Das Maß war voll

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Seinem Charme konnte ein betrunkener Langfinger nicht widerstehen – Charlie Brown.

Penzing – Die „Entführung von Charlie Brown“ hat für einen 24-Jährigen aus Bad Wörishofen ernsthafte Konsequenzen: Denn der, nach eigener Ansicht, „blöde Gedanke“, eine Comicfigur aus dem Penzinger Kino zu entwenden, bringt den jungen Familienvater nun für vier Monate hinter Gitter. Denn ein unbescholtener Bürger ist er beileibe nicht – gleich doppelt hatte er zum Tatzeitpunkt unter Bewährung gestanden.

„Einen sauberen Rausch beieinander“, habe sein Spezl gehabt, stellte ein Zeuge vor dem Landsberger Strafgericht dar. Auch alle anderen Bekannten bestätigten die Aussage des Angeklagten, er habe im Oktober vergangenen Jahres während eines Film-Marathons im Penzinger Kino, „13, 14, 15 Bier“ intus gehabt.

Derart alkoholisiert nutzte der 24-Jährige eine Toilettenpause, um unbemerkt eine ungefähr 300 bis 400 Euro teure Aufstellerfigur von Charlie Brown im Kofferraum des Autos seiner Freundin zu verstauen. Am nächsten Tag habe er seinen Fehltritt direkt eingesehen. Den festen Vorsatz, das Diebesgut zurückzubringen, setzte er dann aber nicht in die Tat um.

Das übernahm sechs Wochen später die Polizei, die mit einem Durchsuchungsbefehl an der Wohnungstür läutete und zum, im Kinderzimmer einquartierten, Charlie geführt wurde. Die Spur des Familienvaters hatte der Kinobetreiber mittels Überwachungsvideos und Recherche auf Facebook selbst aufgenommen. Dass der Bad Wörishofener sich geständig und geläutert gab, auf seine laufende Umschulung sowie seine kleine Tochter verwies, brachte ihm bei Richter Andreas Niedermeier nur wenige Pluspunkte ein.

Denn abzustreiten gab es angesichts der Beweislage nichts und auch die Sozialprognose bewertete der Richter nicht als positiv: „Neu ist eigentlich nur ihre Umschulung. Ihre Beziehung und ihre Tochter hatten sie auch schon bei ihren letzten Fehltritten. Abgehalten von ihrer spontanen und dämlichen Idee hat sie das aber auch nicht“, argumentierte Niedermeier. Denn schon viermal zuvor war der Mann verurteilt worden: Zwei Drogendelikte, Körperverletzung und Betrug hatten sich in seiner Akte angesammelt, zum Tatzeitpunkt liefen noch zwei Bewährungen. Eine dritte sei damit kaum mehr vertretbar, befand der Richter. „Das gibt‘s einfach nicht her.“ Auch der hohe Alkoholpegel zum Tatzeitpunkt wirkte sich nur geringfügig strafmildernd aus. Als Urteil setzte es eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung, Staatsanwältin Julia Scholz hatte auf fünf Monate plädiert.

Rasso Schorer

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