Zwischen Schutzgebiet und Biotop

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Unterhalb der Dornstettener Kirche soll rechts der Straße Bauland entstehen.

Dornstetten – Es handelt sich um ein sensibles Gebiet: Im Osten des Unterdießener Ortsteils Dornstetten soll nahe des Lechs eine bisher landwirtschaftlich genutzte Wiese zu Wohngebiet werden. Auf Flächen, welche die Gemeinde im vergangenen Jahr gekauft hat, sollen 21 Grundstücke ausgewiesen werden. Und das auf einer Lech-Terrasse zwischen einem Landschaftsschutzgebiet und einem Biotop.

Das Landratsamt Landsberg hat eine artenschutzrechtliche Prüfung verlangt. Diese ist bereits durch ein Büro aus Augsburg vorgenommen worden. Die Gemeinderäte haben auf der Sitzung im August die Auftragsvergabe im Nachhinein bewilligt. Zudem ist eine Vermessung notwendig.

Warum ein Baugebiet in diesem sensiblen Gebiet? Hintergrund ist, dass die Nachfrage nach Bauplätzen in der Gemeinde Unterdießen mit den Ortsteilen Dornstetten, Ober- und Unterdießen größer ist als das Angebot. Wie Gerhard Schmid, der Geschäftsleiter bei der VG Fuchstal, im Gespräch mit dem KREISBOTEN erläutert, habe die Gemeinde das Areal letztes Jahr erwerben können.

Stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Luise Raffalt – sie leitete in Vertretung des erkrankten Rathauschefs Alexander Enthofer die jüngste Sitzung – verdeutlichte im Gemeinderat, dass die Grundstücke vorwiegend für heimische Bewerber gedacht seien. Mit heimisch seien auch Interessenten aus Unter- und Oberdießen gemeint. Die Parzellen würden in den nächsten Jahren bebaut und das könne sich laut Schmid über mindestens fünf Jahre erstrecken. Dornstetten selbst hat aktuell nur 100 Einwohner. Wenn man je Haus drei Bewohner rechnet, können gut 60 Erwachsene und Kinder dazu kommen.

Bisher führt die Straße „Am Lech“ auf der Terrasse unterhalb der Kirche zu zehn Häusern im Norden der Ortschaft. Die Wiese im Süden davor, die bis zur St. Gangwolf-Straße nach Seestall reicht, ist noch unbebaut. Eine Besonderheit wird sein: Das neue Wohngebiet schließt nicht direkt an die bestehende Bebauung an, sondern es verbleibt dazwischen ein Grüngürtel. Nach Information unserer Redaktion konnte die Gemeinde diesen Streifen nicht erwerben. Im Zuge des neuen Baugebiets mit Einfamilien und Doppelhäusern erhält die Straße „Am Lech“ einen neuen Verlauf. Vorgesehen ist in der Mitte ein Ring, um die Grundstücke zu erschließen.

Die Gemeinderäte befassten sich in der Sitzung nur kurz mit grundsätzlichen Aspekten wie etwa dem Naturschutz. Und selbst da ging es um viele Details. So müssen auf Anraten eines Vogelschutzexperten fünf Nistkästen für Höhlenbrüter und fünf Nistkästen für Fledermäuse aufgestellt werden. Ob diese auf privaten Grundstücken oder auf Flächen der Gemeinde stehen, ist egal.

Wesentlich mehr Zeit nahmen Fragen zur Dachgestaltung und zur Höhe des Kniestocks in Anspruch – als Geschäftsführer Werner Dehm und Sabrina Kaeschner vom Büro OPLA aus Augsburg (Bürogemeinschaft für Ortsplanung und Stadtentwicklung) den Entwurf vorstellten. Die Ratsmitglieder fassten den Beschluss, dass die maximale Wandhöhe bei Erd- und Dachgeschoss von den vorgeschlagenen 3,80 auf 4,50 Meter erhöht wird. Diese Bauweise solle ebenso möglich sein wie eine höhere zweigeschossige Ausführung; dabei folgten die Räte einer Empfehlung von OPLA-Geschäftsführer Dehm.

Grundsätzlich sind Satteldächer vorgesehen. Pultdächer sind nur dann erlaubt, wenn sie versetzt angeordnet werden, indem etwa die abfallende Nordseite etwas niedriger ist als die Südseite. Bei der Eindeckung soll neben den Farben rot und braun auch anthrazit möglich sein. Raffalt verdeutlichte, dass sich die Baukörper in Gestalt und Farbe in die Landschaft einfügen müssen.

Einstimmig billigten die Gemeinderäte den Vorentwurf, der die mittlerweile achte Änderung des Flächennutzungsplanes für die Gemeinde Unterdießen zur Folge hat. Einher geht damit auch das Aufstellen des Bebauungsplanes für das Gebiet „Am Lech“. Der nächste Schritt ist, dass die Öffentlichkeit ebenso wie Behörden zu dem Vorhaben frühzeitig unterrichtet wird. Dann können auch jene zwei Anlieger aus Dornstetten, die sich in der Gemeinderatssitzung zu Wort melden wollten, aber mit Hinweis auf die Geschäftsordnung kein Rederecht bekamen, ihre Bedenken und Einwände vorbringen.

Johannes Jais

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