das ist schon eine Leistung.“ Und auch der durch Spenden erbrachte Eigenanteil sei bemerkenswert. „Landsberg gibt ein gutes Beispiel ab, wie kommende Herausforderungen zu schaffen sind“, sagte Donaubauer im Hinblick auf die klamme Finanzsituation. Für den emotionalsten Höhepunkt sorgte der Architekt Christoph Maas, ein gebürtiger Landsberger, der mit Tränen in den Augen erklärte: „Ich bin froh, weil die Bauzeit nach insgesamt sechs Jahren nun zu Ende ist.“ Es habe viele bewegende Momente in den letzten Monaten gegeben. Ganz intensiv erinnerte er sich an den Augenblick auf dem Gerüst, bevor dieses wieder abgebaut wurde: „Man steht dann da oben und weiß, dass man hier nie wieder hoch kommt.“ Maas rechnete vor, wie sich die sieben Millionen Euro der Gesamtbaumaßnahme aufteilen: Allein 20,4 Prozent entfielen auf die Bauwerkssicherung, also den Dachstuhl und das Fundament, „damit die Kirche für die nächsten 500 Jahre wieder standfest ist.“ 13,2 Prozent wurden allein für die Gerüste verwendet, wohingegen die Eindeckung des Daches nur acht Prozent ausmachte. Als Erinnerungsstück überreichte Christoph Maas Stadtpfarrer Thomas Rauch schließlich einen Bohrkern aus dem rund 500 Jahre alten Fundament des Westgiebels. „Wir waren ein tolles Team, auch wenn wir Hunderte von Entscheidungen, auch schwierige Entscheidungen, treffen mussten“, bedankte sich Rauch. Zum Schluss räumte er mit einem „hart­näckigen Gerücht“ auf: „Der Stein, der aus dem Südportal ge­fallen ist und alles ins Rollen gebracht hat, ist tatsächlich von selbst heruntergefallen.“ Die Landsberger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Landsberg – Die Katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde von 1458 bis 1488 nach Plänen des zuvor in Bern und Ulm tätigen Meisters Matthäus Ensinger gebaut. Die Ausführung übernahmen Valentin Kindlin, Ul­rich Kiffhaber und Veit Maurer. Die dreischiffige, querhauslose Basilika mit Kapellenreihen zwischen den Pfeilern und einem eingezogenen, fünfseitig geschlossenen Chor ersetzte ein für das 12. Jahrhundert bezeugtes und später mehrfach erweitertes Got­teshaus. Äußerlich ist die spätgotische Kirche durch strenge Schlichtheit charakterisiert. Nach einer ersten Teilerneuerung der Ausstattung um 1600 gestalteten ab 1678 füh­rende bayerische Barockkünstler den Innenraum, unter ihnen die Stuckatoren Matthias Stiller und Dominikus Zimmermann, die Maler Johann Georg Bergmüller und Johann Baptist Bader, der Bildhauer Johann Luidl und vor allem Jörg Pfeifer, der 1680 mit dem monumentalen Hochaltar eines der bedeutendsten oberbayerischen Säulenretabel schuf. Bau und Ausstattung der Landsberger Stadtpfarrkirche gehören zu jenen in Bayern nicht seltenen Beispielen, bei denen Gotik und Barock durch harmonisches Miteinander zu einer spannungsreichen Einheit verwachsen. St. Mariä Himmelfahrt zeugt von ausgeprägtem Bürgerstolz, dafür sprechen nicht nur die stattlichen Dimensionen ihrer Architektur, sondern auch die qualitativ hochwertige Ausstattung, die einen repräsentativen Querschnitt durch die einheimische Kunstproduktion offeriert. In den vergangenen Jahren mussten Dachtragwerk und Gewölbeschale überholt, der Westgiebel rückverankert und die Dachdeckung über dem Haupt- und den Seitenschiffen erneuert werden. Die Stadtpfarrkirche Mariä Him­melfahrt ist eines von über 140 Projekten, die die vor 25 Jahren gegründete private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) in Bonn dank privater Spenden und Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte. Aus den Erträgnissen der GlücksSpirale werden jährlich bundesweit Projekte aus den Bereichen Wohlfahrt, Sport und Denkmalpflege mit rund 50 Millionen Euro gefördert. Im vergangenen Jahr beteiligte sich die DSD mit 75000 Euro an der Sanierung der Landsberger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. urs

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