Nachbarn protestieren:

"Demokratische Schule" am Ammersee?

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Umgeben von Wiesen und Weiden, aber auch angrenzend an ein Wohngebiet: In diesem Bauernhof am südlichen Ortsrand von Dettenhofen möchte der Sudbury-Verein eine demokratische Schule eröffnen.

Dießen/Dettenhofen – Ein Antrag des Vereins Sudbury München sorgte in der jüngsten Bauausschusssitzung für volle Zuschauerränge im Sitzungssaal: Ein ehemaliger Bauernhof am Pointlfeld 4 im Ortsteil Dettenhofen soll umgebaut und als Sudbury-Schule genutzt werden.

Eine Entscheidung fiel in der Sitzung noch nicht. Vorab sollen unter anderem Belange des Denkmalschutzes und der Erschließung geprüft und ein Schulkonzept vorgelegt werden.

Anwohner des Pointlfeldes hatten schon im Vorfeld Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Sie befürchten intensiven Bring- und Holverkehr und möglicherweise auch einen späteren Erweiterungsbau. Bislang ist südliche des rund 310 Quadratmeter großen Gebäudes lediglich ein Pausenhof vorgesehen, die restliche Grundstücksfläche soll Wiese und Koppel bleiben. Im Erdgeschoss sind eine Aula und ein Essraum geplant. Im Ober- und im Dachgeschoss sollen Gruppenräumen entstehen, um das Lernen in altersgemischten Gruppen zu ermöglichen.

Grundsätzlich ähneln Sudbury-Schulen eher dem Lebensumfeld einer Großfamilie als einer gängigen Schule. Von acht bis 17 Uhr soll die Schule geöffnet sein. Zur Schülerbeförderung möchte man auf den Ortsbus und auf Shuttlebusse zurückgreifen. Nach Angaben von Sprecherin Monika Wernz soll die Zahl von 90 Schülern nicht überschritten werden. Rund 20 Familien, so Wernz, planten bereits einen Umzug an den Ammersee. Außerdem gebe es laut Sprecherin Nachfragen aus Landsberg und Utting. Ein Erweiterungsbau sei nicht vorgesehen. Wernz bedauerte, dass seitens des Vereins versäumt worden sei, die Nachbarn vor der Sitzung zu informieren. „So hätten Fehlinformationen vermieden werden können“.

Nach Auffassung des Bauamtes wäre eine Schule an diesem Standort, der im Flächennutzungsplan als Dorfgebiet dargestellt ist, grundsätzlich zulässig. Für die geplante Schülerzahl reiche der Hof allerdings nicht aus, gab dagegen Franz Sanktjohanser (OK) zu bedenken. Petra Sander (Grüne) forderte darüber hinaus ein Raumkonzept mit Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Erich Schöpflin (SPD) stellte die Frage, ob ein 400-Seelen-Dorf so viele Schüler vertrage, während sich Franz Kubat (Dießener Bürger), ebenso wie das Bauamt, an den geplanten Schleppgauben auf der Nord- und Südseite störte, die mit einer Länge von elf beziehungsweise 14 Metern den Charakter des Anwesens grundsätzlich verändern würden. Er schlug dem Verein einen anderen Standort vor: Das Bayerische Rote Kreuz plane die Schließung des Therapiezentrums im Ortsteil Bischofsried. „Diese Lage wäre bestimmt geeigneter.“

Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger) regte schließlich an, das Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung erneut zu behandeln. Bis dahin, so das Gemeindeoberhaupt, bleibe Zeit, immissions-und brandschutzrechliche Fragen zu klären und die Gewährleistung der Schulbaurichtlinien zu prüfen. Den potentiellen Schulgründern empfahl er, derweil das Gespräch mit der Nachbarschaft zu suchen.


Demokratie von Klein auf

In weltweit etwa 40 Schulen lernen Kinder nach dem Prinzip Sudbury – angelehnt an die Sudbury Valley School, die 1968 im US-Bundesstaat Massachusetts gegründet wurde. Bei den regelmäßig stattfindenden Schulversammlungen haben alle Teilnehmer gleiches Stimmrecht, unabhängig von Alter und Position.

Schulabschlüsse werden nicht vergeben, allerdings wird den Schülern Unterstützung für die Qualifikation zum Haupt- oder Realschulabschluss sowie zum Abitur angeboten. Die Prüfungen werden an staatlichen Schulen abgelegt. Seit acht Jahren engagieren sich die rund 60 Vereinsmitglieder für die Genehmigung einer Schule in München oder Umgebung – finanziert durch Spenden, Sponsoren oder Stiftungen und Beiträge.

Ursula Nagl

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