Zwischen Licht und Schatten

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Zigtausend Fahrradreflektoren bilden eines der Kunstwerke, die in der Ausstellung „LICHTgestalten“ in der Säulenhalle zu sehen sind. Bei der Vernissage am Samstag wurden auch die zwei Gewinner des gleichlautenden Wettbewerbs der Künstlergilde gekürt.

Landsberg – Licht gestalten oder Lichtgestalt – beide Auslegungen waren beim Wettbewerb „LICHTgestalten“ der Künstlergilde Landsberg möglich. Die Gewinner der mit jeweils 2000 Euro dotierten Preise Monika Supé und Stephan A. Schmidt lösten die gestellte Thematik unterschiedlich. Während Supé mit gebogenem Draht ihren dreidimensionalen Rückenakt aus der Serie „no body“ nur durch Licht und Schatten „zeichnete“, holte sich Schmidt Anregung bei da Vincis Abendmahl: Seine Restlichtfotografie von zwölf nur vom Handybildschirm beleuchteten „Jüngern“ an einer langen Tafel zeigt in der Mitte eine Lücke. Der Titel: „Keiner von euch“.

Schon gleich am Eingang der Säulenhalle stechen dem Besucher mehrere Bilder und Objekte ins Auge: rechts an der Wand ein schwarz-weiß-Foto eines modernen Halbgottes, geradeaus eine Stele, in deren Durchbruch das Licht golden schimmert, davor ein hoher Lichtschrank, das „Observatorium“ aus zusammengeklebten Brillengläsern. Auf der Treppe im Hintergrund sitzt der „Gameboy“, ein aus Sackleinen und Wachs nachgebildeter Junge im mönchskuttenähnlichen Hoodie.

Die Mitte des Raumes dominiert „die Wahrheit ist kein Kristall“: Zigtausende im Licht glitzernder Fahrradreflektoren formen einen Stift, legen sich zu Kristallen, liegen verstreut am Boden. „Als älteste Künstlervereinigung hat sich die Künstlergilde Landsberg Lech Ammersee im Dominikus-Zimmermann-Jahr für die Auslobung der Preise sowie die Ausstellung entschlossen“, sagte die erste Vorsitzende der Gilde Petra Ruffing. Insgesamt habe man 312 Einreichungen aus ganz Bayern erhalten, von denen 57 in der Säulenhalle zu sehen sind.

Die Auswahl traf eine fünfköpfige Jury, in der sowohl Museumsleiterin Sonia Fischer als auch der Vorsitzende des BBK Schwaben Nord und Augsburg Norbert Kiening vertreten waren. Das Thema „Licht“ liege bei Dominikus Zimmermann natürlich nahe, fuhr Kulturbürgermeister Axel Flörke in seiner Einführung fort. Der Wessobrunner Kreis sehe die Wieskirche als Wandlung „von Licht in Architektur. Zimmermann verwendete Licht als Gestaltungselement in zuvor nicht gekannter Weise.“ Passend zum leichten Thema Licht begleitete ein Gitarrenquintett unter Musikschulleiter Lothar Kirsch die Besucher mit flirrender Saitenkunst.

Die beteiligten Künstler haben sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise genähert: die fotografische Arbeit eines freischwebenden Christus, im Hintergrund sein Schattenkreuz; eine Biene aus Wachs, „vom Dunkel ins Licht“; „Light room“, eine digitale Bildmontage, gestaltet den Raum eines Leuchtkastens. Und eine „Camera Obscura“ aus mehreren Linsen lässt die Welt vor der Säulenhalle Kopf stehen. Viele Fotoarbeiten sind vertreten, verschwommene Lichtreflexe oder Langzeitbelichtungen, die Lichtfäden spinnen. Und zahlreiche Gemälde, die sich dem Thema widmen. Gewinnerin Monika Supé hat bis 2011 als Architektin gearbeitet, „aber dann habe ich beschlossen, dass ich das tun möchte, was mich ausfüllt. Das geht natürlich nur dann, wenn das Licht im Kühlschrank nicht ausgeht“.

Ihre Arbeiten seien zeichnerisch orientiert, gleichzeitig ein Spiel zwischen Drei- und Zweidimensionalität, „aber ich versuche auch, die Wahrnehmung der Leute hinters Licht zu führen“. So habe sie viele Besucher gesehen, die mehrmals mit dem Finger geprüft hätten, ob der Schatten tatsächlich kein Bleistiftstrich sei. Zudem kennt man diesen Akt als zweidimensionales Werk: die „Badende von Valpinçon“ des französischen Künstlers Ingres. Das exakte Arbeiten mit den winzigen Drähten sei tatsächlich ziemlich fisselig, gibt Supré zu: „Manchmal frage ich mich, muss das wirklich sein.“

Bei Stephan A. Schmidts Restlichtfotografie existiert nur eine Lichtquelle: Allein die Displays der Handys beleuchten die Gesichter der zwölf Gestalten. Die Maße des Bildes orientierten sich exakt an denen des originalen Abendmahls von da Vinci, und auch eine der beliebten Verschwörungstheorien hat er eingebaut: „Es sitzt tatsächlich eine Frau am Tisch“, schmunzelt Schmidt. Er sei oft auf die Abwesenheit Jesus‘ angesprochen worden, und „am besten hat mir die Antwort eines Kindes gefallen: „Der holt gerade das Ladekabel.“

Susanne Greiner

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