Beide erhalten

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Der Bahnübergang an der Kreisstraße LL 17 bei Denklingen soll mit einer Sicherung ausgestattet werden.

Denklingen – Deutlich konträrer Auffassung sind die Gemeinde Denklingen und die Deutsche Bahn, was die beiden Gleisübergänge im Osten der Ortschaft betrifft. Die DB drängt auf ein Konzept. Das sieht im Wesentlichen vor, die Bahnübergänge in Höhe des Postweges und an der Kreisstraße LL 16 (Richtung Schongau bzw. Epfach) aufzulassen. Dafür soll der Übergang an der Kreisstraße LL 17 (Richtung Landsberg bzw. Firma Hirschvogel) mit einer technischen Sicherung ausgerüstet werden. Doch die Gemeinde setzt sich entschieden zur Wehr; sie will an beiden Kreisstraßen die Übergänge erhalten.

Aktueller Anlass für die Auseinandersetzung ist die Änderung des Flächennutzungsplanes, weil die Gemeinde Denklingen östlich der Bahnlinie ein 2,8 Hektar großes Gewerbegebiet ausweisen möchte. 49 sogenannte Träger öffentlicher Belange sind angeschrieben worden und haben sich geäußert. Dazu gehört auch die DB, genau gesagt der Bereich DB Immobilien.

In der letzten Gemeinderatssitzung ist der Beschluss öffentlich bekannt gemacht worden, dass sich die Kommune von einem Anwalt verwaltungsrechtliche Unterstützung holt. Zum einen geht es darum, dass im Hinblick auf den Einwand der Deutschen Bahn AG zur Änderung des Flächennutzungsplanes die Genehmigungsfähigkeit erlangt wird. Die zweite Zielrichtung ist, die Schließung eines Bahnüberganges zu vermeiden. Dies gilt auch mit Blick darauf, dass beim Erhalt des zweiten Überganges die Gemeinde Denklingen die Kosten tragen müsste.

Die Gemeinderäte haben nach einer Klausurtagung Anfang des Jahres einer Mandats- und Vergütungsvereinbarung zugestimmt. Beauftragt ist eine Rechtanwaltssozietät aus München. Der Beschluss, der gleich in der Sitzung nach der Klausurtagung gefasst wurde, erfolgte einstimmig. „Wir haben in Denklingen zwei wichtige Bahnübergänge, die ungesichert sind“, heißt es in der Vorlage zum Thema. Das ist an den Kreisstraßen LL 16 und LL 17. Daneben gibt es noch etliche Bahnübergänge an Feldwegen. Weil östlich der Bahnlinie und südlich des Epfacher Weges ein Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll und deswegen ein Verfahren zum Flächennutzungsplan notwendig ist, brachte die Deutsche Bahn den Einwand, den Übergang nahe der Planungsfläche (also an der Kreisstraße LL 16) zu schließen. Nur dann könne sie der 26. Änderung des Flächennutzungsplanes zustimmen.

In einem Gespräch mit der DB wurde seitens der Gemeinde dargelegt, dass der Bahnübergang an der LL 16 „noch wichtiger wäre“ als der Bahnübergang an der LL 17. Der Deutschen Bahn ist es egal, welcher der beiden Übergänge gesichert und welcher geschlossen wird. Die Kosten der Sicherung würde nicht die Gemeinde Denklingen treffen. Diese müssten sich die Deutsche Bahn, der Landkreis Landsberg als Straßenbaulastträger bzw. der Staat aufteilen. Eine Freigabe der Flächennutzungsplanung wegen des Gewerbegebietes kommt laut DB – so steht es in einer Vorlage für die Räte – nur dann infrage, wenn der zweite Bahnübergang geschlossen oder gesichert wird. Falls eine Sicherung gewünscht wird, muss die Gemeinde Denklingen die Kosten tragen. Diese werden auf 750.000 Euro veranschlagt.

Im einstimmigen Beschluss zur Stellungnahme von Anton Dippold, Referent bei der DB Netz AG in Augsburg, heißt es, dass die Gemeinde die beabsichtigte Schließung des Bahnübergangs an der Bahnhofstraße (LL 16) ablehne. Aus Sicht der Kommune sei sowohl dieser Bahnübergang als auch derjenige an der LL 17 zu erhalten. Beide Übergänge liegen „an wichtigen Verbindungsstraßen“ nach Osten, wo die B 17 verläuft. Die LL 16 Richtung Schongau und Epfach habe aufgrund des ausgebauten höhenfreien Anschlusses an die B 17 „eine hervorragende Verkehrsbedeutung“. Und die LL 17 verbinde den Hauptort Denklingen mit dem großen Betrieb des Unternehmens Hirschvogel. Davon unabhängig zu sehen sei die beabsichtigte Darstellung des Gewerbegebiets. Der Ausbauzustand der zwei Bahnübergänge stünde der beabsichtigten Änderung des Flächennutzungsplanes nicht entgegen.

Durch den beabsichtigten Ausbau eines relativ kleinen Gewerbegebiets werde der Verkehr an den beiden Bahnübergängen „allenfalls geringfügig zunehmen“, insbesondere an demjenigen an der LL 16. Eine Gefährdung des Straßen- oder Schienenverkehrs sei nicht zu erwarten. Bürgermeister Michael Kießling und die Gemeinderäte schlussfolgern, dass die Realisierung des Gewerbegebiets nicht vom Ausbau der Bahnübergänge abhängig sei. Und hoffen, dass sie mit dem neuen Gewerbegebiet sprichwörtlich zum Zug kommen. Auf der Bahnlinie Augsburg-Schongau, die im Osten Denklingens verläuft, sind Güterzüge unterwegs. Personenverkehr gibt es dort keinen.

Wenn an einem ungesicherten Bahnübergang die Frequenz bei mehr als 2.500 Fahrzeugen liegt, dann muss eine Begleitperson vor dem Gleis mit einem Leuchtband absichern, bevor sich der Güterzug nähert. Zwischen Landsberg und Schongau trifft dies auf den Übergang bei Asch (Staatsstraße), auf die Kreisstraße nach Leeder und mittlerweile auch auf die LL 17 (in Denklingen bei der Antoniuskapelle) zu.

Johannes Jais

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