Asylsuche

"Sie kamen in Sandalen an"

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„Vorsichtiges Beschnuppern“, so Pfarrer Johannes Huber, war kürzlich bei einem Runden Tisch mit den zehn Erpftinger Asylbewerber angesagt. Und alle Beteiligten freuten sich über die Welle der Hilfsbereitschaft.

Erpfting – Um sich kennenzulernen und, so Pfarrer Johannes Huber, „vorsichtig zu beschnuppern“, haben sich Vertreter von Kirchen, Organisa­tionen und Vereinen sowie hilfsbereite Bürger jüngst zu einem Runden Tisch mit den zehn Asylbewerbern getroffen, die seit Mitte Dezember in Erpfting leben.

Die zehn jungen Männer kommen aus Afghanistan, sind zwischen 18 und 24 Jahre alt und haben fast alle handwerkliche Ausbildungen – Kfz-Mechaniker, Zimmerer, Möbelschrei­- ner, Anstreicher, Koch. Nur zwei von ihnen sprechen etwas Englisch. Alle möchten zügig Deutsch lernen und sollen künftig einmal pro Woche Unterricht bekommen – ehrenamt­lich, von Hildegard Markwart aus Landsberg. Neben ihrem eigentlichen Beruf als Zahnärztin ist sie ausgebildete Grundschullehrerin. Auch einen Computer möchte sie den jungen Männern zur Verfügung stellen.

Einige Bürger haben bereits warme Kleidung und Decken gebracht. Anlaufstelle für die Spenden ist die in Erpfting lebende Stadträtin Martha Borgmann, die sich mit ihren UBV-Frauen engagiert um die Flüchtlinge kümmert. „Sie kamen in Sandalen an und hatten nur dünne Kleidung“, berichtet Borgmann. Noch immer fehle es an Mützen, Schals, Handschuhen, Socken, Unterwäsche. Auch ist sie dabei, Fahrräder zu organisieren, um den jungen Männern zusätzlich zu den sporadisch verkehrenden Bussen mehr Mobilität zu ermöglichen.

Sowohl Pfarrer Huber als auch Susanne Hanft vom BRK warnten indes vor einer ungehemmten Spendenflut. Hanft besucht die Flüchtlinge einmal in der Woche und betreut bereits seit längerer Zeit die Asylbewerber, die in Kaufering untergebracht sind. Sie betonte, es sei wichtig, die Hilfsbereitschaft zu kanalisieren. Die Asylbewerber erhielten Gutscheine, mit denen sie im BRK-Laden und anderen Geschäften einkaufen könnten. Hat man für etwas bezahlt – und sei der Preis noch so niedrig –, sei es für denjenigen mehr Wert als Geschenktes.

Ebenso wichtig wie die unmittelbare Versorgung ist es für die jungen Männer, ihre Tage mit sinnvoller Beschäftigung zu füllen. Während sie auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten, dürften sie zwar nicht regulär arbeiten, sich aber durchaus in bescheidenem Rahmen etwas Geld verdienen. „Eine geringfügige Beschäftigung zu einem Stundenlohn von maximal 1,05 Euro ist erlaubt“, weiß Hanft. Sie hofft, dass sich in den Betrieben der Umgebung Möglichkeiten dafür finden.

Alexander Orban vom SV Erpfting hat die Gruppe bereits zum Fußballtraining eingeladen. Das Angebot wurde gerne angenommen. Passende Sportkleidung und Fußballschuhe wollen die Vereinsmitglieder zur Verfügung stellen.

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