Tradition und neue Herausforderungen

Seit 325 Jahren geregelte Bahnen

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325 Jahre Tradition: Gemeinsam mit der Blaskapelle Entraching und Ehrengästen formierte sich die Fischereigenossenschaft Ammersee vor dem „Mann mit dem goldenen Fisch“ auf dem Untermüllerplatz in Dießen.

Dießen – Nach dem traditionellen Festzug und dem Fischeramt in der Kirche „St. Alban“ konnte Bernhard Ernst, 1. Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Ammersee, seine Fischerkollegen heuer an „Peter und Paul“ zu einem ganz besonderen Fischerjahrtag im Gasthof Unterbräu begrüßen: „Fast auf den Tag genau vor 325 Jahren, haben unsere Altvorderen beim Kurfürsten Max Emanuel erwirkt, dass die Fischerei auf dem Ammersee in geordnete Bahnen gelenkt wird. So wurde mit Unterschrift der kurfürstlichen Hofkanzlei und kurfürstlichem Siegel am 25. Juni 1691 die Gründung der Fischerzunft am Ammersee besiegelt“. Dies so Ernst, sei eine „weise und weitreichende Weichenstellung“ gewesen, die das Wirken der Fischer auf dem See bis heute nachhaltig beeinflusst.

Angesichts des Jubiläums fielen die Berichte zur aktuellen Situation der Fischerei eher kurz aus. Den Glückwunsch der Bayrischen Berufsfischer überbrachte deren Vizepräsident Günter Gabsteiger. Ein Forschungsprojekt zur Nährstoffsituation im Ammersee kündigte Dr. Bernhard Gum, stellvertretender Leiter der Fischfachberatung Oberbayern, an. Grundsätzlich, sagte Ernst, seien die Erträge aus dem Ammersee in der ersten Jahreshälfte zufriedenstellend gewesen. Und angesichts des Hochwassers dürfe man sogar auf ein verhältnismäßig gutes Renkenjahr hoffen. Die Ammerseefischerei, so Ernst, sei längst ein bedeutendes Kulturgut. Zwar hätten sich in den letzten Jahren die Materialien geändert, aber die Art und Weise, wie Netze und Reusen im See ausgebracht werden, sei noch immer dieselbe. Schon zu Zunftzeiten sei den Ammerseefischern eine gute Ausbildung ihres Nachwuchses wichtig gewesen, der bis dato mit großer Umsicht und Fürsorge angeleitet und qualifiziert werde.

Auch in der heutigen Genossenschaft sei die Ammerseefischerei „durchweg demokratisch organisiert“. Alle Meister hätten nach wie vor die gleichen Rechte und Pflichten und seit Generationen werde, wie bereits im Zunftbrief festgeschrieben, sorgsam darauf geachtet, dass keine zu kleinen Fische gefangen werden, um die Ressourcen für die Zukunft zu wahren. Allerdings habe sich der See in den letzten 100 Jahren, insbesondere seit der Fertigstellung der Neuen Ammer und durch den Rückgang des Schilfs, grundlegend verändert. Allen müsse klar sein, dass ein gesunder See die Basis für gesunde und hochwertige Fische und die Voraussetzung für den Fortbestand von Fischerfamilien sei, die teilweise seit mehr als 600 Jahren diesen Beruf ausüben.

Auf Interesse stießen Relikte aus der Zunftzeit, wie die Zunftlade in die das Vermögen in Form von Geld oder Wachs einbezahlt worden war, oder das Handwerksbuch, in dem namentlich 160 Fischer vermerkt sind, die zur Zunftgründung aufgenommen wurden. Auch das Totenbuch und andere Urkunden und Dokumente, die einst in der Lade verwahrt wurden, wurden am Jahrtag im Saal des Gasthof Unterbräu ausgestellt.

Von den Fischern aufs Herzlichste begrüßt wurde auch Dießens neuer Pfarrer Josef Kirchensteiner, der erstmals das Fischeramt zelebriert hatte. Besonders freute sich Ernst über den Wunsch des Pfarrers, bald einmal zum Fisch­fang mit auf den See hinaus zu fahren. Eine Ehrung gab es für Fischermeister Paul Gastl aus Dießen und für Victoria Wesselmann aus Herrsching für deren Bemühungen zur Archivierung der Ahnenforschung.

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