Das "Echte" ist doch das Allerschönste

Als „heiter und ernst, traurig und lustig, besinnlich und aufregend, eben wie eine rechte Geschichte sein muss“ hat das Landsberger Puppenspiel „Am Schnürl“ das Stück „Die Chinesische Nachtigall“ ange­kündigt. All das traf zu – und noch viel mehr, gelang es den Puppenspielern doch, sämtliche kleinen und großen Zuschauer förmlich zu verzaubern.

Was ist wertvoller? Ein mechanischer Vogel, der mit Edelsteinen geschmückt ist und auf Knopfdruck jedes Mal das gleiche Lied zum Besten gibt oder eine echte Nachtigall, die frei im Wald lebt und den Menschen ihren unvergleichlichen Gesang als Geschenk darbietet? Der Gegensatz einer vom Menschen künstlich geschaffenen Welt und der Natur ist das zentrale Thema des Märchens von Hans Christian Andersen. Der dänische Dichter setzt den Kunstvogel gegen die „echte“ Nachtigall, den kaiserlichen Palast mit seinen 999 Gemächern in Gegensatz zur freien Natur. Kein Wunder, dass die kaiserlichen Mandarine, die in der Kunstwelt zuhause sind, bei der Suche nach der Nachtigall überfordert und vollkommen ratlos sind angesichts der Dinge und Lebewesen des Waldes und Feldes. So halten sie zur Belustigung des Publikums Pfützen für Spiegel und Schafe für feindliche Heere, müssen sich erklären lassen, dass es sich bei einem quakenden grünen Etwas um einen Frosch handelt. Einzig das kleine Küchenmädchen, das sich in der „echten“ Welt zurechtfindet, kann dem Kaiser helfen und die Nachtigall finden. Schließlich öffnet der Kaiser seine künstliche Welt und lässt den Frühling hinein, das Lebendige siegt. Das Landsberger Puppenspiel „Am Schnürl“ hat es mit seiner Inszenierung geschafft, den ganzen Zauber des Andersen-Märchens einzufangen und auf die Bühne zu bringen. Mit liebevoll gestalteten Marionetten und Kulissen, die an asiatische Tuschzeichnungen erinnerten, chinesischer Musik, witzigen Ideen und überraschenden Effekten zogen sie kleine und große Zuschauer in den Bann. Besonders eindrucksvoll wirkte die Geisterszene, in der durch Schwarzlicht fluoreszierende Masken einen Tanz präsentierten. Die Brücke zwischen den Szenen bildete „Schnürl“-Spielleiter Helmut Glatz, der, angetan mit einer prächtigen chinesischen Jacke, als Erzähler fun­- gierte, aber auch zwischen­-durch mit dem Kaiser plaudern durfte. Eine wunderbare Vorstellung, nicht nur für Kinder. Die „Chinesische Nachtigall“ wird noch am 27. November um 19 Uhr und am 28. November um 16 und 19 Uhr im Puppentheater in der Katharinenschule aufgeführt.

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