Medaille für Rio

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Dr. Gertrude Krombholz mit der Kugelstoßerin Birgit Kober vor der Verleihung der Goldmedaille in Rio.

Dießen – Wenn Dr. Gertrude Krombholz von den Paralympics 2016 erzählt, strahlt sie wie die Sonne über Rio. Auf Einladung des International Paralympic Comittee überreichte die 83-Jährige 2016 bei 14 Siegerehrungen 33 Medaillen, darunter vier Goldmedaillen an deutsche Sportler. Das olympische Fieber hat Gertrude Krombholz bereits als junge Frau, im Jahr 1972 in München gepackt, wo sie erstmals als Gruppen-Chefhostess im Einsatz war.

Auch heuer ist Gertrude Kromb­holz mit mehr als 800 Fotos und unvergesslichen Eindrücken von den Paralympics zurückgekehrt. „In Rio habe ich meine zehnten paralympischen Spiele erlebt. Und zum siebenten Mal habe ich Medaillen, Blumen und Maskottchen überreicht. Es ist immer wieder ein riesiges Erlebnis, in die Wettkampfatmosphäre einzutauchen, verschiedene Stadien und Wettkämpfer kennenzulernen“. Bereits 2002 wurde Gertrude Krombholz für ihre Verdienste um den Behindertensport mit dem Paralympischen Orden geehrt. „Den haben in der Bundesrepublik insgesamt nur fünf Personen“, erzählt sie.

Tief beeindruckt zeigte sich die sportbegeisterte Seniorin von der „Freundlichkeit und Herzlichkeit der Cariocas“, wie die Bewohner von Rio genannt werden, und von deren Verlässlichkeit: „Wettkämpfe und Siegerehrungen waren perfekt organisiert“.

Zu den besonderen Momenten der Paralympics in Rio gehörten für die promovierte Sport- und Tanzpädagogin auch die Siegerehrungen der deutschen Athleten Daniel Scheil (Kugelstoßen), Franzika Liebhardt (Kugelstoßen), Heinrich Popow (Weitsprung) und Birgit Kober (Kugelstoßen), an die sie Goldmedaillen vergeben durfte. „Birgit Kober hat den Paralympischen Rekord und den Weltrekord gestoßen und sie ist eine Freundin aus meiner Münchner Zeit. Durch meine jahrzehntelange Tätigkeit für Olympia habe ich Freunde rund um die Welt. Es ist etwas Wunderschönes sie bei den Spielen zu treffen“, schwärmt Krombholz. Zu diesen Freunden gehört auch das Ehepaar Joao Batista Carvalho e Silvia, ehemaliger Präsident des National Paralympic Committee Brasilien mit seiner Frau Tania Rodriges, Ärztin und Stadträtin in Niteroi/ Rio. Die Beiden führten in Niteroi das Rehabilitationszentrums Andef. Auch dort etablierte Krombholz 1993 eine sportliche Disziplin, die sie bekannt machte, den Rollstuhltanz. „Schon damals war Niteroi sehr behindertengerecht. Daran könnte sich manch deutscher Ort bis heute ein Beispiel nehmen“, meint Krombholz.

Mit dem Behindertensport kam sie erstmals 1973 in Berührung. Sie hatte den Auftrag, zum Abschied von Rudi Sedlmayer als Präsident des Bayerischen Landessportverbands eine große Choreographie in der Münchner Rudi-Sedlmayer-Halle mit 1.000 Sportlern aus 21 Sportarten auszuarbeiten. Zu den Teilnehmern gehörten auch 16 Basketballspieler im Rollstuhl. Gemeinsam mit dem BR-Redakteur Günther Wolfbauer hatte Krombholz die Idee, die Rollstuhlfahrer tanzen zu lassen. Eine Idee, die um die Welt ging.

Gertrude Krombholz blickt gern zurück auf ihr Leben, das sie dem Sport gewidmet hat – ob als Leiterin der Sportlehrerausbildung an der TU München, ob als Chefhostess und Mit­choreografin der olympischen Eröffnungs- und Schlussfeiern von 1972, 1976 und 1980, ob als Begründerin des Rollstuhltanzes oder der Münchner Morikentänzer. Seit einigen Jahren lebt Gertrude Krombholz im Augustinum Ammersee in Dießen.

„Ob ich die Paralympischen Spiele 2020 nochmals live erleben werde überlasse ich dem Herrgott“, sagt sie und lacht fröhlich. „Schließlich soll man immer dann aufhören, wenn es am Schönsten ist, und Rio war für mich etwas ganz Besonderes“.

Ursula Nagl

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