Dialektforscher unterwegs

Auf Lautsuche in Apfeldorf

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Die Apfeldorfer Marianne Frühholz (links) und Hans Schmid (Mitte) sprachen für Dialektforscher Dr. Bernhard Stör (rechts) verschiedene Orts- und Flurnamen, die auf der Landkarte zu finden sind, auf Band.

Landkreis/Apfeldorf – Die Mundart soll bewahrt werden: Dies gilt auch für die Aussprache von ortsspezifischen Namen – denn denen widmet sich gerade ein Projekt, das ein Dialektforscher im Auftrag der Kommission für Bayerische Landesgeschichte an der Akademie der Wissenschaften in München durchführt.

Momentan ist Dr. Bernhard Stör, Dialektologe aus München, im gesamten Altlandkreis Schongau unterwegs. Er interviewt Mundartsprecher in verschiedenen Ortschaften – und will wissen, wie man die Namen von Dörfern, Städten, Weilern oder Fluren im örtlichen Dialekt ausspricht. Auch andere Plätze wie etwa Gewässer, Berge, Kapellen oder sonstige Punkte, die auf der Landkarte zu finden sind, sind von Interesse. 

Stör wird in ganz Südbayern die Dialektformen dieser Namen aufzeichnen und anschließend archivieren. Im Altlandkreis gehörte Apfeldorf zu den ersten Orten, die der Dialektforscher – ausgerüstet mit einem Haufen an Kartenmaterial und einem Aufnahmegerät – ansteuerte. Wie sprechen die Ortsansässigen zum Beispiel „Apfeldorf“, „Grubmühle“, „Rauhenlechsberg“ oder ihre Nachbarorte „Kinsau“ und „Birkland“ - oder „Birkland Aich“ aus? Oder wie sagen sie zum Kalvarienberg und zu der Ottilienkapelle in Rott? 

All dies wollte Stör genau wissen, als er bei Ortschronist Hans Schmid und Marianne Frühholz zu Besuch war. Die beiden Apfeldorfer sprachen für Stör eine ganze Reihe von Orts- und Flurnamen und andere Bezeichnungen in Mundart aufs Tonband. Dabei erfuhr Stör zum Beispiel: Der Lech ist bei den Apfeldorfern „d'r Leach“, zu Apfeldorfhausen sagt man „Hausa“ und zum Ammersee „Ammersea“. 

Der Dialektologe schrieb zusätzlich alles in phonetischer Lautschrift mit. Er notierte sich auf, dass die Apfeldorfer „auf Reichling numm“ fahren, aber „in d'Wies nei“, dass sie Hohenfurch „Hoachafurch“ nennen, den Engelsrieder See einfach „Seaheisle“ und den Rottbach „Roatbach“. Das Ziel der Aktion: Die mundartlichen Bezeichnungen sollen zukünftigen Generationen zugänglich gemacht und für die Nachwelt bewahrt werden. 

Aufgrund der seit Jahrzehnten voranschreitenden sprachlichen Vereinheitlichung im Freistaat, und weil zu befürchten sei, dass die Mundarten in jüngeren Generationen verklingen würden, hätten sich bereits in den Achtziger und Neunziger Jahren die an den bayerischen Universitäten angesiedelten Sprachatlasprojekte mit der Konservierung der Heimatdialekte befasst, erklärt Stör. Allerdings seien damals die mundartlichen Formen der Ortsnamen nur vereinzelt abgefragt worden, sodass das jetzige Projekt als dringend notwendige Ergänzung anzusehen sei, erläutert der Dialektforscher.

Manuela Schmid

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