"An einem schönen Sommertag wie heute"

Am 18. Juni 1944 sind die ersten Häftlingstransporte aus Auschwitz im „KZ-Kommando Kaufering“ am dortigen Bahnhof angekommen. Die Häftlinge sollten „durch Arbeit vernichtet“ werden – Arbeit in den Lagern, Arbeit an drei riesigen Bunkern. Auf den Tag genau 65 Jahre später wurde an dieses dunkelste Kapitel der Ortsgeschichte erinnert: Die Gemeinde lud zu einer Gedenkveranstaltung am Bahnhof, an der neben Vertretern des öffentlichen Lebens und drei Schulklassen auch zwei Überlebende teilnahmen.

Peter Gardosch war 13 Jahre alt, als er seine Mutter und seine jüngere Schwester im Vernichtungslager Auschwitz das letzte Mal sah. Er und sein Vater wurden nach Kaufering transportiert. „Es war genauso ein schöner Sommertag wie heute, alles war grün und die Sonne schien", erinnert sich Gardosch. Er steht am Gedenkort „Rampe“ am Gütergleis, hinter sich einen der Waggons, in denen damals die Häftlinge tagelang eingepfercht waren – ohne Verpflegung und Wasser, ohne sanitäre Anlagen. Die Gemeinde hat den Waggon zum Gedenken gekauft. Im Halbkreis stehen drei Schulklassen um Peter Gardosch herum, zwei neunte Klassen der Kauferinger Hauptschule und eine zehnte der Landsberger Johann-Winklhofer-Realschule. Zunächst traut sich keiner so recht, das zu tun, was ihnen Dr. Friedrich Schreiber als Sprecher des Vereins „Gedenken in Kaufering“ nachdrücklich ans Herz legt: „Fragt ihn, fragt ihn, fragt ihn.“ Erst an der zweiten Station der Veranstaltung, dem Gedenkort „Lager III“ in der Schrebergartenanlage, fassen die Schüler Mut. Wie hat Peter Gardosch das Grauen im „KZ-Kommando Kaufering“ überlebt, das Tausende andere Häftlinge aus Osteuropa das Leben kostete? „Durch einen glücklichen Zufall wurde ich die Ordonanz des Lagerkommandanten“, berichtet der 68-Jährige, der heute bei Potsdam lebt. Die Frau des Kommandanten habe Verbindungen zum deutschen Widerstand gehabt und einen Lebensmitteltransport vom Roten Kreuz in Genf organisiert. „Das hat vielen das Leben gerettet", so Gardosch. Was hat er als das Schlimmste empfunden? „Das Schlimmste war, wie ich meine Mutter in Auschwitz habe verschwinden sehen - mit einem Strohhut auf dem Kopf, den sie sich gekauft hatte, weil sie dachte, wir würden in der Landwirtschaft eingesetzt." Sein Vater überlebte wie er selbst, starb aber 1950 an einem Herzinfarkt. Der dritte Gedenkort, der an diesem Tag besucht wird, sind die Massengräber in der Hurlacher Heide. Bürgermeister Dr. Klaus Bühler überkommt „Scham und Grauen angesichts dessen, wozu Menschen fähig sind“, und er mahnt nachdrücklich, die Erinnerungen wach zu halten, auch wenn heute niemand mehr Schuld trägt an den Verbrechen von damals. „Aber wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Zukunft.“

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