"Die Oberliga ist für den EVL zu teuer!"

Für Joseph Keller gibt es keine Zukunft mehr beim EVL. Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung kündigte der für den Nachwuchs zuständige Vorstand seinen Rücktritt an und machte sich Gedanken über die Zeit nach dem EVL.

Morgen Abend sind Sie vermutlich nicht mehr EVL-Vorstand? Keller: „Das ist Fakt. Ich war bis Samstag vor einer Woche noch positiv gestimmt, was die Zukunft angeht. Dann hatten wir eine Sitzung mit Herrn Böttcher, bei der es eine Eskalation gab und klar wurde, dass wir völlig unterschiedliche Auffassungen haben. Zwischenmenschlich hat es schon seit Dezember nicht mehr gepasst, jetzt haben wir auch bei den Inhalten keine Übereinstimmung mehr.“ Wo liegen eigentlich die Differenzen genau? Geht es um die Finanzen? Keller: „Auch. Wenn ich mir unsere Unterlagen anschaue, muss ich den Mitgliedern klar sagen: Wir können uns die Oberliga nicht leisten, wir müssen in die Bayernliga und schauen, wie wir uns da konsolidieren. Hans-Jürgen Böttcher ist stattdessen noch zum DEB und BEV gegangen und versucht, unbedingt die Oberliga durchzusetzen. Ich kann doch nicht zum Einkaufen gehen, wenn ich kein Geld im Beutel habe. Er hat mir gesagt, dass man immer mit ,nichts‘ in die Saison starte, bis die Sponsorengelder kommen, aber so etwas mache ich nicht mit.“ Wie hoch schätzen Sie den aktuellen Finanzbedarf ein? Keller: „Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass man um die 200000 Euro vor der Saison braucht. Das mache ich ausdrücklich nicht nur an Hans-Jürgen Böttcher fest, das wurde über Jahre angehäuft. Aber es fehlt einfach die Transparenz. Dieses Manko wurde mir auch von vielen Leuten gesagt, die ich noch um Unterstützung gebeten hatte.“ Wie kann es überhaupt weitergehen, wenn ein großer Teil der Sponsorengelder für die nächsten zwei Jahre bereits ausgegeben ist? Keller: „Ich habe in die Verträge keinen Einblick. Aber wenn das so ist, bin ich froh, dass ich keinen einzigen Sponsorenvertrag unterschrieben habe.“ Hans-Jürgen Böttcher hatte für den Fall ihres Rücktritts das Aus für den Verein angekündigt. Wie gehen Sie damit um? Keller: „Ich muss jetzt einmal etwas klarstellen: Ich bin erst seit zwei Jahren in Landsberg und habe mich nur bereit erklärt, mich um den Nachwuchs zu kümmern. Ich bin jetzt schon viel tiefer reingerutscht als ich wollte. Ich arbeite jeden Tag von sieben bis fünf, danach bin ich in die Geschäftsstelle und habe notfalls noch in der Eishalle die Pucks zusammengeschoben. Meinem kleinen Sohn habe ich dann gerade noch ,Gute Nacht‘ gesagt und dann weitergearbeitet. Ich kann jetzt nicht noch zusätzliche Vorstandsarbeit für den EVL übernehmen, das geht einfach nicht.“ Im Fall einer Insolvenz – wie soll es dann mit dem Nachwuchs weitergehen? Keller: „Stefan Schindler, Markus Rohde und ich haben uns Gedanken darüber gemacht, wie man den Nachwuchs retten könnte. Mein Etat ist schon seit Monaten geschrieben.“ Würde das dann in Richtung Neugründung laufen oder Übernahme durch einen anderen Verein? Keller: „Eher eine Übernahme. Aber dazu muss man erst einmal die entsprechenden Gespräche führen und denen möchte ich jetzt auf keinen Fall vorgreifen.“

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