Einbürgerung gefährdet

Ein echter Knaller mit kräftigem Rückstoß… Cartoon: Pfeffer

Schlechter Scherz mit bösen Folgen: Weil er an seinem Arbeitsplatz einen Knallkörper zündete und einer seiner Kollegen dadurch einen Hörschaden erlitt, ist ein 39-Jähriger aus Kaufbeuren vom Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Mann bestritt zwar den Vorwurf, und direkt beobachtet hatte die Tat auch niemand. Doch mehrere Zeugenaussagen ließen keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Karfreitag vergangenen Jahres, kurz vor sechs Uhr morgens, Schichtwechsel bei Hirschvogel in Denklingen. Die Nachtarbeiter sind auf dem Weg zu den Duschen, die Frühschicht geht an die Arbeit. Plötzlich erschüttert ein gewaltiger Knall die Werkshalle. „Mir wurde schwarz vor Augen, ich habe den Druck bis in die Lunge gespürt“, schilderte der 31-jährige Geschädigte diesen Moment. Er ging gerade an einer offenen Kiste mit Fahrzeugteilen vorbei – und aus dieser Kiste sei die Explosion gekommen. Offenbar hatte kurz zuvor jemand einen Knallkörper hineingeworfen. „Ich habe mich zu meinen Kollegen umgedreht. Alle sahen erschrocken aus, nur einer schaute unbewegt“, so der 31-Jährige. Dieser Eine sei auch prompt auf ihn zu gelaufen, habe sich entschuldigt und gesagt: „Ich war's.“ Diese Äußerung gab der Angeklagte vor Gericht sogar zu. Sie sei aber kein Schuldeingeständnis gewesen. „Ich wollte meinen Kollegen nur beruhigen, weil er so emotional war.“ „Eine dämlichere Erklärung habe ich noch nie gehört“, befand daraufhin Nebenklägervertreter Laib Chasklowicz. Sei­ner Meinung nach hat der 39-Jährige den Vorfall verdrängt, weil er nicht wahrhaben will, was er angerichtet hat. Sein Kollege trug ein Knalltrauma mit heftigen Schmerzen davon und leidet bis heute zeitweise unter einem Pfeifgeräusch im linken Ohr. Dennoch hätte der Fall nicht vor Gericht landen müssen. Der 31-Jährige kam zunächst gar nicht auf die Idee, seinen Kollegen anzuzeigen. Erst, als dieser später die Tat leugnete, reichte es ihm, und er ging zur Polizei. Um was für einen Knallkörper es sich handelte, konnte nicht mehr festgestellt werden. Unmittelbar beobachtet hatte den Angeklagten niemand. Ein Kollege hatte ihn jedoch gesehen, wie er sich wenige Sekunden vor der Detonation die Ohren zuhielt und in gebückter Haltung von der Kiste weglief. Diese Aussage und das damalige Schuldeingeständnis des Angeklagten überzeugten Richterin Sabine Grub von seiner Täterschaft. „Es gibt für mich keinen nachvollziehbaren Grund, warum er damals ein Geständnis abgelegt hat, wenn er es nicht war“, stellte Grub klar. Der Angeklagte habe billigend in Kauf genommen, dass durch seine Aktion jemand verletzt wurde. Sie verurteilte den Vater von vier Kindern zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, steht auch die beantragte Einbürgerung des türkischstämmigen Mannes auf der Kippe.

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