Déjà-vu-Erlebnis an der Realschule

Dass die neue Realschule in Kaufering jetzt von 144 angemeldeten Fünftklässlern 48 abweisen musste, ist besonders für die Geltendorfer bitter. Zum einen hatte sich die Gemeinde seinerzeit selbst als Standort für die Realschule be­worben, war bei der Auswahl aber durchgefallen; zum anderen wiederholt sich nun die Erfahrung, die die Geltendorfer bereits mit dem Ammersee-Gymnasium gemacht haben. Manche Familien haben ein regelrechtes Déja-vu-Erlebnis.

„Wir wollten unseren älteren Sohn vor drei Jahren am Am­mer­see-Gymnasium einschreiben und wurden wegen zu hoher Anmeldezahlen abgewie­sen“, erzählt die zweifache Mutter Birgit Voss. Jetzt erlebt ihr jüngerer Sohn dasselbe in Grün. Ein lapidarer Formbrief informierte die Familie darüber, dass die Realschule in Kaufering wegen zu großen Andrangs Kinder aus etlichen Gemeinden des geplanten Einzugsgebiets nun doch nicht berücksichtigen könne, darunter Geltendorf. Was Birgit Voss besonders ärgert: „Dieses Schreiben kam fünf Wochen nach dem Anmeldetermin. Im Falle des Ammersee-Gymnasiums wussten wir wenigstens schon nach drei Tagen Bescheid.“ "Ein Albtraum" Gemeinsam mit sechs weiteren Betroffenen schrieb sie einen empörten Brief an Landrat Walter Eichner (CSU). „Herzlichen Glückwunsch zur neuerlichen, wiederum ,geglückten’ Bedarfsplanung“, heißt es darin. „Ein Albtraum.“ Aufgrund der späten Information bestünde für die betroffenen Kinder nun keine echte Alternative mehr zur Johann-Winklhofer-Real­schule, da die offiziellen Anmeldefristen für die Mädchenrealschule in Dießen und die Kna­benrealschule in Schondorf bereits abgelaufen sind. „Geben Sie allen Gemeinden des nördlichen Landkreises die Möglichkeit, an der neuen Schule teilzuhaben“, fordern die Eltern den Landrat auf. „Diese haben schließlich vor wenigen Jahren aufgrund der Lage der Realschule im Landkreis für den Standort Kaufering gestimmt sowie bezahlt – und jetzt gehen sie (wieder) leer aus.“ Rektor Peter Adam bedauert die Absagen selbst sehr, sieht aber keine Alternative. Die neue Realschule ist dreizügig geplant. „Ich verstehe, dass die Eltern enttäuscht sind. Aber wenn wir jetzt zusätzliche fünfte Klassen aufnehmen, würde das die Schule innerhalb weniger Jahre ins Chaos führen, denn spätestens im übernächsten Jahr würden vier Klassenzimmer fehlen.“ Mit dem starken Anstieg der Anmeldezahlen sei nicht zu rechnen gewesen, ebensowenig wie mit dem ungewöhnlich leichten Probeunterricht, den in diesem Jahr doppelt so viele Kinder bestanden wie sonst. Die späte Information der Eltern begründet Adam damit, dass man die Ergebnisse des Probeunterrichts habe abwarten müssen. Enttäuscht ist auch der Geltendorfer Bürgermeister Wilhelm Lehmann. „Die Situation ist für uns unbefriedigend. Wir werden wieder ausgesperrt.“ Er hat den betroffenen Familien seine Unterstützung zugesagt, damit die Kinder vielleicht doch noch in Dießen beziehungsweise Schondorf aufgenommen werden. 30 Prozent mehr Anmeldungen Landkreis – Die Veränderungen in der Schul­landschaft, G8 und Mittelschule, sorgen auch im Landkreis Landsberg für ein gewisses Maß an Verunsicherung bei Eltern wie Schüler. Und sind nach Ansicht des Landrates einer der Gründe für den Ansturm auf die hiesigen Realschulen: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich heuer 30 Prozent mehr Buben und Mädchen eingeschrieben. Angesichtes der Debatte um die Abweisung von 49 Anmeldungen an der neuen Realschule in Kaufering legte Landrat Walter Eichner (CSU) im Kreisausschuss die aktuellen Zahlen vor. Danach wollen ab September weitere 392 Kinder eine der drei Realschulen unter dem Dach des Landkreises besuchen – in 13 Eingangsklassen. Im Jahr zuvor waren es 293 in elf Klassen. Im Gegensatz dazu gehen Einschreibungen für die drei Gymnasien zu­- rück: Den 430 Kindern in 14 Klassen stehen 481 (16) im vergangenen Jahr gegen­über. Für Eichner ist diese Situation ein klares Indiz dafür, dass „die neue Mittelschule nicht wei­ter­hilft“ und Eltern wie Schüler „Angst vor dem G8“ haben. Wie sonst sei es etwa zu erklä­ren, wenn Kinder mit teils sehr guten Notenschnitten – in einem Fall 1,6 – lieber die Realschule besuchen wollen. Landrat Eichner wehrte sich unmiss­- verständlich gegen den Vorwurf aus der Elternschaft, die Verwaltung habe die Situation falsch eingeschätzt. Fast dramatisch ist die Situation an der Johann-Winklhofer-Realschule: 188 Neulinge sind es in diesem Jahr, 101 waren es in 2009. Noch sind sechs Eingangsklassen geplant, eventuell werden es sieben sein. oni

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