Alles Spinnerei?

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Gefährden diese Plakate die Verkehrssicherheit? Wenn es nach Dr. Dieter Trautmann geht, ja.

Landsberg – „Jeder kann mitsprechen, Spinnen polarisieren.“ Andreas Létang, Pressesprecher Landsbergs, versucht zu erklären, wieso Werbeflächen im Stadtgebiet in der vergangenen Woche für unerwartet großen Medienrummel sorgten. Ein Diplom-Psychologe hatte angedroht, die Stadt und den Veranstalter einer Spinnen-Ausstellung zu verklagen. Grund war die Darstellung der Insekten auf mehreren Plakaten.

Bekannte Zeitungen, Radio- und TV-Sender geben sich derzeit regelrecht die Klinke in die Hand, um ein Statement von Sergio Neigert zu erhaschen. Denn der Feuchtwangener hatte die Plakate aufgestellt. Auf den Rummel habe er es nicht abgesehen gehabt: „Seit fast fünf Jahren hänge ich diese Plakate auf“, sagt er. Nun tat er das zum ersten Mal in Landsberg – und sah sich kurz darauf der Androhung einer Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung und unberechtigter Ausübung von Heilkunde gegenüber.

Denn auf den Plakaten wirbt Neigert für seine Spinnen- und Insektenausstellung, die am Sonntag im Sportzentrum gastiert. Zu diesem Zweck prangen auch Darstellungen der Krabbler auf den Werbeflächen – der Stein des Anstoßes. Denn Dr. Dieter Trautmann, Diplompsychologe und langjähriger Oberarzt der Psychosomatischen Klinik in Windach, erhebt schwere Vorwürfe: Für Spinnenphobiker sei diese Art der unfreiwilligen Konfrontation mit den Tieren kaum zu ertragen. In einem Schreiben teilt er mit: „Ich hatte allein in der letzten Woche sechs Patienten, die sich von den Plakaten massiv beeinträchtigt fühlen, eine Patientin verlässt seit der Plakatierung ihre Wohnung überhaupt nicht mehr, eine andere fährt seither nicht mehr in Landsberg Auto, weil sie sich und andere nicht gefährden will.“ Der Tatbestand der Körperverletzung sei erfüllt, weil die Plakatierung einer ungewollten Konfrontationstherapie gleichkomme. Neigert könne ferner nicht die geringste Qualifikation nachweisen.

„Ich gebe nicht vor, ein Doktor zu sein“, entgegnet dieser. Doch habe er bereits mehreren hundert Phobikern mit seinem Angebot helfen können. Die Plakate als medizinische Maßnahme zu betrachten, hält er für „Schwachsinn“.

„Was inhaltlich auf ein Plakat darf und was nicht, muss ein Richter entscheiden“, kommentiert derweil Andreas Létang. Er ist Pressesprecher der Stadt Landsberg, die Dr. Trautmann ebenfalls, nämlich wegen Gefährdung der Verkehrssicherheit und Körperverletzung, anzuzeigen droht. „Die Plakate entsprechen der Außenwerbesatzung“, erklärt Létang. „Sie verstoßen nicht gegen Gesetze oder die guten Sitten.“ Das Feld der Phobien sei für entsprechende Regelungen zu breit. Er persönlich denke dabei an Clowns oder Roboter, die ebenfalls auf Plakaten auftauchten, bisher aber für keinen entsprechenden Wirbel gesorgt hätten.

Abgesehen vom Unverständnis über die Vorwürfe, hat sich Aussteller Neigert mittlerweile mehr als nur mit der unverhofften Aufmerksamkeit arrangiert. „Eigentlich kann ich mich nur für die Hammer-Werbung bedanken. Ich sehe das Ganze mittlerweile mit gleich zwei lachenden Augen.“

Rasso Schorer

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