Drei Freunde vor Gericht – "Ausfallendes Benehmen" mit Bewährungsstrafen belegt

Drei junge Männer haben auf der Anklagebank vor dem Jugendschöffengericht gesessen und alle drei sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Richter Alexander Kessler verhängte jeweils Bewährungsstrafen für die Vorfälle im Januar am Iglinger Sommerkeller und auf der Polizei in Landsberg. Dort waren schlimme Worte gefallen und ein Kellerfenster zu Bruch.

Eine humorvolle Erklärung hatte Rechtsanwalt Peter Amend, der Verteidiger des jüngsten, 21-jährigen Angeklagten, für das was beim Sommerkeller passiert war: „Schuld ist das bayerische Rauchergesetz.“ Betrunken, bei jedem etwa zwei Promille im Blut, waren die Drei mit Türstehern in Streit geraten. Den Antrag auf einen Raucherausweis hatte der 21-Jäh­rige aus Landsberg nicht ausfüllen wollen. Schließlich riefen sie sogar selbst die Polizei. Doch gegenüber dieser wurde der Jüngste ausfallend: „Arschloch“ war da das schwächste Wort. Staatsanwältin Cornelia Böttcher hatte in der Anklageschrift noch Schlimmeres verlesen müssen. Zur Beleidigung kam Widerstand gegen die Polizei dazu, als sich der junge Mann weigerte, sich festnehmen zu lassen. Daraufhin verlor auch sein 24-jähriger Bruder die Beherrschung, gebrauchte die selben Schimpfwörter. Sie wurden zur Polizeiinspektion gebracht. Der Dritte, 27 Jahre alt, tauchte schließlich dort auf und trat aus Wut ein Kellerfenster ein. Auf Sachbeschädigung lautete seine Anklage. Nicht nur die Anklagebank hatten die Drei gemeinsam – sie teilen auch den Beruf: Gebäudereiniger. Eintragungen im Vor­strafenregister sind weitere Gemeinsamkeiten. Lange beschäftigte sich Kessler mit dem Jüngsten, der zurzeit noch eine Bewährungsstrafe laufen hat, die Kessler selbst im September vergangenen Jahres verhängt hatte. Pädagogisch wirkte er auf ihn ein: „Sie müssen sich zu­­rückhalten!“ Das Gutachten der Jugendgerichtshilfe und der Bewährungshilfe bescheinigte eine sehr gute Entwicklung. Kess­ler würdigte, dass er seine Auf­- lagen so zufrieden stellend erfüllt habe. Auch die Stelle als Gebäudereiniger sprach für den 21-Jährigen, der zuvor seine Zeit mit Nichtstun verbrachte. Staats­anwältin Böttcher befürwortete eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht. Mit einer Bewährungsstrafe von vier Monaten folgte der Richter dem Vorschlag der Staatsanwältin. Zusammen mit der vorherigen Strafe hat der 21-Jährige nun zehn Monate Bewährungszeit. Dazu kommt gemeinnützige Arbeit. 80 Stunden sind abzuleisten. Vier Monate bewähren muss sich sein Bruder. Für das kaputte Fenster erwarten den Ältesten drei Monate Bewäh­rung und eine Geldauflage. Mit Alkohol und Gewaltbereitschaft benannte Kessler die Probleme der jungen Männer: „Wer nachts alkoholisiert herumläuft, muss damit rechnen, dass es zu solchen Vorfällen kommt!“ Der Richter schloss die Urteilsverkündung mit den Worten: „Ich hoffe, dass sie es kapiert haben und dass die Entschuldigungen nicht nur Lippenbekenntnisse waren.“

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