Stadt im Kleinformat

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Der Feinschliff fehlt noch, ansonsten kam das „Modell vom Modell“ gut an: Künstler Egbert Broerken und der Rotary Club Landsberg stellten gemeinsam das Blindenmodell vor und wünschen sich jetzt einen Standort am alten Taxistand am Hauptplatz.

Landsberg – Was lange währt, wird endlich gut – das von den Rotariern gespendete Blindenmodell der Altstadt ist fast fertig. Das „Modell des Modells“ bekommt den letzten Schliff, im Mai soll es an seinen Platz kommen. Wo genau ist noch offen, Rotary Club-Präsidentin Silke Anderie hat einen Wunschstandort.

„Wir stellen es im Frühjahr an einem provisorischen Standort auf“, sagt Anderie bei der offiziellen Präsentation des vorläufigen Modells. „Mein Wunsch-standort wäre am Hauptplatz ungefähr da, wo zuvor der Taxistand war.“ Denn das Modell sei ein Geschenk an die Bürger und so müsse man es auch sehen können. Ohnehin wäre der – im Herbst vielfach diskutierte – Standort zunächst nur provisorisch, bis ein endgültiger Standort gewiss ist und der Sockel des Modells dort befestigt werden kann.

Bevor es allerdings soweit ist, muss Künstler Egbert Broerken an dem vorläufigen Modell noch kleine Änderungen vornehmen. Bei der Präsentation etwa vermisste ein Besucher den Vater Lech oder die Mauer am Flößerplatz. Die Vorstellung des Modells war auch durchaus so gedacht, dass jeder Bürger noch eigene Ideen und Anregungen einbringen kann, betont Silke Anderie.

Insgesamt hat der Künstler bereits rund ein halbes Jahr an dem Blindenmodell gearbeitet. Est ist im Maßstab 1:650, also rund 1,6 auf 1,2 Meter groß und kostet ohne den Sockel bereits über 30000 Euro. Anhand von Katasterplänen der Grundstücke und Luftbildern hat Egbert Broerken die Straßen und Plätze im Kleinformat erstellt. Die Häuser hat er anhand von Fotos gestaltet: „Ich laufe dann in der Stadt herum und fotografiere jedes einzelne Haus“, sagt der Künstler.

Darauf gekommen, Blindenmodelle zu erstellen, ist Broerken in seiner Heimatstadt Soest, wo die größte Blindenschule Nordrhein-Westfalens beheimatet ist. „In der Stadt sieht man viele blinde Kinder und Jugendliche, die sich das alles gar nicht so recht vorstellen können“, so der gelernte Bildhauer. So entstand die Idee und mittlerweile stehen rund 120 seiner Modelle in ganz Europa verteilt, Manhattan sei sein nächstes Projekt.

Blinde könnten sich mit dem Modell einen guten Überblick über die Stadt verschaffen, wichtige Straßen, Plätze und Gebäude seien in Blindenschrift erklärt. Aber auch Sehende haben Freude daran: „Ich habe sogar schon gesehen, wie Kinder auf einem Modell mit ihren Spielzeugautos herumgefahren sind“, sagt Broerken. Wenn die Änderungen eingearbeitet sind, werde das Modell zunächst in Silikon gegossen. Anschließend wird es mit Wachs überpinselt und nochmals überarbeitet – dann etwa komme erst die Neue Bergstraße auf das Modell. „Dann kommen zum Beispiel die Gänge am Schmalztor oder Sandauer Tor hinzu“, sagt der Bildhauer. Die Blinden- und Schreibschrift kommt im nächsten Arbeitsschritt auf die wichtigen Straßen und Gebäude des Modells, dieses wird dann in eine Schamotte-Masse eingegossen und gebacken.

Im letzten Schritt wird flüssige Zinnbronze über das Modell geschüttet. „Das Ganze nennt sich Wachsausschmelzverfahren und ist sehr aufwändig“, so Broerken. „Doch nur so bekommt man die feinen Details auch hin.“ Die Modelle werden überall gut angenommen, berichtet der Künstler, das zeige sich auch an den abgegriffenen stellen: „Durch die Bronze werden zum Beispiel oft die Kirchtürme golden, weil sie so oft angefasst werden.“

Am 23. März feiert der Rotary Club Landsberg seinen 40. Geburtstag. Ganz rechtzeitig schafft es das neue Blindenmodell allerdings nicht auf den Hauptplatz, doch am 11. Mai – also am Muttertag – soll es dann so weit sein. „Es war viel Abstimmung nötig und das Modell hat uns einiges an Kraft gekostet“, so Rotary-Präsidentin Anderie. „Wenn es endlich steht, ist das ein großes Zeichen des Friedens und nicht einfach nur ein Denkmal zu unserem Jubiläum sondern ein Geschenk für die Bürger und die Stadt.“

Janina Reich

Kein Platz im Rathausfoyer

Landsberg – Als das „Modell vom Modell“ präsentiert wurde, machte sich Reinhard Skobrinsky natürlich gleich auf den Weg und schaute sich bei der Präsentation den Entwurf für das künftige Tastmodell der Altstadt für Blinde an. Der BAL-Stadtrat war begeistert: „Eine ganz tolle Sache, ohne Zweifel“, hinterfragte aber im nächsten Atemzug den Ausstellungsort.

Skobrinsky wollte von OB Mathias Neuner (CSU) im Stadtrat wissen, warum denn „dieses schöne Modell in einer Gaststätte und nicht im Rathaus ausgestellt“ werde, wo es auch möglichst viele Bürger anschauen könnten? Die Frage sei bei ihm falsch aufgehoben, entgegnete Neuner. „Das Modell ist ein Geschenk der Rotarier und das ist das Vereinslokal der Rotarier, die wollten das darum eben so.“ Diese Darstellung allerdings widerspricht dem Inhalt der Rotarier-Pressemitteilung.

Zur Präsentation am Tag der Ratssitzung schreibt Silke Anderie, Präsidentin des Rotary Clubs Landsberg, fünf Tage zuvor: „Gerne hätten wir – auch wegen der Stadtratssitzung an dem Tag – die Präsentation des Modells im Rathausfoyer vorgenommen.“ Das sei aber „wegen der derzeitigen Ausstellung dort nicht so einfach durchzuführen.“ Nur deswegen, beteuert Anderie habe man dann „ganz pragmatisch“ ins Bräustüberl eingeladen.

Christoph Kruse

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