Ausgemustert aber brauchbar:

Löschfahrzeug den Einsatz im Orient

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Abendliche Fahrzeugübergabe am Gruberberg: Feuerwehrkommandant Thomas Steigenberger (links) und Bürgermeister Herbert Kirsch (rechts) überreichten Orienthelfer Hans Haslberger Schlüssel- und Fahrzeugpapiere des TLF 16/25.

Dießen – Es war kein finsterer Fahrzeugdeal, der am Freitagabend nach Sonnenuntergang im Dießener Bauhof am Gruberberg über die Bühne ging, sondern eine gute Tat: Bereits zum zweiten Mal stiftete eine Feuerwehr der Marktgemeinde ein ausgemustertes, aber immer noch gut erhaltenes Fahrzeug an die Orienthelfer (www.orienthelfer.de), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, hilfsbedürftige Opfer von Gewalt und Vertreibung im Nahen Osten zu unterstützen.

Gegründet wurde Orienthelfer e.V. 2012 vom Münchner Kabarettisten Christian „Fonsi“ Springer. Ein wichtiger Aspekt der gemeinnützigen Vereinsarbeit ist die humanitäre Unterstützung der Opfer des Syrienkonfliktes. Dazu gehört auch die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in den Nachbarländern Syriens, in denen viele Bürgerkriegsflüchtlinge Schutz suchen. Dort, und im Bürgerkriegsgebiet selbst sind mittlerweile zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge aus Bayern im Einsatz, um deren Akquise und Transport sich Hans Haslberger aus Gauting kümmert. Er gehört seit 35 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr Gauting an. „Doch in unsrer globalen Welt muss Engagement über den Gartenzaun hinaus gehen“, meint er als Feuerwehrbeauftragter der Orienthelfer. Deshalb kam Haslberger am Freitag nach Dießen, um das gut erhaltene Tanklöschfahrzeug, das die Feuerwehr St. Georgen zum Jahresbeginn ausgemustert und durch ein LF 20/20 ersetzt hatte, abzuholen.

28 Jahre war das TLF 16/25 im Einsatz – 17 Jahre bei der Dießen Wehr und weitere elf Jahre bei der Feuerwehr im Ortsteil St. Georgen. Den Geldwert des Fahrzeugs taxieren Bürgermeister Herbert Kirsch und Feuerwehrkommandant Thomas Steigenberger im „mittleren vierstelligen Bereich“.

Nach der Übergabe von Schlüssel und Fahrzeugpapieren startete das TLF 16/25 am Freitagabend in einen neuen, bewegten „Lebensabschnitt“, der nun in der Bayernkaserne in München beginnt. Dort wird das Fahrzeug von den Orienthelfern mit allen notwendigen Komponenten des feuerwehrtechnischen Aufbaus, vom Wasserschlauch bis zur Rettungsausrüstung, aufgerüstet. Dann soll die weite und nicht ungefährliche Reise auf Tieflader und Frachtschiff in den Nahen Osten beginnen.

Schnell abgebrannt

Denkbare Einsatz­orte gibt es in den Randstaaten des Bürgerkriegslandes, im Libanon, in Jordanien oder im Irak, wo viele Flüchtlinge in großen Lagern leben. „Die Infrastruktur dieser Länder ist durch das hohe Flüchtlingsaufkommen gnadenlos überfordert. Hier wollen wir unterstützen, mit Feuerwehrfahrzeugen, mit Müllfahrzeugen und Feldküchen“, sagt Haslberger. In Flüchtlingslagern, wie im Wadi Khaled, im Norden des bergigen Libanon, werde häufig mit Kerosin geheizt. „Da ist schnell mal eine Zeltstraße abgebrannt und die nächste Feuerwehrstation drei bis vier Fahrstunden entfernt“. Da die Lösch­wasserversorgung im Nahen Osten häufig nicht gewährleistet ist, sind Fahrzeuge wie das TLF 16/25 mit einem großen Wassertank besonders wertvoll.

An seinem neuen Einsatzort, vermutet Haslberger, werde das Tanklöschfahrzeug aus St. Georgen vermutlich in einer wesentlich kürzeren Zeit mehr Einsätze fahren, als in den 28 Jahren zuvor. Allerdings sei die Nutzungszeit der Fahrzeuge in den Krisengebieten häufig nicht sehr lang. „Auf den schlechten Straßen holt man sich schnell mal einen Achsenbruch“.

Ein Durchkommen bis ins Landesinnere von Syrien sei für Hilfsorganisationen mittlerweile fast nicht mehr möglich, berichtete Haslberger. So müsse zum Beispiel für die Anreise durch die Türkei bei der Grenzbehörde vor Ort eine Kaution von 25.000 Euro hinterlegt werden. „Der Geld-Zurück-Garantie trauen wir nicht wirklich. Ganz abgesehen von den Gefahren, die eine Überführung direkt ins Krisengebiet mit sich bringt“, so Haslberger.

Er selbst war bereits mehrfach im Irak oder im Libanon, um dort freiwillige Feuerwehr-Einheiten auszubilden. Der Kollege des TLF 16/25 aus St. Georgen, das LF 16, das die Feuerwehr Dießen bereits 2014 spendete, ist mittlerweile in der libanesischen Stadt Arasal im Einsatz, wo neben 20.000 Einwohnern rund 100.000 syrische Flüchtlinge leben.

„Die Einsatzorte der Feuerwehrfahrzeuge überlassen wir nicht dem Zufall, “ betont Haslberger. Sie werden mit vertrauenswürdigen Mittelsmännern und humanitären Partnerorganisationen vor Ort genau abgestimmt. Nachvollziehen kann man den Einsatz der Feuerwehrfahrzeuge auch auf Hasl­bergers Facebook-Seite.

Ursula Nagl

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