Die Situation ist nicht entschärft

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Das ist die Unterkunft im alten Pfarrhof in Denklingen, wo zurzeit Syrer und Iraner unter einem Dach leben. Vorne Hannes Stevens, Gabi Feldmeir und Markus Schwaiger vom Helferkreis.

Denklingen – Dass die Unterkunft im alten Pfarrhof seit der Aufnahme von sechs Iranern überbelegt sei, dass einige Asylbewerber inzwischen anerkannt seien, dass bei einem Syrer im Mai die Frau mit drei Kindern nachziehe und dass in der Gemeinde dringend Wohnraum gesucht werde: Darum ging es im Wesentlichen, als Hannes Stevens vom Helferkreis neulich über die Situation in Denklingen berichtete.

Dessen Vortrag im Gemeinderat war schon geplant, bevor es Anfang April zu einer Auseinandersetzung in der Unterkunft zwischen den seit Anfang 2015 dort einquartierten Syrern und zwischen den erst am 14. März zugewiesenen sechs Iranern kam. Die Iraner sind alle in einem Zimmer im Erdgeschoss untergebracht, das zuvor als Gemeinschaftsraum für die 17 Syrer diente.

Bei dem Streit am 2. April zwischen zwei alkoholisierten Syrern und Iranern wurden zwei Personen verletzt. Ein Flüchtling erlitt schwere Schnittverletzungen, als er durch die Glastür ins Wohnzimmer eindringen wollte. Entzündet hatte sich der Streit an einer Lappalie. Es heißt, dass ein verschenktes T-Shirt, welches der Betroffene nachher wieder zurückforderte, Anlass für die Auseinandersetzung war. Dann sei der Streit eskaliert. Momentan würden sich die Syrer und Iraner vertragen, gab Hannes Stevens vom 15-köpfigen Helferkreis in Denklingen eine Einschätzung ab.

Doch sei damit die Situation nicht entschärft. Die Zuweisung der sechs Iraner sei „total unglücklich“, kommentierte Stevens in seinem Bericht vor den Gemeinderäten. Dazu müsse man den politischen Hintergrund bedenken, dass der Iran den syrischen Machthaber Assad unterstützt. Vor dem Einzug der sechs Asylbewerber aus dem Iran sei die Unterkunft im alten Pfarrhof auch von der Größe her geeignet gewesen, um ein Miteinander von 17 Personen zu ermöglichen. Inzwischen sei die intensive Belegung „teils menschenunwürdig“, fand Gemeinderätin Anita Gropp, die ebenfalls zum Helferkreis zählt.

Ein Blick in die Unterkunft zeigt: In der Küche ist eine Eckbank mit einem kleinen Tisch, wo in mehreren Schichten gegessen wird. Deutschunterricht erhalten die meisten Asylbewerber zurzeit einmal die Woche vor Ort, aber auch regelmäßig in Leeder sowie täglich in Landsberg. Wesentliche organisatorische Arbeiten – von Behördengängen über Arztbesuche bis hin zu Nachfragen zwecks Wohnraums – übernimmt regelmäßig Gabi Feldmeir aus dem Helferkreis.

Bisher nur Absagen

Schwierig gestaltet sich – diese Erfahrungen machen sowohl die Frauen und Männer vom Helferkreis als auch die Mitarbeiter auf der Gemeinde – die Suche nach Wohnraum. Bisher habe man sich nur Absagen eingehandelt, schildern Hannes Stevens und Gabi Feldmeir. In der Unterkunft im alten Pfarrhof von Denklingen seien zurzeit neun Fehlbeleger. Das sind solche Flüchtlinge, die inzwischen als Asylberechtigte anerkannt sind. Für sie benötige man in der Gemeinde Wohnraum.

Bei dem Thema gehe es nicht nur um das Platz haben, sondern „mehr um das Wollen“, so die Bewertung von Hannes Stevens. Wer Wohnraum vermieten kann, wendet sich am besten an die Gemeinde Denklingen. Bürgermeister Kießling blickt voraus, dass die Kommune bei anerkannten Asylbewerbern in der Pflicht sei, was die Unterbringung betrifft. Notfalls müsse man Zimmer anmieten, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Wegen des Nachzugs der Familien, aber auch wegen heimischer Interessenten müsse man das Thema im Auge haben, günstige Wohnungen zu bauen.

Johannes Jais

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